24. April 2008 Der Kaffeehauskette Starbucks laufen die Kunden davon, aber noch schneller machen sich die Anleger aus dem Staub. Um knapp 9 Prozent auf 10,26 Euro ist der Aktienkurs der amerikanischen Kaffeehaus-Kette am Donnerstag an der Frankfurter Börse eingebrochen. Schon im nachbörslichen Handel am Mittwochabend war der Kurs um 10 Prozent eingebrochen.
Im vergangenen Quartal ist nämlich der Umsatz auf dem amerikanischen Heimatmarkt um 5 Prozent gesunken, musste das Unternehmen am Mittwochabend mitteilen. Um 57 Prozent ist der Aktienkurs somit in diesem Jahr schon eingebrochen.
Starbucks senkt die Gewinnprognose
Um 12 Prozent ist der Umsatz weiter gestiegen, doch der Gewinn ist kräftig zurückgegangen. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet die Kaffeehauskette einen Gewinn etwas unter dem Vorjahreswert von 87 Cent je Aktie. Noch im Januar hatte Starbucks 96 bis 98 Cent Gewinn pro Aktie in Aussicht gestellt. Für das erste Quartal hatte Starbucks gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzanstieg um 17 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar bekannt gegeben.
Die Schuld für die miserablen Geschäftszahlen sieht Starbucks-Gründer Howard Schultz in der Weltwirtschaft. Das gegenwärtige wirtschaftliche Umfeld sei das schwächste in der Unternehmensgeschichte, wurde Schultz in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.
Es ist nicht allein die Wirtschaftskrise
Der Blick zurück reicht bis ins Jahr 1987 - damals hatte Schultz die 1971 gegründete Kette übernommen. Besonders stark mache sich die Krise in den Staaten Florida und Kalifornien bemerkbar, wo das Unternehmen rund ein Drittel seiner Filialen hat. Der Gewinn werde in diesem Jahr deshalb unter dem des vergangenen Jahres liegen.
Es ist nicht nur die Wirtschaftskrise, die Starbucks trifft. Die Schwierigkeiten sind auch hausgemacht. Wie abgestandener Kaffee ist die Aktie seit gut zwei Jahren immer schwerer verkäuflich. Der Kurs ist seit langem in einem kräftigen Abwärtstrend, den die Aktie wohl auch nur durchbrechen kann, wenn der Kurs dauerhaft über die Marke von etwa 14 oder 15 Dollar kommen sollte.
Gehobenes Ambiente und guter Kaffee
Die Kaffeehauskette war bisher eine Erfolgsgeschichte, wie man sie in den Vereinigten Staaten liebt. Schultz setzte früher als viele Schnellrestaurant-Ketten auf ein gehobenes Ambiente und vor allem auf Kaffee aus der hochwertigen Sorte Arabica. Allein damit ragte Starbucks unter den amerikanischen Schnellrestaurants heraus, die für ihre dünne Kaffeebrühe bekannt waren. Mitte der neunziger Jahre dehnte Schultz die Expansion auf das Ausland aus und brachte die Kette 1992 an die Börse.
Heute ist Starbucks auch an der Börse groß in Mode. Seit dem Börsengang wird die Aktie an der amerikanischen Computerbörse Nasdaq gehandelt, aber auch in Deutschland an vielen Börsen. Rund 180 Optionsscheine und mehr als 60 Zertifikate werden allein in Deutschland auf die Aktie gehandelt.
Schultz streicht Stellen
Im Jahr 2000 zog sich Schultz aus dem Tagesgeschäft zurück und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Im Januar kehrte er jedoch wegen der Schwierigkeiten von Starbucks zurück. Eine seiner ersten Maßnahmen war es, das hohe Expansionstempo der Kette in den Vereinigten Staaten zu drosseln.
Auch gab er vor zwei Monaten bekannt, 600 Stellen im Außendienst und in der Verwaltung zu streichen. Insgesamt zählt das Unternehmen 170.000 Beschäftigte in rund 16.000 Kaffeehäusern. Allein in Deutschland - einem von 43 Ländern, in denen die Kette präsent ist - zählt Starbucks 100 Cafés.
Starbucks will einen Dreijahresplan vorlegen
Ich bin noch genauso enthusiastisch, wie ich es war, als ich als Vorstandsvorsitzender zu Starbucks zurückkehrte, ließ sich Schultz weiter zitieren. Sein Optimismus gründe sich darauf, dass die Starbucks-Kunden zwar weniger häufig kämen, aber sich nicht von der Kette abwendeten und anderen Kaffeeprodukten den Vorzug gäben.
Am 30. April will Starbucks diese noch vage Hoffnung durch ausführliche Zahlen unterlegen. Da will das Unternehmen einen detaillierten Finanzplan für die kommenden drei Jahre präsentieren. Schultz hatte die Kette in den Status eines Kult-Unternehmens gehievt, in dessen Kaffeehäuser eine Zeitlang vor allem die jüngere Klientel strömte - weniger um Kaffee in sich hineinzuschütten, sondern vor allem, um das Ambiente dort zu genießen.
Schon bald wird sich zeigen, ob Schultz der richtige Mann ist, um Starbucks ein zweites Leben einzuhauchen.
Text: hlr.
Bildmaterial: AFP, AP, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| CONTINENTAL AG INHAB | +2,99 | +3,78 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +1,10 | +3,72 |
| METRO AG STAMMAKTIEN | +1,49 | +2,98 |
| DEUTSCHE TELEKOM AG | -0,68 | -5,73 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,76 | -3,26 |
| MERCK KGAA INHABER - | -0,13 | -0,15 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.156,55 | +1,07 |
| TecDax | 866,04 | +0,54 |
| DowJones | 12.986,80 | -0,05 |
| Nasdaq | 2.528,85 | -0,19 |
| STOXX 50 | 3.862,91 | +0,21 |
| Nikkei 225 | 14.219,48 | -0,23 |
| S&P 500 Zert. | 14,25 | +1,28 |
| Euro/Dollar | 1,56 | +0,00 |
| Bund Future | 113,46 | -0,09 |
| Gold | 902,30 | +0,27 |
| Öl | 124,13 | +0,99 |
