Internet

„Google-Versteigerung“ nicht ohne Risiken

24. Oktober 2003 Nun scheint die bekannte Suchmaschine Google doch an die Börse zu kommen. Lange ist die Frage durch die Medien gegeistert, ob sie kommt, wann sie kommt und welche Bank die Platzierung an der Börse begleiten darf. Nun sieht es sogar so aus, als ob das Unternehmen die Banken sogar umgehen könnte, indem es seine Aktien direkt über das Internet plaziert. Und zwar in einer Online-Versteigerung.

Das wäre nicht unbedingt neu, denn das haben andere Unternehmen auch schon getan. Allerdings hatten sie nicht unbedingt den Bekannheitsgrad Googles und sicherlich auch nicht das finanzielle Rückrad. In der Regel sind es eher die finanziell klammen und manchmal sogar dubiosen Unternehmen, die diesen Weg wählen. Da sie in der Regel die Banken nicht überzeugen können, bleibt ihnen kein anderer Weg als die Privatplatzierung.

Sorge um überhöhte Bewertung ...

Doch Experten stehen diesem Verfahren skeptisch gegenüber, weil sie vor allem unrealistische Preise befürchten. Zum Beispiel der Börsenexperte Wolfgang Gerke. Er lehnt eine Online-Auktion bei einem Börsengang nicht grundsätzlich ab, mahnt aber zur Beachtung des Regelwerks. Das Allerwichtigste sei, daß keine aufsichtsrechtlichen Vorschriften vernachlässigt würden, sagt der Professor für Banken- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen. Er mahnt potenzielle Anleger zudem, nicht auf möglicherweise geringere Transaktionskosten, sondern auf den Preis der Aktie zu achten.

Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist eine Versteigerung im Internet keine Alternative: „Es klingt sehr demokratisch, aber wir lehnen es ab“, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Bei der Erstnotierung gehe es darum, möglichst den „wahren Wert“ eines Unternehmens zu finden. Dies gelingt nach seiner Ansicht besser durch das herkömmliche Verfahren, bei dem Banken eine Preisspanne festlegen. Bei einer Auktion fürchtet Kurz dagegen unrealistisch hohe Preise. Dann könne schon in der Erstnotierung die ganze Phantasie für den weiteren Kursverlauf stecken. Ein Auktionsverfahren bedeute, „die Gier der Leute auszunutzen“, glaubt der Aktionärsschützer. Ob die Börse diesbezüglich besser ist, läßt sich angesichts der Erfahrung der neunziger Jahre bezweifeln.

... und jede Menge offener Fragen

Kurz sieht in einer Onlineversteigerung höchstens für das Unternehmen Vorteile, da der Börsengang billiger werde. Den Privatanlegern nützt dies aus seiner Sicht aber nicht, da sie immer noch eine Bank für ihr Aktiendepot bräuchten. Google argumentiert dagegen, eine Auktion könne eine breite Streuung der Aktien sichern. Denn alle Investoren könnten die Anteilsscheine direkt kaufen.

Das dürfte eher zu bezweifeln sein. Denn angesichts der momentanen Verfassung der Börse und angesichts des Renommeés sowie der kolportierten Profitabilität des Unternehmens dürfte die Nachfrage gigantisch sein. Die Frage ist, ob sich solch ein Prozeß mit dem Internet bewältigen läßt. Die andere Frage ist tatsächlich die der Bewertung. Also die Frage, wieso Google überhaupt an die Börse geht. Hat es große Wachstumspläne, die es aus eigenen Mitteln nicht finanzieren kann, wie sehen sie aus und welche realtisitshcen Wachstumsperpektiven gibt es?

Oder geht es für die Gründer und weiteren Anteilseigner nur darum, die Idee zu versilbern, bevor sie möglicherweise wertlos geworden ist? Denn eines ist sicher: Suchmaschinen sind nicht patentgeschützt. Wer will ausschließen, daß andere Suchmechanismen nicht noch wesentlich effizienter sind? Google könnte dann genau so schnell überflügelt, wie Altavista, Yahoo, Infoseek und wie sie alle heißen mögen von Google.

In diesem Fall wären die Aktionäre gekniffen, die die Papiere auf Grund unrealistischer Annahmen in einer wilden Auktion zu teuer erworben hatten.



Text: @cri

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,35 -0,79
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 869,90 +2,66
Öl 76,65 -7,49
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