Branchenanalyse

Rückversicherer im Sturm

25. Januar 2008 Selbst die schlimmsten Wirbelstürme haben auf die Aktien der Rückversicherer nicht eine so verheerende Wirkung gehabt wie die aktuelle Finanzkrise. In den Jahren 2004 und 2005 musste die Versicherungswirtschaft für die Folgen von Naturkatastrophen wie den Wirbelstürmen "Katrina" und "Wilma" mehr als 120 Milliarden Dollar bezahlen. Einen guten Teil trugen die Rückversicherer. Damals sanken die Kurse weniger stark als heute in der Finanzkrise, da die Aktien von Hannover Rück, Swiss Re und Münchener Rück bis zu einem Drittel ihres Wertes eingebüßt haben.

Hinter dem Kurseinbruch steht die Befürchtung, dass die Gesellschaften bei der Kapitalanlage genauso versagt haben wie die Banken. Die Rückversicherer haben riesige Reserven aufgebaut. In der Zeit zwischen der Prämienzahlung der Kunden und der Schadenabwicklung wird das Geld angelegt. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass sie vermeintlich erstklassige Kredit-Verbriefungen gekauft haben, die in der Krise stark an Wert verloren haben, dann wären auch die Rückversicherer zu Abschreibungen gezwungen.

Von außen ist kaum zu beurteilen, ob die Portefeuilles sauber sind

Für die Aktionäre ist von außen kaum zu beurteilen, ob die Portefeuilles sauber sind. Dass diese Sorge begründet ist, belegt dass Beispiel der Swiss Re. Im November veröffentlichte sie einen vermeintlich soliden Quartalsbericht. Doch gerade zwei Wochen später musste sie eine Milliardenabschreibung im Zusammenhang mit der Kreditkrise beichten. Seitdem schlägt den Rückversicherern das gleiche Misstrauen entgegen, unter dem die gesamte Finanzbranche leidet, zumal die Befürchtung hinzu- kam, die Versicherer könnten im großen Stil strukturierte Anleihen halten, die von den in Schieflage geratenen Anleiheversicherern garantiert sind, deren Garantie heute nicht mehr viel wert ist.

Doch in den vergangenen Tagen hat sich das Bild aufgehellt. Für die amerikanischen Anleiheversicherer gibt es wieder Hoffnung. Hannover Rück und Münchener Rück beteuerten, dass sie nur in geringen Dosen die verlustreichen Verbriefungen gekauft haben. Vor allem aber beruhigt der Einstieg des amerikanischen Milliardärs Warren Buffett bei der Swiss Re die Gemüter. Er kaufte über seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway 3 Prozent der Anteile und übernimmt per Versicherungsvertrag für fünf Jahre 20 Prozent der Risiken aus dem Sach- und Unfallgeschäft der Swiss Re. Das setzt Kapital frei, mit dem der Rückversicherer noch mehr Aktien zurückkaufen will, als ohnehin schon geplant war. Buffett kennt sich in dem Metier aus: Zu seinem Imperium gehört der Rückversicherer General Re. Wenn also Buffett zugreift, kann es um Swiss Re nicht schlecht bestellt sein, denken sich viele Anleger und kaufen ebenfalls.

Bewertungen sind optisch sehr attraktiv

Das hat die Kurse der Rückversicherer in den vergangenen Tagen stark steigen lassen. Die Aktie der Hannover Rück hat zum Beispiel seit dem Tiefpunkt zu Beginn der Woche mehr als 15 Prozent zugelegt. Dennoch ist die Bewertung der Branche nach wie vor auffallend niedrig. Die Hannover Rück hat im vergangenen Jahr, vorausgesetzt es kommt nicht doch noch zu großen Abschreibungen, etwa 6 Euro je Aktie verdient. Nächstes Jahr könnten es, sofern nicht überdurchschnittlich viele Großschäden den Ertrag aufzehren, immerhin 4,50 Euro je Aktie werden. Die Dividende erwarten Analysten im Durchschnitt bei 1,90 Euro, wegen der Ausschüttung eines einmaligen Steuereffekts könnte sie noch höher ausfallen. Bei einem Kurs von derzeit gut 28 Euro - er war schon auf 24 Euro abgesackt - bedeutet das eine Dividendenrendite von 6,7 Prozent und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa sechs. Anleger zahlen also das Sechsfache des jährlichen Gewinns.

Bei anderen Rückversicherern sind die Bewertungen ähnlich niedrig, und das ist schon eine Tradition. Viele Anleger misstrauen den Rückversicherungswerten, weil das Geschäft stark zyklisch ist. Vor einem Jahr erreichten sie den Höhepunkt und sinken seitdem. Zudem gehen die Umsätze zurück, weil neue Anbieter in den Markt drängen, um sich die immer noch attraktiven Margen zu sichern. Die hohen Gewinne werden also - selbst bei einem freundlichen Verlauf der Schäden - nicht von langer Dauer sein. Das müssen sie allerdings auch nicht, denn selbst bei einer Halbierung der Erträge würden die Rückversicherer noch gut zurechtkommen. Dann würde das KGV lediglich auf den Durchschnitt des Marktes steigen.



Text: F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 25
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET

 
NamePunkteProzent
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TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 -0,05
Bund Future 110,94 +0,75
Gold 929,43 +0,19
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