Wasserversorgung

Aktien von BWT und Christ erscheinen zu teuer

09. März 2006 Wasser gilt als die Anlagestory der kommenden Jahre. Mit Wasser-Zertifikaten wirbt die ABN Amro-Bank, und die DWS legt mit ihrem „Zukunftsressourcen“-Fonds den Schwerpunkt auf diese Anlagekategorie.

Angesichts der in einigen Gegenden der Welt bereits akuten Trinkwasserknappheit hat die Investment-Story durchaus einige Berechtigung. Auch zeigen sich die Wasser-Anlagevehikel nicht unerfolgreich.

Kursverläufe ehr volatil

Der Pictet Water-Fonds ist über fünf Jahre der zweitbeste Fonds der Kategorie „Aktien Ökologie, Umwelt, Sustainability“ und liegt genauso wie der SAM Sustainable Water Fund auch über drei Jahre auf den vorderen Rängen. Das Wasser-Zertifikat der ABN Amro konnte in den vergangenen drei Monaten 14,3 Prozent zulegen.

Andererseits trübt sich beim Blick auf so manche Wasser-Aktie das Bild. BWT etwa galten im Jahr 2000, als die Technologie-Werte verfielen, als Paradepferd der Branche und erlebten einen Höhenflug vom Tief bei 12,093 Euro bis auf 39,999 Euro, konnten aber die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Der Kurs stürzte bis Ende 2002 auf 7,907 Euro ab.

Anschließend setzte zwar eine Erholungsrally ein, die aber im September bei 33,859 Euro ein jähes Ende fand. Mit der Abspaltung der Christ Water Technology ging der Kurs in die Knie und konnte sich seitdem nicht so recht erholen. Auch die frühere Tochter Christ zeigte sich bisher eher in einer volatilen Seitwärtsbewegung.

BWT-Geschäft mit deutlichen Schwankungen

Diese Entwicklung ließ sich fundamental begründen. Nachdem BWT 2002 den Umsatz nur schwach steigern konnte und der Nettogewinn stagnierte, ging der Umsatz 2003 sogar zurück, während sich der Gewinn mehr als halbierte.

Im vergangenen Geschäftsjahr, für das BWT am Mittwoch Zahlen vorlegte, war die Umsatzentwicklung naturgemäß vor allem von der Abspaltung der Industriesparte als Christ Water Technology geprägt. Insgesamt sanken die Erlöse daher auf 463,5 Millionen Euro. Rechnet man die von Christ am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen hinzu, ergibt sich ein moderater Umsatzanstieg von 2,3 Prozent auf 499,2 Millionen Euro.

Im verbleibenden BWT-Kerngeschäftsfeld Aqua Ecolife Technologies (AET) stagnierte der Umsatz faktisch bei 315 Millionen Euro (Vorjahr 312,1 Millionen). Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging aufgrund schwächerer Erträge in Frankreich beim gleichzeitigen Kapazitätsaufbau im Servicebereich und Sonderkosten von einer Million Euro für die Christ-Abspaltung um 14,6 Prozent auf 26,3 Millionen Euro zurück.

Konzernweit stieg das Ebit auf 27 von 24,6 Millionen Euro, da sich Christ im Laufe der ersten zehn Monate aus den Verlusten herausarbeitete und mit einem Plus von 1,3 Millionen Euro abschloß. Das Nettoergebnis erreichte 2005 konzernweit 19 Millionen Euro (plus 12,6 Prozent).

Christ auf dem Weg der Besserung

Die BWT-Zahlen wurden als insgesamt im Rahmen der Erwartungen liegend bezeichnet. Nach dem Wegfall von Christ erwartet BWT für das laufende Jahr einen Umsatz von 330 Millionen Euro, was einem Plus von 4,4 Prozent entspräche. Beim Konzernergebnis rechne das Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Euro, teilte BWT am Mittwoch bei Vorlage der Zahlen für 2005 mit. Im Geschäftsbereich AET sollte sich laut BWT vor allem im zweiten Halbjahr 2006 eine überdurchschnittliche Umsatz- und Ertragssteigerung einstellen.

Auch bei Christ Water Technology hielten sich die Umsatzzuwächse in Grenzen. Das Unternehmen vermeldete einen Anstieg um 2,6 Prozent auf 183 Millionen Euro. 2005 seien im Unterschied zu 2004 keine Großprojekte zur Abwicklung gelangt, hieß es aus Mondsee.

Besser entwickelte sich das Ergebnis. Das Konzern-Ebit stieg auf vier Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 3,2 Millionen Euro verzeichnet worden war. Dazu habe besonders das Geschäft mit ultrareinem Wasser für die Halbleiter-Industrie beigetragen, das einen Gewinn von 1,1 Millionen Euro nach einem deftigen Vorjahresverlust von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftete.

Enttäuschungen im Osteuropa-Geschäft

2004 seien noch Auswirkungen der unter Herstellkosten hereingenommenen Altprojekte zu verbuchen gewesen, wobei dieser Umstand im vergangenen Jahr in deutlichen geringerem Ausmaß angefallen sei, hieß es zur Begründung.

Der Bereich Pharma & Life Science der Wasser für die pharmazeutische Produktion aufbereitet, konnte von einer besseren Kapazitätsauslastung profitieren. Das operative Ergebnis stieg in diesem Bereich auf knapp das Doppelte auf 1,7 Millionen Euro.

„Enttäuschend“ sei dagegen die Ertragsentwicklung im Bereich Getränke und Nahrungsmittel verlaufen, wo ein Verlust von 100.000 Euro nach einem Vorjahresgewinn von 700.000 Euro anfiel, weil Großaufträge aus der osteuropäischen Nahrungsmittelindustrie wegfielen. Der gesunkene Auftragseingang habe so nicht für die Fixkostenabdeckung ausgereicht und habe operative Anpassungsmaßnahmen erforderlich gemacht, hieß es.

Hohe Bewertung macht Aktien wenig attraktiv

Christ Water Technology erwartet für das Geschäftsjahr 2006 sowohl für den Umsatz als auch für das Konzernergebnis eine „deutliche“ Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Basis dafür seien die gefüllten Auftragsbücher, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Konkrete Angaben zum Ausblick machte das Unternehmen indes nicht.

Angesichts der ehrgeizigen Bewertung der Aktien mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 20,8 für das laufende und 21,5 für das kommende Jahr bei BWT und 50,3 bzw. 31,8 für Christ Water Technology und der eher verhaltenen Dynamik des Geschäfts wird die eher verhaltene Kursentwicklung der Aktien verständlich. Daher empfehlen sich gegenüber dem Investment in diese Aktien wohl doch eher die einschlägigen Fonds oder Zertifikate.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Christ, FAZ.NET

 
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