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Böse Überraschung drückt Aktie der Deutschen Bank

In den Keller

In den Keller

14. Januar 2009 Wie im amerikanischen Bankensystem Goldman Sachs, so schien es auch in Deutschland einen Hort der Stabilität zu geben: die Deutsche Bank. Doch in den vergangenen Wochen begann das Image deutlich zu bröckeln.

Der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann räumte im Rahmen des ARD-Jahresrückblicks Fehler ein. In der vergangenen Woche häuften sich die Spekulationen, dass auch die Deutsche Bank Staatshilfen in Anspruch nehmen werde und ihr offenbares Nachsuchen um Rabatt bei der Übernahme der Postbank warf Schatten auf den Branchenprimus.

Hohe Verluste im Eigenhandel

Am Mittwoch nun ist die Stunde der Wahrheit: Die Deutsche Bank verzeichnet im vierten Quartal einen Verlust in Höhe von 4,8 Milliarden Euro und darob auch im Gesamtjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Für 2008 gehe das Institut nach vorläufigen Berechnungen von einem Verlust nach Steuern von 3,9 Milliarden Euro aus. Ein Jahr zuvor stand noch ein Rekordüberschuss von 6,5 Milliarden Euro in den Büchern. Offenbar soll die Dividende schmaler ausfallen als erwartet. Im Durchschnitt hatten Analysten mit 78 Cent gerechnet - nun werden es wohl nur 50.

Besonders im vierten Quartal hätten die „außerordentlich schwierigen Marktbedingungen“ den Eigenhandel mit Kreditprodukten und Aktien erheblich belastet. Davon seien insbesondere der Handel mit Kreditprodukten, das Aktienderivategeschäft und der Aktieneigenhandel betroffen gewesen. Hinzu kamen weitere Abschreibungen.

Weg vom Investmentbanking

In der Vermögensverwaltung erwartet die Bank im vierten Quartal ebenfalls einen Verlust. „Dieser ergibt sich im Wesentlichen aus einer Abschreibung auf immaterielle Vermögenswerte in DWS Scudder sowie aus materiellen Zuschüssen zu Geldmarktfonds“, erklärte das Institut. DWS Scudder ist die amerikanische Fondstochter der DWS.

Die Bank will als Reaktion auf die Krise die Abhängigkeit vom Investmentbanking verringern und den Eigenhandel zurückfahren. Zudem steht wie bei anderen Banken auch der Abbau von Risikopositionen im Fokus, was kurzfristig zu weiteren Belastungen führt. Hier habe das Geldhaus im vierten Quartal weitere Fortschritte erzielt. „Weitere materielle negative Effekte“ aus diesen Positionen seien nicht mehr zu erwarten, sagte Ackermann.

Der Staat kommt durch die Hintertür

Bislang hat sich die Deutsche Bank gegen staatliche Kapitalhilfen verwahrt. Die Kernkapitalquote habe zum Jahresende weiter in Höhe der Zielgröße von zehn Prozent gelegen, erklärte die Bank.

Doch durch die Hintertür wird der Staat dennoch einsteigen. Die Deutsche Bank wird die Übernahme der Postbank zu großen Teilen mit eigenen Aktien zahlen, die die Post aber nicht auf Dauer halten soll. Dennoch wird die über die KfW zu 31 Prozent in Staatshand befindliche Deutsche Post zumindest vorübergehend acht Prozent der Aktien halten und somit größter Einzelaktionär.

Kapitalprobleme

Analysten urteilten im Vorfeld der Bekanntgabe in der Neuverhandlung der Übernahme, dies zeige, dass die Kapitalposition der Deutschen Bank ziemlich ausgereizt sei. Analyst Philipp Häßler von Equinet wertete dies negativ - es zeige, dass die Deutsche Bank Kapitalprobleme habe.

Und die Postbank wird die Deutsche Bank zunächst zusätzlich belasten. Erst Ende vergangener Woche räumte diese ein, dass sie 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht ist. In Finanzkreisen wird dabei ein Verlust zwischen rund 600 Millionen Euro und knapp einer Milliarde Euro für möglich gehalten.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank brach daraufhin deutlich ein. Bis zum Mittag wuchs das Minus auf über 11 Prozent an. Damit steuert der Kurs auf das 15-Jahres-Tief zu, das die Notierung erst im November markiert hatte.

Hohes Risiko

Die überraschende Verlustmeldung zeigt deutlich die Beliebigkeit der derzeitigen Analystenprognosen für Finanzwerte. So hatten diese im Durchschnitt bislang mit einem Gewinn von 1 Milliarde Euro gerechnet. Auch für die Postbank hatten einige Analysten noch in der vergangenen Woche mit zum Teil deutlichen Gewinnen gerechnet. Und wenn sie dieser nun im laufenden Jahr einen Gewinn von 500 Millionen Euro zutrauen, so scheinen derzeit Zweifel nicht ganz unberechtigt.

Auch wenn die Deutsche Bank mit einer Marktkapitalisierung von rund 12,2 Milliarden Euro (einschließlich der Verwässerung durch den Postbankkauf von 13,2 Milliarden Euro) derzeit günstig erscheint, so zeigt das Auseinanderklaffen von Prognose und Wirklichkeit abermals das hohe Risikoniveau von Finanzaktien.

Daran ändert auch nichts, dass die neuen Konditionen des Postbank-Kaufs an der Börse sehr positiv aufgenommen wurden und sich der Kurs binnen kürzester Zeit deutlich auf ein Minus von weniger als acht Prozent erholte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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