07. März 2008 Der Deutsche Aktienindex Dax ist am Freitag weiter gesunken. Bis zum Handelsschluss gab er um 1,5 Prozent auf 6493 Punkte nach. In den vergangenen acht Handelstagen büßte der deutsche Leitindex damit mehr als 500 Punkte ein. Auch in den Vereinigten Staaten und in Asien gaben die Kurse auf breiter Front nach und nähern sich ihren Jahrestiefs.
Selbst die Ankündigung der amerikanischen Notenbank (Fed), die Geldmärkte im März durch überraschend hohe Liquiditätsspritzen von insgesamt 100 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) unterstützen zu wollen, verhalf den Aktienmärkten nicht zu einem Stimmungsumschwung. Es gibt derzeit zu viele Faktoren, die den Markt belasten. Da ist zum einen der Itraxx-Crossover. Der Index gilt als Maß für die Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmensanleihen. Er erreichte am Freitag einen neuen Höchststand von 650 Punkten.
Weitere Milliardenabschreibungen in den kommenden Wochen?
Die Absicherung von Anleihen wird so deutlich teurer. Das sorgt für zusätzliche Belastungen in der Finanzbranche. Der stark steigende Itraxx spricht für weitere Milliardenabschreibungen in den nächsten Wochen und Monaten", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. "Das lastet derzeit erheblich auf den Aktienmärkten, da zwischenzeitlich die Hoffnung aufkam, dass aus der Finanzbranche die schlimmsten Nachrichten bereits auf dem Tisch liegen."
Das Vertrauen in einen glimpflichen Ausgang der Krise ist an den Finanzmärkten zudem auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Ein guter Indikator dafür ist die Rendite der zweijährigen amerikanischen Staatsanleihen. Diese Papiere gelten als eine der sichersten Anlageformen. Zuletzt verzeichneten die Staatsanleihen erhebliche Kurssteigerungen. Die Rendite sank am Freitag auf weniger als 1,5 Prozent - so tief wie zuletzt vor vier Jahren. "Das ist ein deutliches Warnsignal, die Anleger fliehen geradezu in die Sicherheit", sagt Hürkamp. Zudem sei die Differenz zum amerikanischen Leitzins ungewöhnlich groß. "Die Differenz ist nur in Krisenzeiten derart hoch, im Normalfall liegt die Rendite zweijähriger Anleihen regelmäßig höher als der Leitzins." Die ausgeprägte Risikoscheu zeigt sich zudem an der Entwicklung der Renditen der Unternehmensanleihen. Der Risikoaufschlag für Papiere mit mittelmäßiger Bonität ("BBB") ist seit dem Sommer von rund 40 auf nun 130 Basispunkte gestiegen.
Die Ursache für den Rückzug der Anleger aus Risikopapieren - worunter die Aktienmärkte leiden - liegt in der Einschätzung der Marktteilnehmer, dass sich die Finanzkrise noch verschärft. Dafür spricht der steigende Itraxx, aber auch einige Meldungen aus Unternehmen. So berichtete die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Carlyle, dass sich die Probleme mit einigen Hypothekenanleihen derart verschärft hätten, dass die Zahlungsfähigkeit des niederländischen Tochterunternehmens ernsthaft in Gefahr sei. Diese ist mit 22 Milliarden Dollar in bis dahin als sicher geltende und mit der Höchstnote "AAA" bewertete Anleihen investiert.
Schwache Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten
Auch die Rettung des angeschlagenen amerikanischen Hypothekenversicherers Ambac bereitet den Finanzmärkten immer wieder Sorgen. Die in dieser Woche durchgeführte Kapitalerhöhung wird als nicht ausreichend empfunden. Die Maßnahme war nötig, um die für das Geschäftsmodell nötige Bonitätseinstufung zu erhalten. Zudem kommt vom amerikanischen Häusermarkt keine Entlastung. Die Preise fallen weiter, und der Anteil der als gefährdet geltenden Kredite erreichte diese Woche den höchsten Stand seit 20 Jahren.
Auch die anderen Wirtschaftsdaten sorgen für Unruhe an den Aktienmärkten. So ist der am Freitag veröffentlichte amerikanische Arbeitsmarktbericht für Februar deutlich schlechter ausgefallen als erwartet. Die Revision der Gewinnerwartungen nach unten nimmt zudem größere Ausmaße an. Angeführt von der Finanzbranche, senkten die Analysten in den vergangenen drei Monaten die Gewinnerwartungen für 2008 im S&P-500 und im europäischen Stoxx 50 um jeweils 5 Prozent.
Die Berichte der Unternehmen über Rekordgewinne und Rekorddividenden helfen da wenig. An der Börse wird deren Nachhaltigkeit angezweifelt. Daher wird auch die historisch günstige Bewertung der Aktien nur schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Die bisher als Stütze empfundenen Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank haben mittlerweile ihren Reiz weitgehend verloren. Für die Sitzung der Fed am 18. März gehen die Analysten sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Zinssenkung um 75 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent aus.
Diese Aussicht treibt den Dollar auf immer neue Rekordtiefs - für einen Euro mussten am Freitag bis zu 1,5455 Dollar gezahlt werden. Das Vertrauen der Marktteilnehmer, die Krise noch abwenden zu können, hat die Fed jedoch verloren. Lediglich die Firmenvorstände blicken angesichts ihrer vollen Auftragsbücher zuversichtlich auf die Entwicklung ihrer Unternehmen und kaufen so viel eigene Aktien wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Text: F.A.Z., 08.03.2008, Nr. 58 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,20 | +4,04 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,47 | +2,72 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +0,38 | +1,20 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -14,59 | -12,53 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,84 | -8,31 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -9,02 | -7,89 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.341,30 | -1,54 |
| TecDax | 713,89 | -1,07 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.303,44 | -1,52 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,26 |
| Bund Future | 111,45 | +0,46 |
| Gold | 932,02 | +0,47 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
