Energie & Rohstoffe

Börsianer glauben längst nicht mehr an Biokraftstoffe

Das Lager einer Rapsölmühle in Rostock: Wichtige Grundlage für Biodiesel

Das Lager einer Rapsölmühle in Rostock: Wichtige Grundlage für Biodiesel

24. April 2008 Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt vor einer Hungerkatastrophe im Ausmaß eines „Stillen Tsunamis“, in China wird der Aufstand Millionen Hungernder befürchtet, weil Reis immer teurer wird, und auch in Deutschland wird die Wut über steigende Lebensmittelpreise immer größer. Die Schuldigen für die Entwicklung sind längst gefunden: die Beimischungsverordnungen für Biokraftstoffe wie Biodiesel und Bioethanol.

Die wertvollen Lebensmittel kämen in den Tank statt auf den Teller, lautet der Vorwurf. „Dagegen lässt sich nur schwer argumentieren“, sagt ein Analyst für Aktien von Biokraftstoffunternehmen, der lieber nicht mit Namen zitiert werden möchte. „Solange die Debatte auf diesem emotionalen Niveau läuft, spielen Fakten keine Rolle.“

Fakt ist jedenfalls: Mit Biokraftstoffaktien ließ sich bislang kein Geld verdienen, im Gegenteil. Die Aktie des größten deutschen Anbieters von Bioethanol, die Südzucker-Tochtergesellschaft Crop Energies, ist binnen eines Jahres von knapp 8 auf nun 3 Euro gefallen. Dem Titel von Verbio - einem Anbieter von Biodiesel und Bioethanol - erging es noch schlechter, der Aktienkurs fiel von 8 auf nun 1,20 Euro. Und auch die anderen Werte in diesem Bereich wie Petrotec, EOP Biodiesel oder BDI Biodiesel verloren kräftig.

„Künstlich ins Leben gerufen“

„Die Aktien leiden enorm unter der aktuell miserablen Stimmung für ihre Branche“, sagt Stephan Wulf, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim. „Die Branche ist wie die Solar- und die Windenergie künstlich ins Leben gerufen worden, sie könnte ohne staatliche Unterstützung nicht überleben.“ Gerade diese Unterstützung von gesetzgeberischer Seite drohe nun gerade wegzubrechen. „Angesichts von befürchteten Hungersnöten, für die die Biokraftstoffhersteller verantwortlich gemacht werden, wird kein Politiker nun für mehr Biodiesel und Bioethanol eintreten.“

Doch genau das hätte die ohnehin schon schwächelnde Branche gebraucht. Die Biodieselhersteller leiden schon seit geraumer Zeit unter Überkapazitäten. Um die Produktionsstätten voll auslasten zu können, hätte es eher eine höhere Beimischungsquote an Biodiesel gebraucht als eine niedrigere, die nun diskutiert wird. Nun wird sich der Prozess der Marktbereinigung fortsetzen, bei dem einige kleinere Hersteller verschwinden. „Für Anfang 2009 ist bislang eine Erhöhung der Beimischungsquoten für Biodiesel vorgesehen“, sagt Wulf. „Kommt sie tatsächlich, könnte dies in Verbindung mit der Konsolidierung im Markt die Aussichten für Hersteller wie Verbio verbessern.“ Er empfiehlt die Aktie daher zum Kauf, fügt aber gleich hinzu, dass dies eine mittelfristige Empfehlung sei, kurzfristig könnte es doch noch den ein oder anderen Rückschlag geben.

Unvorhersehbarer Wertverfall

Die Bioethanolhersteller leiden hingegen in erster Linie unter den hohen Preisen für Weizen und Mais, die sie für ihre Produktion benötigen. „Die Preise sind aus dem Ruder gelaufen und lassen eine rentable Produktion derzeit kaum zu“, sagt Wulf. „Erst wenn hier die Preise wieder fallen sollten und idealerweise gleichzeitig die Mineralölpreise weiter steigen, dürfte sich hier die Stimmung wieder etwas aufhellen.“

Generell zeigen sich die Analysten etwas verunsichert, denn den enormen Wertverfall der Aktien hatte keiner vorhergesehen. Bei Crop Energies raten vier Analysten zum Halten, vier zum Verkauf und keiner zum Kauf. Bei Verbio rät nur Wulf zum Kaufen, vier weitere zum Halten, zwei zum Verkauf. Bei den kleineren Werten gibt es kaum Analysen, doch auch hier raten die Marktteilnehmer zur Vorsicht.

„Es gibt sicherlich attraktivere Branchen“

Nicolas Huber, Manager des DWS-Klimawandelfonds, hält auch auf dem niedrigeren Kursniveau nur wenig von einer Investition in die Biokraftstoffaktien. „Die Inputkosten sind stark gestiegen. Zudem sind die Produktionskapazitäten derzeit größer als die Nachfrage nach Biokraftstoffen“, sagt Huber. Die niedrigen Markteintrittsbarrieren wegen der vergleichsweise geringen Anfangsinvestitionen sorgten zudem für einen zersplitterten Markt mit vielen kleineren Anbietern und niedrigen Gewinnmargen. „Wenn man als Anleger von erneuerbaren Energien profitieren will, gibt es sicherlich attraktivere Branchen.“

Er ist jedoch von einer neuen Generation von Biokraftstoff überzeugt, basierend auf der Pflanze Jatropha. Die wachse überall, wo es warm ist - sogar in der Wüste. Trotz der geringen Bedürfnisse produziere die Pflanze eines der effektivsten Bioöle der Welt.

Text: dmoh. / F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET, ZB

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