Schweiz

UBS-Aktie erhält deutlichen Dämpfer

Immerhin: Das Vermögensmanagement kommt voran

Immerhin: Das Vermögensmanagement kommt voran

31. Oktober 2006 Wer den Chart der UBS-Aktie betrachtet, muß von einem Erfolg sprechen: Anfang 2003 kostete eine Aktie noch weniger als 25 Franken, vor Mitte Oktober erreichte der Kurs ein neues Rekordhoch bei 79,70 Franken. Die Delle, die die Korrektur im Frühsommer im Kursbild hinterlassen hatte, war schnell ausgebügelt.

Doch jetzt deutet sich eine neue Korrektur an - und diese ist anders als im Mai nicht mit einem Stimmungsumschwung an den Kapitalmärkten zu erklären, sondern mit schlechten Quartalszahlen. Die Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag 5,2 Prozent auf 74,15 Franken, was einem Börsenwert von mehreren Milliarden Franken entspricht (Isin CH0024899483). Für einen großkapitalisierten Wert ist das schon ein ungewöhnlich hoher Verlust.

21 Prozent weniger Gewinn

UBS-Chef Peter Wuffli hat viel Arbeit vor sich

UBS-Chef Peter Wuffli hat viel Arbeit vor sich

Die Sommerflaute an den Finanzmärkten und die Kosten für den Ausbau des Geschäfts haben Spuren beim Gewinn des größten Schweizer Bankkonzerns hinterlassen. Der Gewinn lag nach Angaben der Bank vom Dienstag mit rund 2,2 Milliarden Franken um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau und blieb noch deutlicher hinter den 3,15 Milliarden Franken des Vorquartals zurück.

Da half auch nicht, daß die Bank mit einem guten ersten Halbjahr im Rücken und dem Schwung der derzeit laufenden Börsenhausse für 2006 einen neuen Rekordgewinn in Aussicht stellen konnte.

Starker Anstieg bei den Kosten

Die Flaute an den Finanzmärkten sei erst im September zu Ende gegangen, erklärte Finanzchef Clive Standish. Entsprechend gingen die Erträge der Investment Bank, in der der Handel angesiedelt ist, deutlich zurück. Dem wirkte das stabilere Vermögensverwaltungsgeschäft entgegen, und der konzernweite Ertrag stagnierte auf dem Vorjahresniveau.

Zugleich stellte die Bank im laufenden Jahr gut 6.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und baute ihre Computer-Infrastruktur aus. Das führte zu einem Anstieg der Kosten um acht Prozent und zum ungünstigsten Kosten-Ertrags-Verhältnis seit zwei Jahren: Dieses Verhältnis stieg von 66,7 Prozent im zweiten Quartal auf 73,8 Prozent.

Analysten hatten mit mehr gerechnet

Analysten hatten mit einem Gewinn von 2,534 Milliarden Franken gerechnet. Die Märkte hatten sich zuletzt daran gewöhnt, daß die UBS die Analystenprognosen mit schöner Regelmäßigkeit übertraf. Diesmal war dies nicht der Fall.

Möglicherweise habe die Bank den Zinstrend falsch eingeschätzt und damit den Ertragsrückgang zum Teil selbst zu verantworten, erklärten Analysten. Der Finanzchef selbst sprach von einem schwachen Handelsergebnis im Festzinsgeschäft. Seit September hätten die Finanzmärkte wieder fühlbar angezogen und der Start in das vierte Quartal sei geglückt, so Standish weiter.

Vermögensverwaltung kann Erwartungen erfüllen

In der Vermögensverwaltung lag UBS nicht weit von den Analystenprognosen entfernt. Der Neugeldzufluß lag konzernweit bei guten 41,9 Milliarden Franken, das Wealth-Management-Geschäft kam auf 26,8 Milliarden Franken nach bei gut 31 Milliarden Franken im Vorquartal wie auch im Vorjahresquartal.

Insgesamt betreut der größte Vermögensverwalter der Welt ein Vermögen von 2,88 Billionen Franken. Neben neuem Geld war der Anstieg von acht Prozent gegenüber der Jahresmitte 2006 auch auf Übernahmen und Währungseffekte zurückzuführen. Die Bruttomarge im Wealth Management ging gegenüber den Vorquartalen auf 100 Basispunkte zurück.

Deutliche Kursminus gerechtfertigt

Nach neun Monaten hat der Konzern mit 8,85 Milliarden Franken rund eine Milliarde Franken mehr Gewinn in der Kasse als vor einem Jahr. Das sind fast 90 Prozent des Vorjahresgewinnes von 9,84 Milliarden Franken. Dieses Jahr sollte die Zehn-Milliarden-Marke fallen.

Trotzdem: Das deutliche Kursminus ist gerechtfertigt. Einen so heftigen Gewinneinbruch hatten wohl die wenigsten erwartet, und der Kurs der Aktie war den Ergebnissen schon ein gutes Stück vorausgelaufen.

Langfristiger Aufwärtstrend - noch - intakt

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,2 für dieses und 12,2 für das kommende Jahr ist die Aktie immer noch deutlich höher bewertet als die der Credit Suisse und der Deutschen Bank. Diese beiden Institute legen ihre Zwischenberichte übrigens am Mittwoch und am Donnerstag vor.

Der langfristige charttechnische Aufwärtstrend ist noch intakt - ob er hält, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Kurzfristig sind weitere Kursverluste nicht unrealistisch. Anleger sollten vor einem Einstieg auf jeden Fall abwarten, ob die Geschäftszahlen für das Gesamtjahr überzeugen können. Vielleicht war die schlechte Ertragsentwicklung im dritten Quartal nur ein Ausreißer. Wenn nicht, ist die Aktie immer noch zu teuer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Wolfgang Eilmes, FAZ.NET

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