15. Mai 2008 Es hätte der erste Börsengang seit langer Zeit werden sollen, doch er scheiterte kläglich. In der Nacht zum Donnerstag gab der IT-Großhändler Devil bekannt, den für den 20. Mai geplanten Börsengang vorläufig aufzugeben.
Die bis zu 2.500.000 zu einem Preis von 6,00 bis 9,00 Euro angebotenen Aktien hätten nur zur Hälfte abgesetzt werden können, wie aus der am Mittwoch in Braunschweig veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens hervorgeht.
Finanzierungsalternativen werden geprüft
Der daraus resultierende Emissionserlös wäre nach Einschätzung des Managements und der Eigentümer nicht ausreichend gewesen, die vorgesehene Expansionspolitik der Gesellschaft im geplanten Umfang umzusetzen. Es würden daher zunächst weitere Finanzierungsoptionen geprüft, ein Börsengang würde gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt.
Wir haben uns so aufgestellt, dass wir jetzt Wachstum haben wollen. Wir brauchen den Börsengang nicht für unser organisches Geschäft, aber wir wollen ihn jetzt, hatte Finanzvorstand Carsten Schmelzer gesagt.
Seit Ausbruch der Finanzkrise an den internationalen Aktienmärkten hatte sich kaum noch ein Unternehmen an die deutsche Börse getraut. Devil wäre der erste Börsenneuling 2008 im streng regulierten Prime Standard gewesen.
Das Braunschweiger Unternehmen beliefert Elektronik-Fachhändler mit Hard- und Softwareprodukten wie Grafikkarten und Speicherchips, Notebooks oder Druckern, die von verschiedenen Anbietern bezogen werden.
Mangelnde Attraktivität?
Was die Gründe für die schwache Nachfrage waren, wird nie mit Sicherheit zu ergründen sein. Aber ganz offensichtlich fehlt das Vertrauen in die Aktienmärkte und vor allem die Risikofreude.
Der Großhändler zeigte sich in den vergangenen Jahren recht margenschwach, weil offenbar bislang Umsatz vor Ertrag gegangen war. Darauf weisen die Aussagen der Ende 2007 neu eingesetzten Geschäftsleitung im Emissionsprospekt hin. Diese hatte dort zum einen die von den Vorgängern ausgegebene Umsatzerwartung von 345 Millionen Euro, was einem Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprochen hätte, als ambitioniert. Zum anderen versprach sie, sich auf margenorientiertes Wachstum zu konzentrieren.
Zudem verzeichnete man es als Erfolg, dass der Umsatz in den ersten Monaten des laufenden Jahres stabil gehalten werden konnte und hatte im Februar, wenn auch erwartungsgemäß, eine Umsatzrückgang verbucht.
Graumarkt-Handel erscheint rückblickend als Warnsignal
Auch wenn die Unternehmensentwicklung völlig in Ordnung sein mag, so war vielleicht unter den gegebenen Umständen angesichts der Lage an den Aktienmärkten die Bewertung mit einem vergangenheitsbezogenen Emissions-KGV von mehr als 30 zu diesem Zeitpunkt zu hoch gegriffen. Allzumal, weil IT-Großhandel als Börsenstory nur sehr eingeschränkt Phantasie zu entfachen vermag.
Rückblickend erscheint auch bereits das als Indikator oft genug unzuverlässige Graumarkt-Interesse ein Warnsignal gewesen zu sein. Lediglich zu acht Euro wurden die Aktien zum Auftakt der Zeichnungsfrist gehandelt. Auch die Umsätze seien gering gewesen, heiß es aus dem Handel.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho/pwe
Bildmaterial: AP
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +13,53 | +6,90 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | +3,59 | +6,32 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,32 | +6,26 |
| MERCK KGAA INHABER - | -5,80 | -7,17 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -1,57 | -2,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,37 | -1,05 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.536,09 | +1,45 |
| TecDax | 746,70 | +2,21 |
| DowJones | 11.632,38 | +0,26 |
| Nasdaq | 2.325,88 | +0,95 |
| STOXX 50 | 3.387,50 | +1,84 |
| Nikkei 225 | 13.312,93 | +0,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +2,40 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,10 |
| Bund Future | 110,11 | +0,03 |
| Gold | 923,15 | +0,16 |
| Öl | 126,52 | -4,27 |
