Schuldenmoratorium

Dubai schockt die Finanzmärkte

Von Markus Frühauf

26. November 2009 Die Bitte des Golfemirates Dubai um einen Zahlungsaufschub für die staatliche Investmentgesellschaft Dubai World hat die Finanzmärkte am Donnerstag erschüttert. Von den Schulden Dubais über insgesamt 80 Milliarden Dollar entfallen auf die Holding allein 60 Milliarden.

Die Nachricht löste an den Kreditmärkten Sorgen über Zahlungsprobleme in der Golfregion aus. Die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen gegenüber Schuldnern aus dieser Region schossen in die Höhe. Für die Absicherung einer fünfjährigen Forderung von 100 Millionen Euro gegenüber Dubai müssen die Investoren nun eine jährliche Prämie von mehr als 5 Millionen Euro zahlen. Binnen eines Tages hat sich die Risikoprämie damit um mehr als 1 Million Euro verteuert. Auch die Kreditausfallversicherungen gegenüber Bahrain, Abu Dhabi oder Saudi-Arabien verteuerten sich erheblich.

Britische Banken stark engagiert

An den Aktienmärkten kam es zu deutlichen Kursverlusten. Der deutsche Leitindex Dax verlor 3,25 Prozent auf 5614 Punkte. Auf der Verkaufsliste der Anleger standen Bankentitel. Die Titel der Deutschen Bank verloren 6,4 Prozent. Der Aktienkurs der Commerzbank verbilligte sich um 3,9 Prozent. Aus Finanzkreisen verlautete, dass die Deutsche Bank kein Kredit- oder Anleiheengagement gegenüber Dubai habe. Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beliefen sich die Forderungen deutscher Banken gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen unter anderem die Emirate Dubai und Abu Dhabi gehören, Ende Juni auf 10,2 Milliarden Dollar, was vergleichsweise niedrig ist. Mit 49,5 Milliarden Dollar sind britische Banken dagegen deutlich stärker dort engagiert.

Zu den Gläubigern der staatlichen Holding Dubai World zählen einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge unter anderen Credit Suisse, Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, Barclays und Lloyds Banking. Die Aktien von RBS verloren in London 8 Prozent. Die HSBC-Titel gaben um 5,3 Prozent nach. Einem Credit-Suisse-Sprecher zufolge hat die Schweizer Großbank kein nennenswertes Dubai-Risiko. Der Aktienkurs brach trotzdem um mehr als 5 Prozent ein. Die Titel des Börsenbetreibers London Stock Exchange (LSE) verbilligten sich um 7 Prozent. An der LSE ist die Börse Dubai mit 21 Prozent beteiligt.

Aktien von Unternehmen mit Dubai-Beteiligung stark unter Druck

Unter Druck gerieten auch die Titel von Daimler (minus 4,2 Prozent) und die Stammaktien von Volkswagen (minus 4,3 Prozent). Noch deutlicher fielen die Porsche-Aktien mit 5,7 Prozent. Das Golfemirat Qatar hält an dem Sportwagenhersteller 10 Prozent und könnte an dessen künftiger Muttergesellschaft VW künftig 17 Prozent halten. An Daimler sind der vom Golfemirat Abu Dhabi kontrollierte Fonds Aabar sowie das eigenständige Emirat Kuweit mit insgesamt 17 Prozent beteiligt. Händler führten die Verkäufe auf die Befürchtung zurück, dass eine Schuldenkrise die Golfstaaten zu Verkäufen ihrer Beteiligungen zwingen könnte.

An der Aktienbörse in New York fand am Donnerstag wegen des Feiertags Thanksgiving kein Handel statt. Dubai hatte die Finanzmärkte am Mittwochabend über den angestrebten Zahlungsaufschub informiert. Die Wall Street zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt. Die beiden wichtigsten Indizes schlossen jeweils auf neuen Jahreshochs: Der Dow Jones rückte um 0,3 Prozent auf 10 464 Punkte vor und der S&P 500 um 0,5 Prozent auf 1110 Punkte.

Bundesanleihen als sicherer Hafen

Die verunsicherten Investoren flüchteten in als krisensicher geltende Anlagen. Am Rentenmarkt stieg der Terminkontrakt auf Bundesanleihen um 61 Stellen auf 123,26 Prozent. Entsprechend verringerte sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 3,27 auf 3,19 Prozent. Ein Allzeithoch erreichte Gold. Die Feinunze des Edelmetalls stieg auf 1195 Dollar. Auch in Euro wurde mit 795,40 Euro ein neuer Rekord markiert. Im Handelsverlauf realisierten die Investoren aber Gewinne, so dass der Goldpreis wieder auf 1181 Dollar fiel.

Der Dollar setzte seine Schwäche fort. Der Euro verteuerte sich zeitweise auf 1,5144 Dollar, den höchsten Stand seit August 2008. Noch deutlicher fällt der Kursverfall des Dollar gegenüber dem japanischen Yen aus. Mit 87,10 Yen fiel die Währung am Donnerstag auf ein 14-Jahres-Tief. Das Rekordtief des Dollar datiert auf den 19. April 1995, als nur 79,75 Yen bezahlt werden mussten. Händler führten den jüngsten Yen-Anstieg auf Aussagen des japanischen Finanzministers Hirosha Fujii zurück, wonach derzeit kein Handlungsdruck wegen der Dollar-Schwäche besteht. Nach Ansicht der amerikanischen Notenbank verläuft die Dollar-Abwertung in geordneten Bahnen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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