Aktienjahr 2008

Die glorreichen Sieben

16. Dezember 2008 Dass das Jahr 2008 kein gutes Jahr für Aktien gewesen ist, braucht eigentlich nicht eigens betont zu werden. Um rund 40 Prozent sind die wichtigsten Aktienindizes auf Sicht eines Jahres gefallen und die Mikro-Struktur dieses Desasters sieht kaum besser aus. Lediglich 2 bis 4 Prozent der Aktien aus den deutschen und wichtigsten amerikanischen Indizes konnten in diesem Zeitraum einen Kursanstieg verbuchen.

Dabei resultieren diese nicht selten aus Sondersituationen: VW, mit einem Plus von immer noch knapp 100 Prozent ist dafür wohl das bekannteste Beispiel. Doch auch das Chemie-Unternehmen Rohm & Haas verdankt das Plus von knapp 22 Prozent vornehmlich einem Kurssprung von zwei Dritteln im Juli. Dieses Resultat der Vereinbarung einer Übernahme durch Dow Chemicals macht die Aktie zum zweitbesten Wert im amerikanischen S&P-500-Index.

Zahlreiche Sondersituationen

Insgesamt verzeichnen 18 Aktien aus den betreffenden Auswahlindizes auf Jahresfrist (noch) ein Plus. In drei Fällen (Rohm & Haas, Barr Pharmaceuticals, UST) sind Übernahmen die Ursache, in vier weiteren Fällen stehen die Kursgewinne mit Anteilskäufen und daraus resultierenden Spekulationen in Verbindung (VW, Epcos, Biotest, Norddeutsche Affinerie).

In zwei Fällen (General Mills, Fielmann) liegen die Kursgewinne derzeit unter 2, in zwei weiterten Fällen (People's United Financial, Hudson City Bancorp) unter fünf Prozent. Umgekehrt liegen einige Aktien wie die Vorzüge des Zementherstellers Dyckerhoff oder die Stämme des Düngemittelproduzenten K+S nur knapp im Minus, so dass bis zum Jahresende hier noch Verschiebungen wahrscheinlich sind, was dem Status dieser Werte als Gewinner oder Verlierer eine gewisse Zufälligkeit verleiht.

Discounter an der Spitze

Unter dem Strich bleiben damit gerade einmal sieben Aktien, die auf Sicht der vergangenen zwölf Monate deutliche Kursgewinne verzeichnet haben. Alle sieben Aktien stammen aus dem S&P-500. Zur Spitzengruppe gehören dabei zwei Discounter, Family Dollar Stores und Wal-Mart.

Bei den rezessionsgeplagten amerikanischen Konsumenten billigen viele Anleger den Unternehmen noch die besten Chancen zu, die beide auf ein kostengünstiges Angebot setzen und damit auch bislang gut durch ein schwieriges Jahr gekommen sind. Family Dollar Stores verzeichnete im ersten Quartal, das im November zu Ende ging nach vorläufigen Zahlen ein Umsatzplus von 2,1 Prozent auf vergleichbarere Basis. Das wirtschaftliche Umfeld drücke auf den Verkauf dauerhafterer Konsumgüter, doch der Umsatz mit Verbrauchsgütern sei um rund 13 Prozent gewachsen, sagte der Vorstandsvorsitzende Howard Levine.

Beide Aktien erscheinen indes im derzeitigen Umfeld niedriger Bewertungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzungen zwischen 13 und 15 zumindest angemessen bewertet. Etwas günstiger erscheint die Aktie des Steuerberatungskonzerns H&R Block, die im zu Ende gehenden Jahr eine deutliche Berg- und Talfahrt erlebte.

Der Subprimekrise entronnen

Nachdem sich der Kurs zunächst gut gehalten hatte, brach er im Oktober um rund 35 Prozent ein, konnte sich seitdem aber wieder erholen. Die jüngsten Geschäftsjahre waren verlustreich gewesen, weil H&R Block die Tochterfirma Option One Mortgage, dem einst achtgrößten Darlehensgeber für Immobilienkredite schlechter Bonität (Subprimes) abwickeln und hohe Abschreibungen tätigen musste. Erst das in diesem April zu Ende gegangene vierte Geschäftsquartal, in dem das Unternehmen den Löwenanteil des Jahresgewinns einfährt, brachte nach sieben Verlustquartalen wieder Gewinn.

Ausnahme Amgen

Zu den größeren Gewinnern des Jahres zählt zudem noch die Aktie des Biotechnik-Konzerns Amgen, die es auf ein Plus von bislang knapp 20 Prozent brachte. Positive Studiendaten und Aktienrückkäufe brachten im Mai den Kurs in Schwung. Im Juli veröffentlichte das Unternehmen einen deutlich über die Erwartungen liegenden Quartalsgewinn und erhöhte die Prognosen.

Dem Einbruch im Oktober konnte sich die Aktie zwar nicht entziehen, der Kurs fiel indes nicht auf das Frühjahrsniveau zurück, doch hielt dies nicht lange vor, nachdem Amgen abermals die Prognosen erhöhte. Im November kletterte der Kurs dann sogar auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z., Public Domain, REUTERS

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