04. Juli 2008 Galt die UBS lange Zeit als eine der am besten geführten Banken der Welt, so dürften aufmerksame Anleger spätestens mit dem Bruch des Aufwärtstrends Mitte des vergangenen Jahres skeptisch geworden sein. Man mag von Markt- und Charttechnik halten, was man will. In diesem Fall jedoch hat sich bestätigt, dass solche Signale signifikant sein können, da Insider oft mehr wissen als der Markt und relativ früh beginnen, Aktien zu verkaufen, wenn es schlecht läuft.
Und bei der UBS lief in den vergangenen Jahren vieles falsch. Das zeigt sich am desaströsen Kursverlauf der vergangenen Monate. Immerhin hat die Bank in gerade einmal 12 Monaten mehr als 70 Prozent ihres Börsenwertes verloren - zum Schaden ihrer Aktionäre.
Desaströse Kursentwicklung nach miserablem Management
Offensichtlich haben weder Management noch Aufsicht die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Sowohl die volkswirtschaftliche Abteilung, die die makroökonomische Entwicklungen hätte sehen müssen oder das operative Risikomanagement, das die Risiko-Positionen tagtäglich überwachen und bewerten sollte, oder beide zusammen machten offensichtlich einen miserablen Job. Oder die beiden Abteilungen wurden einfach zu lange ignoriert. Alle nur denkbaren Kombinationen dieser Art sind schlecht für ein Finanzunternehmen dieser Größe und Art.
Inzwischen hat sich zwar einiges getan. Allerdings reißen die Schwierigkeiten nicht ab. Neuerdings gehen sie von den Vereinigten Staaten aus, wo sich rechtliche Probleme ergeben, die zu starken Belastungen führen können. In Europa sind ähnliche Risiken erkennbar, die sich aus unterschiedlichen Steuersystemen und entsprechenden Anreizen zur Steuerflucht ergeben.
Operativ hat sich inzwischen zwar einiges getan. Die schweizerische Großbank erwartet gemäß einer Ad-hoc-Mittelung vom Freitag für das gerade abgeschlossene zweite Quartal ein ausgeglichenes bis leicht negatives Ergebnis. Es seien allerdings weitere Verluste im Investmentbanking geschrieben worden. Positive Beiträge der Bereiche Global Wealth Management & Business Banking sowie des Global Asset Management hätten diese jedoch ausgeglichen, hieß es weiter.
Faktisch dürfte jedoch eine Steuergutschrift im Volumen von rund drei Milliarden Franken als Folge der bis heute angefallenen Verluste eine wesentliche Rolle spielen. Die Bank hatte bislang wegen der amerikanischen Subprimekrise 38 Milliarden Dollar abschreiben müssen und zum Ausgleich der Verluste 28 Milliarden Franken an neuem Kapital aufgenommen. Am Freitag hieß es nun, eine weitere Kapitalerhöhung sei nicht notwendig.
Das klingt zunächst positiv. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Monate, in denen man zu oft beschwichtigende Äußerungen gehört hat, die kurz danach revidiert werden mussten und auch mit Blick auf die anhaltende Krise in den Vereinigten Staaten sowie die rezessiven Entwicklungen in Irland, Großbritannien und Spanien, dürften Anleger dazu neigen, solche Äußerungen skeptisch zu bewerten.
Immerhin hat sich die Kommunikation noch nicht verbessert. So machte die UBS nicht deutlich, wie hoch die neuen Abschreibungen auf ihr Engagement bei amerikanischen Immobilienkrediten mit schwacher Bonität (Subprime) im zweiten Quartal sind. Sie erklärte immerhin, dass Kreditabsicherungsengagements gegenüber den Monoliner-Versicherern am stärksten betroffen waren. Die Anleiheversicherer (Monoliner) waren von Ratingagenturen heruntergestuft worden, und dadurch war die Bonität der von ihnen versicherten Kredite gesunken. Banken mit den versicherten Wertpapieren im Portfolio mussten diese geringere Bonität durch Wertabschreibungen berücksichtigen.
Verschiedene Faktoren machen die Aktie nicht unbedingt attraktiv
Die Probleme der UBS im Subprime-Bereich schlugen sich offenbar auch auf ihr Geschäft als Vermögensverwalter nieder. Die viel beachtete Kennziffer der Nettoneugeldentwicklung habe sich in der Berichtsperiode negativ entwickelt, teilte die Bank mit. Dies habe besonders den Monat April betroffen. Im Mai und im Juni habe sich die Situation vor allem bei Global Wealth Management & Business Banking verbessert. Genaue Zahlen nannte die Bank nicht, die Vermögen im Volumen von rund zwei Billionen Dollar verwaltet.
Per Quartalsende rechnet UBS nun mit einer BIZ-Kernkapitalquote von rund 11,5 Prozent und sieht keine Notwendigkeit, zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen. Ein Händler bezeichnete die UBS-Aussagen deshalb als die gute Nachricht des Tages. Der ganze Bankensektor dürfte seiner Einschätzung nach von der Veröffentlichung profitieren, weil es die Angstspekulation aus dem Markt nehme. Ein zweiter Händler sah die Aussagen allerdings nur leicht positiv. Schließlich sei der Verzicht auf eine weitere Kapitalerhöhung bereits bekannt. Und das Ergebnis ist nur so ausgeglichen, weil die Steuerquote geringer war, sagte er. Dennoch werden UBS-Aktien am Freitag mit Kursgewinnen erwartet.
Wie weit diese tragen können, ist allerdings noch offen. Denn erstens dürfte es eine Zeit lang dauern, bis das Vertrauen der Anleger grundsätzlich wieder hergestellt worden ist. Zweitens dürften sich die Bankgeschäfte nicht mehr so dynamisch entwickeln wie in den vergangenen Jahren des Kreditbooms. Drittens wurde die Kapitalbasis des Unternehmens in den vergangenen Monaten massiv verwässert. Viertens dürften sich strategische Anleger den Einstieg mit Vorzugskonditionen erkauft haben. Fünftens können hohe Energie- und Rohstoffpreise zusammen mit dem abflauenden Wirtschaftswachstum zu weiteren Turbulenzen führen. Sechstens ist nicht klar, ob die Banken - auch die UBS - den Abbau riskanter Positionen nicht durch die Vergabe neuer Kredite gefördert haben. In diesem Falle blieben die Risiken über die wertvollen Sicherheiten indirekt erhalten.
Solche Argumente dämpfen zusammen genommen den Appetit der Anleger auf die Papiere und die Gewinnerwartungen. In diesem Sinne bleiben die Papiere riskant. Der Kauf empfiehlt sich nur in Verbindung mit Absicherungsstrategien.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | -1,14 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | -7,74 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |
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