Software

Aktie von Microsoft setzt ihren Seitwärtstrend fort

CeBIT: Dominierender Auftritt von Microsoft

CeBIT: Dominierender Auftritt von Microsoft

28. April 2006 Mit deutlichen nachbörslichen Kursverlusten von etwas mehr als fünf Prozent reagierte die Aktie des bekannten amerikanischen Softwareunternehmens Microsoft auf die Umsatz- und Ertragszahlen des dritten Quartals des Geschäftsjahres und auf den Ausblick auf das kommende Jahr.

Mit einer Gewinnsteigerung von 16 Prozent auf 2,98 Milliarden Dollar oder 29 Cents je Aktie hat der weltgrößte Softwarehersteller den Gewinn im dritten Quartal weniger gesteigert als von Analysten erwartet. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Branchenexperten hatten im Durchschnitt mit einem Ergebnis von 33 Cent je Anteilsschein bei einem Umsatz von 11,04 Milliarden Dollar gerechnet.

Investitionen werden Ertragsentwicklung belasten

Das Ergebnis im Geschäftsjahr ab dem ersten Juli wird Microsoft zufolge belastet sein von Investitionen für neue Produkte etwa aus der Windows-Sparte, für Software-Dienstleistungen und die Kosten für die beschleunigte Lieferung der neuen Spielekonsole Xbox 360. Zudem würden die Verkäufe von Personal- und Server-Computern langsamer wachsen. Deshalb prognostizierte Microsoft einen Jahresgewinn zwischen 1,36 Dollar und 1,41 Dollar pro Aktie einschließlich der Wandelrechte. Der Umsatz werde bei 49,5 Milliarden bis 50,5 Milliarden Dollar liegen. Die Branchenexperten hatten einen Gewinn ohne Sonderposten von 1,53 Dollar je Anteilsschein bei einem Umsatz von 49,5 Milliarden Dollar geschätzt.

„Die Wall Street flippte aus, weil Microsoft eine Menge Geld für seine Dienstleistungen investiert“, sagte Analyst Toan Tran von Morningstar der Nachrichtenagentur Reuters. Die Ausgaben seien aber notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Damit dürfte er Recht haben. Denn es ist nicht einfach für ein Unternehmen dieser Größe und mit der dominierenden Marktstellung, auf hohe Wachstumsraten zu kommen, ohne in neue Geschäftsfelder zu investieren.

Ein hoher Marktenteil zum Beispiel im Bereich der Standardsoftware läßt sich nicht nur kaum noch ausbauen, sondern er gerät von verschiedenen Seiten zunehmend unter Bedrängnis. Sei es von der Softwarepiraterie oder auch nur von den so genannten Open-Source-Produkten. Sie mögen vielfach noch nicht vergleichbar und kompatibel mit den weit verbreiteten Standardprodukten sein. Aber aufgrund der starken Entwicklerbasis dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es soweit ist. Ab dann kann die bisher starke Ertragsbasis Microsofts immer schneller erodieren. Aus diesem Grund dürfte das Unternehmen so massiv in neue Bereiche investieren, auch wenn es sich in den vergangenen Jahren dabei viele Flops geleistet hat.

Aktie fair bewertet

Der neueste Trend scheint dahin zu gehen, im Medienbereich massiv zu expandieren. Denn hier scheinen sich die stärksten Umbrüche seit Jahren und damit auch entsprechende Marktpotentiale abzuzeichnen. Hatte das Unternehmen die Chancen des Internets in seinen Anfängen verkannt, so hat sich das inzwischen geändert. Microsoft scheint wild entschlossen zu sein, den Wettbewerb mit Newcomern wie Yahoo, Google und anderen aufzunehmen, um auch hier mit einer Kombination aus innovativer Soft- und Hardware, Inhalten und verbindenden Netzwerkdiensten eine starke Marktstellung zu erreichen. Das Rennen darum hat sich in jüngster beschleunigt. Der Ausgang ist offen.

Insgesamt dürfte das Unternehmen bis auf Weiteres nicht mit sonderlich starker Dynamik aufwarten können. Auf dieser Basis scheint die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 21 und 18 auf Basis der Gewinnschätzungen zunächst nicht sonderlich attraktiv zu sein. Immerhin wird die Bewertung etwas relativiert von Cashbeständen von 4,8 Milliarden und Wertpapieren im Wert von knapp 33 Milliarden Dollar - zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres -, was umgerechnet zu etwa vier Dollar je Aktie führt. So dürfte sich der Seitwärtstrend der Aktie vorerst fortsetzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @ri
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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