18. Januar 2008 Wirklich trübe ist das, was sich momentan am japanischen Aktienmarkt abspielt. Der Nikkei 225 Index hat in diesem Jahr in der Spitze schon fast zwölf Prozent verloren und das, nachdem er bereits im Vorjahr mit einem Minus von elf Prozent so schlecht abgeschnitten hat wie weltweit kein anderes führendes Börsenbarometer. Nicht besser gestaltet sich die Lage auch beim marktbreiteren Topix-Index. Hier steht für dieses Jahr ebenfalls ein Abschlag von bisher fast zwölf Prozent zu Buche und für das Vorjahr von gut zehn Prozent.
Die Chartbilder präsentieren sich durch die erlittenen Kursverluste in einem ausgesprochen schlechten Zustand. Und das, obwohl sondern die börsennotierten Gesellschaften für das Ende März auslaufende Geschäftsjahr im fünften Jahr in Folge neue Ergebnisrekorde vermelden werden. Sowohl der Nikkei 225 als auch der Topix haben trotzdem ihre seit 2003 bestehenden Aufwärtstrends verletzt und nachhaltig nach unten durchbrochen. Außer der Hoffnung auf eine kurzfristige Gegenbewegung, weil der Markt überkauft ist, lässt das im Grunde wenig Aussicht auf eine schnelle nachhaltige Wende zum Besseren.
Günstige Bewertung als Kaufargument zieht nach nicht
Von Optimisten als gewichtigstes Argument zugunsten japanischer Aktien angeführt wird seit einiger Zeit die Bewertung des Marktes. So bewegt sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Schnitt auf dem tiefsten Niveau seit 25 Jahren. Allerdings ist dabei zu beachten, dass diese Relation mit einem Wert von 16 immer noch deutlich über dem Niveau des Dax, dessen Vertreter im Schnitt auf einen Wert unter dreizehn kommen. Als richtig günstig bezeichnet werden können japanische Aktien auf Basis des KGV eigentlich erst dann, wenn sie eine tiefere Relation als deutsche Aktien aufweisen. Denn es gibt gute Grunde, wie der noch immer nicht gewonnene Kampf gegen die Deflation, die gelähmte Politik und die Vergreisung der Gesellschaft, die für einen Bewertungsabschlag sprechen.
Beim Blick auf die Bewertung müssen neben dem KGV aber auch andere Kriterien herangezogen werden wie etwas das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Und die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der im Topix vertretenen 1.700 Gesellschaften unter ihrem Buchwert gehandelt werden, ist schon eine wirklich außergewöhnliche Sache, die auf eine Unterbewertung schließen lässt. In diese Richtung weisen unter anderem eine Dividendenrendite, die im Schnitt über der Rendite für zehnjährige Staatsanleihen liegt sowie die allgemein tiefen Renditen für Zinspapiere, die Aktien im Vergleich günstig erscheinen lassen.
Heimische Konsumenten bleiben zurückhaltend
Solche Bewertungsüberlegungen werden vermutlich aber erst dann wieder eine gewichtigere Rolle in den Überlegungen der Anleger spielen, wenn sich die Sorgen vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft gelegt haben. Denn davon wäre Japan als Exportnation besonders stark betroffen. Wegen dieser Abhängigkeit reagieren die Investoren derzeit auch sehr sensibel auf jeden Anstieg des Yen, weil dies die Exporte verteuert und so den Exporteuren das Geschäfte machen erschwert.
Vom Inland sind bis auf weiteres jedenfalls keine positiven Impulse auf die Konjunktur der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft zu erwarten. Ablesen lässt sich das auch am eben veröffentlichen Konsumentenvertrauen, das auf den tiefsten Stand seit vier Jahren abgesackt ist. Negative Daten wie diese machen eine baldige Erhöhung des noch immer bei 0,5 Prozent verharrenden Leitzinses unwahrscheinlich. Gleichzeitig dürfte es vor diesem Hintergrund aber auch nicht einfach werden, ein höheres Wirtschaftswachstum als die 1,5 Prozent und 1,6 Prozent zu erreichen, die von den Analysten von Unicredit für 2008 und 2009 vorhergesagt wird.
Für Anleger dürfte es vor dem skizzierten Hintergrund das Beste sein, erst einmal an der Seitenlinie abzuwarten, auf welchem Niveau die japanischen Aktienindizes den ernsthaften Versuch einer Bodenbildung unternehmen werden. Erst wenn dieser tatsächlich vollzogen ist, scheint die Zeit für einen Neueinstieg gekommen. Und dann sollte man sich jene Qualitätstitel herauspicken, die glaubhaft versichern, auch im nächsten Geschäftsjahr Rekordgewinne erwirtschaften zu können.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: BCA, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,55 | +37,53 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,54 | +15,82 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,41 | +14,75 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -6,71 | -1,96 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,42 | +1,02 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,50 | +2,28 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.839,55 | +6,50 |
| TecDax | 570,02 | +10,31 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.553,31 | +5,43 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,04 |
| Bund Future | 114,64 | -0,03 |
| Gold | 855,48 | +0,95 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |