25. Februar 2008 Französische Autotitel haben sich am Montag erholt. Der Grund: Lehman Brothers hat die Papiere in seine europäische Empfehlungsliste aufgenommen. Dass die Nachfrage in den Vereinigten Staaten und Westeuropa abnehme, sei nun berücksichtigt.
Doch noch nicht in den Kursen drin sind die großen Pläne, die alle Hersteller nun mit Billigautos haben. Diese Spar- und Umweltautos entwickeln sich nach Indien nun auch in Europa zum neuen Trend in der Branche.
Renault ist einer der Marktführer für Billigautos in Europa
Nehmen wir Renault als Beispiel. Die Franzosen mischen schon lange im Markt für kleine und günstige Autos mit. Bis 2011 will der Konzern die Produktion von Billigautos - mit der Basis Dacia Logan - auf deutlich mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge ausbauen. Renault-Manager Patrick Pélata sagte daher gerade der Wirtschaftswoche: Dabei ist unser künftiger Partner in Russland, Avtovaz, gar nicht inbegriffen. Dadurch kommen noch einmal mehrere 100.000 Autos dazu.
Konzernchef Carlos Ghosn hat bis 2009 ein Absatzwachstum von 850.000 Einheiten vorgegeben. Dies geht wohl vor allem auf das Konto des Billigautos. Zwei Drittel unserer zusätzlichen Verkäufe werden Logans sein, sagte Pélata.
Elektro- statt Hybridantrieb
Voranbringen wollen die Franzosen auch das Geschäft mit rein elektrischen Fahrzeugen. Die Bedingungen für eine Großproduktion von Elektroautos sind erstmals erfüllt. Von Hybrid-Technik hält er dagegen wenig. Auf langen Strecken bleibt die Verbesserung der Dieselantriebe, wo wir weltweit die Nummer drei sind, prioritär. Wir glauben jedoch, dass Elektroautos für städtische Gebiete und ihr Umfeld die beste Lösung sind. Für Hybridantriebe gibt es in Europa keinen ausreichenden Markt.
Konzernchef Ghosn will sogar schon bald mit dem indischen Hersteller Bajaj gemeinsam Kleinstwagen bauen. Alle Beteiligten seien sehr an einem Abschluss interessiert und hätten nicht viel Zeit, weil die Produktion zur Jahreswende 2010/2011 starten solle, sagte er am Freitag in Seoul. Tata hatte im Januar seinen mit Spannung erwarteten Nano präsentiert, der umgerechnet etwa 1700 Euro kosten soll. Auch Bajaj hatte ein Modell für einen Kleinstwagen vorgestellt.
Alle drängen in das Geschäft mit kleinen Autos
Wie Renault drängen auch andere Autohersteller in die Schwellenländer: Ford will binnen zwei Jahren in Indien einen Einfachwagen bauen. Auch Volkswagen, Toyota, Honda und Fiat planen Kleinstwagen.
Für den Gelsenkirchener Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer kennzeichnen alle diese Aktivitäten einen neuen Trend in der Autobranche. Auf dem Autosalon in Genf werde dieser Anfang März völlig sichtbar werden: Zum Beispiel auf dem Ford-Stand mit dem neuen Fiesta, dem Toyota-Stand mit dem IQ und Urban Cruiser, bei Opel mit der Mervia Studie, bei Alfa mit dem Ausblick auf den Junior, bei Fiat mit seinem 500er Abarth, bei Chevrolet mit dem neuen Aveo und bei Dacia mit dem neuen Sandero.
Hersteller brauchen kleine Autos, um ihre Umweltbilanz aufzupeppen
In den nächsten Jahren gewinnen Klein- und Kleinstwagen in Europa mehr Anhänger. Der Trend zum Kleinwagen wird dabei von der Angebotsseite und der Nachfrageseite gestützt, glaubt Dudenhöffer. Kleinwagen treffen bei geringer werdenden Jahres-Fahrleistungen, höheren Kraftstoffpreisen und einer stetig steigenden Zahl an Kleinst- und Single-Haushalten auf steigendes Kundeninteresse.
Für die Autohersteller sind Kleinwagen auch ein wichtiger Bestandteil ihrer Strategie, die Kohlendioxid-Bilanz zu verbessern. Dies ist sowohl für Massenhersteller als auch Premiumhersteller von großer Bedeutung. Allein mit Motoren-, Getriebe-, Reifentechnik und Leichtbau lassen sich die Kohlendioxid-Ziele in Europa nicht verwirklichen. Es braucht den Kleinwagen für den Durchschnitt, glaubt Dudenhöffer.
Ab dem Jahr 2012 dürfen die in der Europäischen Union verkauften Neuwagen im Mittel nicht mehr als 130 Gramm Kohlendioxid emittieren. Das entspricht beim Diesel einem Kraftstoffverbrauch von 4,71 Liter pro 100 km und beim Benziner von 5,36 Liter pro 100 km. Dudenhöffer: Ohne höheren Kleinwagenanteil ist für die Autohersteller dieses Ziel nicht zu erreichen.
Viele neue Autos
Besonders Premiumhersteller setzen daher wohl in den nächsten Jahre auf neue Angebote bei Kleinst- und Kleinwagen: So ständen in den nächsten Jahren eine Reihe neuer Kleinwagen bei den Händlern, die bisher keinen Vorgänger hatten. Alfa Romeo kommt mit dem Alfa Junior (Ende 2008), Audi mit dem A1 (Ende 2009) und dem A1 Cabrio (Frühjahr 2011), BMW mit dem City (Ende 2010), Mercedes mit einer Mini-A-Klasse (Frühjahr 2011), VW mit einem Mini-Beetle und dem Up (beide Frühjahr 2010), Toyota mit dem IQ (Anfang 2009) und BMW-Mini mit einen Mini-SUV (Ende 2011).
Schicke Mini-Autos
Kleinwagen sind seit mit dem Smart, dem BMW-Mini und dem Fiat 500 sogar schick geworden. Weder in der Fahrzeugsicherheit noch in der Wertigkeit und im Image seien sie klein, urteilt Dudenhöffer.
Die Trends: Im Jahre 2005 wurden in Deutschland noch 695.000 kleine Autos verkauft. Bis 2011 steige die Zahl auf 893.000. Dies ist ein Zuwachs von 198.000 Fahrzeuge oder 29 Prozent im stagnierenden deutschen Automarkt. Den größten Zuwachs hätten dabei die Minis.
Der Trend zeigt sich auch in den anderen großen europäischen Märkten, allerdings in abgeschwächter Form. In Italien zum Beispiel ist traditionell bei Kleinst- und Kleinwagen eine Marktsättigung erreicht. Die neuen Fahrzeuge und Fahrzeugkonzepte bewirkten hier das Stabilisieren der Nachfrage und Marktanteile auf sehr hohem Niveau. Steigerungen erwartet Dudenhöffer auch in England, Frankreich und Spanien bei den Kleinwagen: Im Jahr 2011 wird damit der Marktanteil der Klein- und Kleinstwagen in den fünf europäischen Hauptmärkten, die für knapp 12 Millionen Fahrzeugverkäufe stehen, auf 34,6 Prozent angewachsen sein. Zum Vergleich: Im Jahre 2005 betrug dieser Anteil 30,6 Prozent.
Die Europäische Union gibt den Takt für die Hersteller vor
Dudenhöffer glaubt sogar: Langfristig wird der Trend zum Klein- und Kleinstwagen in Europa weiter wachsen. Die Kohlendioxid-Regulierungen, die im Jahr 2012 auf EU-Seite dann in die Umsetzung gehen, und zu entsprechenden Preissteigerungen bei kohlendioxid-intensiveren Fahrzeugen führen, werden die Marktanteile des Kleinst- und Kleinwagensegments auch in den Jahren nach 2011 weiter erhöhen.
Was bedeutet dies für die deutschen Automobilhersteller? Es geht darum, Kleinst- und Kleinwagen ertragsreich zu produzieren. Die Strategie, die Kleinst- und Kleinwagen als neuen Premium-Markt zu positionieren, unterstützt dabei die deutschen Autobauer, glaubt Dudenhöffer. Bei Klein- und Kleinstwagen spielten Synergieeffekte durch große Plattform-Volumen eine sehr wichtige Rolle. Für BMW und Mercedes stellen sich damit neue strategischen Aufgaben.
Auch Mercedes arbeitet an seiner Spritspar-Strategie
Kein Wunder also, dass Mercedes schon um die Strategie bei Spritsparmodellen ringt, wie die Automobilwoche gerade berichtet. Mercedes-Benz arbeite mit Hochdruck an seiner Strategie für Spritsparmodelle und werde die ersten beiden verbrauchsarmen C-Klasse-Limousinen bereits auf dem Automobilsalon in Genf vorstellen. Insgesamt seien 20 Modelle für dieses Jahr angekündigt. Zum ersten Mal hat Mercedes damit verbrauchs- und emissionsarme Volumenmodelle im Angebot, die sich positiv auf Flottenverbrauch und Image niederschlagen, urteilt das Fachblatt.
Für die Aktien der Autohersteller ergeben sich damit neue Perspektiven. Nur wer im Geschäft mit kleinen und sparsamen Autos vorne dabei ist, dürfte auch mittelfristig zu den Gewinnern an der Börse zählen. Toyota hat dies bereits vorgemacht. Renault ist auf dem besten Wege zu folgen. BMW ist mit dem Mini erfolgreich, und Daimler sollte bald mehr als den Smart bieten. Selbst Porsche hat sich gut positioniert - mit Volkswagen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: @stt
Bildmaterial: AP, CAR FH-Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer, B&D-Forecast-Studie, Privat