Deutsche Börse

Der Favorit des Tages

02. Mai 2008 Die guten Nachrichten für die Aktionäre der Deutschen Börse kamen an diesem Freitag aus Amerika. Duncan Niederauer, Vorstandsvorsitzender des größten Börsenbetreibers der Welt Nyse Euronext, gab den Startschuss zu der Kaufbewegung. Nach einer Reihe von Übernahmen und Fusionen in der Branche erwartet Niederauer nun, dass sich das Tempo nun verlangsamen werde.

Diese Aussage ließ den Aktienkurs der Deutschen Börse am Freitag zeitweise um gut 5 Prozent auf 99,16 Euro steigen. Im vergangenen Jahr war die Aktie der Liebling der Anleger - am letzten Handelstag 2007, dem 28. Dezember, erreichte der Titel mit 135,75 Euro den höchsten Stand aller Zeiten.

Niemand wollte mit der Deutschen Börse fusionieren

Die Aussage aus New York kommt deshalb dem Kurs zugute, weil die Deutsche Börse mit Übernahmen und Fusionen bisher keine glückliche Hand hatte. Der frühere Vorstandsvorsitzende Werner Seifert scheiterte mit seinem Lebenstraum, die Frankfurter Börse mit der Londoner zu fusionieren. Sein Nachfolger Reto Francioni versuchte glücklos, mit Euronext, dem Betreiber zum Beispiel der Börsen in Paris und Amsterdam, zusammenzugehen. Doch die Franzosen warfen sich lieber in die Arme der New Yorker Börse Nyse. Deren große Konkurrentin Nasdaq expandierte auch nach Kräften, während die Deutsche Börse immer noch solo ist. Auch Mailand hatte sich schließlich von Frankfurt abgewandt (Die größte Aktienbörse Europas entsteht).

In der jüngsten Vergangenheit stand die Deutsche Börse wie nach der letzten Runde in einem Blind-Date-Abend: Alle Bräute sind vergeben, nur die Deutsche Börse ist noch übrig. Francioni blieb nur, immer wieder zu beteuern, dass die Frankfurter wenigstens erfolgreich sind. Doch selbst daran zweifelten die Anleger zunehmend, denn wenn die Börsenzeiten schlechter werden, lassen in der Regel Wertpapierverkäufe den Umsatz zwar vorübergehend noch in die Höhe gehen. Irgendwann jedoch haben alle verkauft und die Umsätze fallen dann entsprechend.

Analysten halten sich mit Kaufempfehlungen zurück

Es wird dennoch auch in Zukunft die eine oder andere Transaktion geben. „Es ist keine Frage, dass wir unsere Augen offen halten“, sagte denn auch Niederauer. Neben Nyse Euronext sieht er auch die Deutsche Börse als eine aktive Kraft bei der Konsolidierung der Branche: „Sie sind da in derselben Position wie wir“, sagte Niederauer.

Es gibt immer noch Fürsprecher für die Deutsche Börse unter den Analysten. Am heutigen Freitag empfahl Bernd Müller-Gerberding von Unicredit die Aktie zum Kauf mit einem Kursziel von 124 Euro - das lässt immerhin ein Kurspotential von knapp 25 Prozent zu. Allerdings ist auch er zurückhaltender geworden. Zuvor hatte er ein Kursziel von 140 Euro. Am Dienstag hatte schon Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler den Titel auf „Verkaufen“ gestellt und sein Kursziel bei 75 Euro gesetzt.

Die Aktie der Deutschen Börse spaltet denn auch noch die Analysten wie kein anderer der großen Börsenbetreiber. Sechs der 29 Analysten, die laut Nachrichtenagentur Bloomberg regelmäßig die Aktie verfolgen, raten zum Verkauf. Bei der London Stock Exchange Group sind es nur drei von zwölf und bei Nyse Euronext sogar keiner der 16.

Aktie ist immer noch hoch bewertet

Es sind die Quartalszahlen, die viele Analysten zurückhaltend werden lassen. In der kommenden Woche legte die Deutsche Börse das Ergebnis des ersten Quartals vor. Müller-Gerberding von Unicredit erwartet zwar immer noch einen Anstieg der Xetra-Transaktionen, doch der Umsatz auf der elektronischen Handelsplattform dürfte sich wegen Preissenkungen und niedrigeren Auftragseingängen deutlich reduzieren. Entsprechend senkte der Experte seine Schätzungen für den Gewinn je Aktie in diesem und dem kommenden Jahr.

Allerdings ist die Aktie der Deutschen Börse trotz eines Kursverfalls von 27 Prozent in diesem Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 17 auf Basis der Konsensprognose für das laufende Jahr immer noch hoch bewertet. Auch aus charttechnischer Sicht müsste der Kurs nachhaltig über die Marke von 100 Euro kommen, um sich aus dem Abwärtstrend zu befreien, den die Aktie in diesem Jahr eingeschlagen hat.



Text: hlr.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +38,83 +11,03
FRESENIUS MEDICAL CA +0,31 +0,91
HENKEL AG & CO. KGAA +0,07 +0,30
SIEMENS AG NAMENS - -7,56 -14,04
INFINEON TECHNOLOGIE -0,35 -12,59
DEUTSCHE BANK AG NAM -4,84 -12,48
NamePunkteProzent
Dax 4.861,63 -6,49
TecDax 553,00 -5,63
DowJones 8.577,91 -7,87
Nasdaq 1.628,33 -8,47
STOXX 50 2.578,06 -6,48
Nikkei 225 9.547,47 +1,06
S&P 500 Zert. 9,83 -2,58
Euro/Dollar 1,35 +0,31
Bund Future 114,06 +0,13
Gold 846,30 -0,23
Öl 70,31 -8,34
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