Ratingagentur

Moody's wehrt sich gegen Betrugsvorwurf

Von Bettina Schulz und Benedikt Fehr, London/Frankfurt

22. Mai 2008 Die amerikanische Ratingagentur Moody's sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, dass es bei ihr bei der Vergabe von Bonitätsnoten für bestimmte komplexe Wertpapiere zu Unregelmäßigkeiten, wenn nicht gar Betrug gekommen sei. „Wir untersuchen Moody's auf etwaigen Betrug und Verschleierung von falschen Bonitätsbewertungen“, warnte der amerikanische Staatsanwalt von Connecticut Richard Blumenthal am Mittwoch, nachdem die Financial Times über Unregelmäßigkeiten bei der Rating-Vergabe von Moody's im Jahr 2006 berichtet hatte. Der New Yorker Senator Charles Schumer forderte die amerikanische Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) auf, den Fall zu untersuchen. Die umstrittenen Bonitätsbewertungen wurden von Moody's in Europa vergeben.

Bei den Unregelmäßigkeiten soll es um Bonitätsnoten für sogenannte Constant Proportion Debt Obligations (CPDOs) in Höhe von etwa 4 Milliarden Dollar im Jahr 2006 gehen. CPDOs sind komplexe Finanzderivate, mit denen professionelle Investoren auf die künftige Entwicklung an den Kreditmärkten spekulieren. Die Agentur hat vielen dieser Papiere die Bestnote „Aaa“ zuerkannt, gleichwohl bieten die Papiere ungewöhnlich hohe Renditen, die um bis zu 200 Basispunkten über Libor liegen, dem Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen.

Computerfehler führte zu der höchsten Bonitätsbewertung?

CPDOs sind eine Erfindung der niederländischen Großbank ABN Amro, deren erste Emission von CPDOs im August 2006 von der Ratingagentur Standard & Poor's mit der höchsten Bonitätsnote „AAA“ bewertet wurde. Für den Verkauf von Wertpapieren am Markt ist jedoch die Bewertung einer zweiten Agentur nötig. Moody's stieg wenig später ebenfalls in die Bewertung von CPDOs ein. Es folgte eine ganze Welle von Emissionen zahlreicher Investmentbanken. Standard & Poor's und Moody's wurden überrannt mit Anfragen, immer wieder neue CPDO-Emissionen zu bewerten. Andere Ratingagenturen wie Fitch lehnten indessen ab, CPDOs die Bestnote zuzuerkennen.

Die Financial Times schreibt mit Bezug auf ihr vorliegende Unterlagen, Moody's habe im Februar 2007 erkannt, dass bei einigen CPDOs ein Computerfehler zu der höchsten Bonitätsbewertung geführt habe. In Wirklichkeit hätten den CPDOs deutlich niedrigerer Bonitätsnoten verliehen werden müssen. Intern sei dieses Problem von führenden Mitarbeitern der Ratingagentur bereits im Februar 2007 diskutiert worden.

Untersuchung eingeleitet

Der Computerfehler wurde von Moody's nach Darstellung der Financial Times anschließend zwar korrigiert, die falschen Ratings der CPDOs jedoch nicht. Vielmehr habe Moody's die Bewertungsmethode der CPDOs in einer Weise verändert, die den Bewertungsfehler und die Abweichung der Bonitätseinstufungen offenbar minimierte. Moody's bestreitet dies allerdings: „Es würde der Unternehmenspolitik widersprechen, wenn Moody's seine Bewertungsmethoden änderte um Irrtümer zu verschleiern.“

Die Agentur nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe jetzt eine Untersuchung eingeleitet. Nach Angaben der Financial Times wurden die Irrtümer der Bewertungen nie publik gemacht. Die „Aaa“-Bewertungen der CPDOs seien vielmehr erst Anfang dieses Jahres geändert worden, als Moody's sie im Zuge der allgemeinen Marktturbulenzen herabgestuft habe.

Moody´s im Kreuzfeuer der Kritik

Für die Ratingagenturen ist der Skandal um Moody's ein weiterer Schlag, da sie ohnehin bereits im Kreuzfeuer der Kritik stehen. Ihnen wird vorgeworfen, Interessenkonflikten ausgesetzt zu sein. Denn zum einen hätten die Agenturen die Emittenten für hohe Gebühren dabei beraten, wie Papiere strukturiert werden müssen, dass sie die Bestnote erhalten. Zum anderen hätten die Agenturen diese Papiere dann auch, wiederum gegen Entgelt, bewertet und Bestnoten erteilt - was es den Emittenten erst ermöglicht habe, diese Papiere global an gutgläubige Anleger zu vertreiben.

Mit Blick auf den Interessenkonflikt und die offensichtliche Fehlbewertung zahlreicher strukturierter Wertpapiere nehmen die Forderungen nach einer schärferen Regulierung der Ratingagenturen zu. So hat EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy zur Wochenmitte wissen lassen, er halte die Empfehlung einer EU-Expertengruppe für nicht ausreichend, die Einhaltung unverbindlicher Standards schärfer zu kontrollieren. McCreevy will in der kommenden Woche entscheiden, ob die EU-Kommission eine gesetzliche Regelung für Rating-Agenturen vorschlagen wird. Dies wird von einigen Politikern und Bankmanagern gefordert. Der Aktienkurs von Moody's ist am Mittwoch um 16 Prozent gefallen, am Donnerstag im frühen Handel um weitere 8 Prozent.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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