Automobilindustrie

Gute Nissan-Zahlen helfen Renault-Aktie

Der “Kangoo“ soll Renault auf die Sprünge helfen

Der "Kangoo" soll Renault auf die Sprünge helfen

29. Oktober 2007 Die Automobilwelt bleibt in Ordnung. Für europäische Hersteller ist zwar mitunter fraglich, ob es sich dabei um eine gute Ordnung handelt, aber immerhin sind keine dramatischen Änderungen zu verzeichnen.

Nachdem der Yen nach einer deutlichen Aufwertung im Sommer mittlerweile seine alten Tiefstände gegenüber dem Euro anpeilt und selbst gegen den hinfälligen amerikanischen Dollar nicht weiter im Kurs steigt, bleibt ein Gutteil der Wettbewerbsvorteile der japanischen Hersteller erhalten.

Exportnachfrage hilft Nissans Geschäft

Das zeigte sich am Wochenende abermals an den Geschäftszahlen von Nissan, das überraschend einen Gewinnplus von zwölf Prozent verzeichnet. Vor allem in den Vereinigten Staaten, im Nahen Osten und in Mexiko florierte der Absatz kleinerer Wagen. Das habe die höheren Rohstoffpreise wettgemacht, teilte Japans drittgrößter Autobauer mit. Im zweiten Geschäftsquartal kletterte so der operative Gewinn auf knapp 219 Milliarden Yen (1,3 Milliarden Euro). Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro.

Experten hatten angesichts einer schwächelnden Nachfrage auf dem heimischen Markt mit einem operativen Gewinn bei Nissan von nur rund 1,1 Milliarden Euro gerechnet. Der japanische Markt für Automobile schrumpft weiter, in den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der seit 2005 andauernde Abwärtstrend sich spürbar beschleunigt. Die Zahl der neu zugelassenen Personenkraftwagen in Japan schrumpfte um mehr als 6 Prozent; die ausländischen Importeure meldeten ein Minus von mehr als 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Japanischer Automarkt in säkularer Krise

Verantwortlich sind nach Ansicht der Hersteller strukturelle Gründe. Zum einen steigen trotz Aufschwung die Einkommen der Verbraucher kaum, wenn überhaupt. Zum anderen altert einerseits die Bevölkerung während junge Menschen geringeres Interesse am Auto als Statussymbol zeigen. In Großstädten wie Tokio, in denen der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut ist und hohe Mieten für Parkplätze das Autofahren ohnehin sehr teuer machen, ist ein Auto eher eine Last.

Pessimistischere Erwartungen waren zudem gehegt worden, weil auf Nissans größtem Markt, den Vereinigten Staaten, ein schwindendes Interesse am Pick-up-Truck Titan und anderen Kleinlastern zu verzeichnen war. Doch der Verkauf kleinerer Fahrzeuge konnte diesen Trend umkehren und führte schließlich doch zu einem Absatzplus von 6,6 Prozent: Im zweiten Geschäftsquartal von Juli bis September verkaufte Nissan 941.000 Fahrzeuge.

Hoffnung für indischen „Volkswagen“

Für das Gesamtjahr zeigte sich Nissan-Chef Carlos Ghosn weiter optimistisch: „Wir haben ein gutes Gefühl mit unserer Prognose, in diesem Jahr eine Rekordzahl von 3,7 Millionen Fahrzeugen zu verkaufen“, sagte der Manager vor Journalisten. Wegen der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten sei er zwar nicht sehr optimistisch für die Verkaufszahlen dort insgesamt. Aber neue Modelle sollten dort trotzdem den Verkauf ankurbeln.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters enthüllte Ghosn zudem Details über das geplante Billigauto, das Nissan und Renault mit dem indischen Konzern Bajaj Auto in Indien auf den Markt bringen wollen. Da drei Partner an der Entwicklung beteiligt seien, könne man davon ausgehen, dass auch drei Markenmodelle in den Handel gingen, sagte Ghosn. Die Partner wollen mit dem geplanten Auto für 3000 Dollar dem indischen Konzern Tata Konkurrenz machen, der für 2500 Dollar einen „Volkswagen“ für Inder mit kleinerem Geldbeutel anbieten will.

Japanische Autowerte gefragt

Die Nissan-Aktie legte daraufhin am Montag an der Börse in Tokio um 14 Prozent auf 1.283 Yen zu, allzumal Nissan im Handelsverlauf eine um 16 Prozent höhere Inlandsproduktion gegenüber dem Vorjahr für September bekannt gab.

Im Fahrwasser von Nissan gewannen auch Toyota, Mazda und Honda 3 Prozent, da auch diese aufgrund einer steigenden Auslandsnachfrage ihre Produktion in geringerem Umfang gesteigert hatten. Nach Ansicht von Analysten dürfte sich die positive Tendenz bei den japanischen Automobilwerten in den kommenden Tagen weiter fortsetzen.

Renault profitiert

Auch der Mehrheitseigner von Nissan, Renault, profitiert von den guten Zahlen. Der französische Autobauer verzeichnete In den sechs Monaten bis zum 30. September 2007 einen positiven Ergebnisbeitrag von Nissan von 329 Millionen Euro. Im dritten Quartal hatte der Renault-Konzern dank überarbeiteter Modelle (Twingo, Laguna) und des Billigautos Dacia den Umsatz um 4,5 Prozent auf 9,34 Milliarden Euro gesteigert. Damit stagnierte der Umsatz in den ersten neuen Monaten bei 29,91 Milliarden Euro. Im laufenden Quartal soll sich das Geschäft leicht beleben. Die Umsatzrendite soll 2007 um 0,4 Prozentpunkte auf drei Prozent steigen und 2009 rund sechs Prozent erreichen.

Bewertungsvorteile für Mazda und Renault

All diese Auto-Aktien sind nicht überhöht bewertet. Für das laufende Geschäftsjahr, das für die japanischen Firmen im März und für Renault im Dezember endet, kommen die Aktien auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 10,4 für Mazda und 11,9 für Honda. Für das kommende Geschäftsjahr laufen die Bewertungen stärker auseinander. So rechnen die Analysten nur für Renault und Mazda mit deutlichen Ermäßigungen und gehen von KGVs von 9,1 bzw. 8,9 aus, während sie bei den anderen Auto-Aktien nur von leicht ermäßigten Bewertungen ausgehen.

Japaner charttechnisch wenig überzeugend

Charttechnisch können die Notierungen gerade der Japaner wenig überzeugen. Lediglich der Nissan-Aktie ist es nach dem starken Kursanstieg von Montag gelungen, den seit Jahresbeginn gültigen Abwärtstrend nach oben zu durchstoßen. Mazda konnte daran nur kratzen, wohingegen Toyota und Honda davon weit entfernt sind.

Allerdings konnte die Nissan-Notierung die Widerstandszone oberhalb von 1.300 Yen noch nicht einmal erreichen, auch alle anderen konnten Aktien konnten keine nachhaltigen Kaufsignale generieren.

Auch die Renault-Notierung ist von ihrem im Juli erreichten Allzeithoch bei 121,38 Euro deutlich auf aktuell 110,912 Euro zurückgekommen, hat sich indes von einem scharfen Einbruch im Sommer, der bis auf 89,37 Euro nach unten führte wieder deutlich erholt. Insgesamt war der Kursanstieg zwischen März und Juli auch als Übertreibung zu werten, legte die Notierung doch innerhalb der vergleichsweise kurzen Zeitspanne um 43 Prozent zu. Mittlerweile liegt die Notiz wieder über ihrem langfristigen, seit Herbst 2003 gültigen Aufwärtstrend. Insofern spricht am Ende doch eher einiges für die Aktie von Renault als die seiner japanischen Tochter oder eines anderen wertes aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET, REUTERS, t+m kirchberger

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