Branchenanalyse

Solarwerte haben den Nimbus verloren

Eine Branche verliert an Glanz

Eine Branche verliert an Glanz

03. Juli 2009 Die Solarwerte sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Höhenflieger an der Börse. Das lässt sich einfach erklären. Denn die Branche ist reifer geworden.

Hatten massivste Subventionen, scheinbar endlos steigende Preise bei fossilen Brennstoffen und die anfängliche Faszination von Anlegern und realwirtschaftlichen Investoren zunächst aufgrund der im Verhältnis zum Wachstum geringen Produktionskapazitäten zu hohem, sehr profitablem Wachstum geführt, so hat sich das inzwischen geändert.

Umfeld hat sich zu ungunsten der Solarunternehmen verändert

Denn erstens kam es wegen der Wirtschaftkrise zu einer Korrektur bei den Energiepreisen. Zweitens kommen immer mehr Anbieter in den bisher lukrativen Markt. Das führt dazu, dass trotz anhaltendem Wachstum die Margen und damit die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen sinken. Drittens hat sich inzwischen herausgestellt, dass viele Anlagen nicht das halten, was beim Verkauf in wunderbaren Prospekten mit den schönsten Modellrechungen versprochen worden ist.

Die Energieausbeute vieler Anlagen liegt in der Realität unter den ermittelten Idealwerten. Dazu kommen allerlei technische Probleme, sie sich in Form erhöhter Wartungskosten oder unerwartet geringer Lebensdauer der Anlagen zeigen. Dazu kommen regulatorische Unsicherheiten. So hat Spanien schon im September des vergangenen Jahres angekündigt, die Preise für den aus Solaranlagen in die Netze eingespeisten Strom zu senken, da sich das Land die Subventionen angesichts des künstlichen Wachstums der Branche schlicht und einfach nicht mehr leisten könne.

Zum Börsenkurs

Aus solchen Gründen kann es kaum verwundern, dass Anleger die scheinbar endlos wachsende Branche inzwischen kritischer als in der Vergangenheit betrachten. Nach überdurchschnittlichen Kursentwicklungen in der Vergangenheit sind einzelne Werte wie etwa die von Q-Cells inzwischen zu „Underperformern“ geworden: Die Aktie hat auf Sicht eines Jahres 75 Prozent ihres Wertes verloren, während der CDax ein Minus von 28 Prozent und der TecDax einen Verlust von knapp 16 Prozent hinnehmen musste.

Die Aktien anderer Unternehmen der Branche schnitten ähnlich schlecht ab, die der Solon SE mit einem Minus von 82 Prozent auf Sicht eines Jahres sogar noch schlechter. Die aktuellste Meldung des chinesischen Waferhersteller LDK Solar macht wenig Mut. Denn das Unternehmen ist im zweiten Quartal nach eigenen Angaben noch härter von der Krise getroffen worden als erwartet.

Weltwirtschafts- und Strukturkrise und hausgemachte Probleme

Das an der New Yorker Börse gehandelte Unternehmen bereitete den Markt am Donnerstagabend nach Börsenschluss auf enttäuschende Geschäftszahlen vor. Der Umsatz habe zwischen 215 und 225 Millionen Dollar gelegen, teilte es mit. Analysten hatten im Schnitt mit 250 Millionen Euro Umsatz gerechnet. Im bereits schwachen ersten Quartal hatten die Chinesen noch Erlöse von 283 Millionen Dollar erwirtschaftet. Im zweiten Quartal vergangenen Jahres hatte der Umsatz bei 441,7 Millionen Dollar gelegen. Die LDK-Aktien verloren nach der Mitteilung im späten Handel rund drei Prozent.

Neben der Weltwirtschaftskrise und der allgemeinen Kreditklemme leidet die Solarbranche seit Monaten unter hausgemachten Problemen. So stoßen in der Boomzeit massiv aufgebaute Kapazitäten auf eine eingebrochene Nachfrage, was zu einem in der Branche bislang beispiellosen Preiskampf führt. LDK Solar waren bereits im ersten Quartal mit einem Verlust von 22,5 Millionen Dollar tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerutscht. Analysten erwarten, dass sich daran so schnell nichts ändert, auch wenn die Nachfrage sich - wie allgemein erwartet - in den kommenden Monaten wieder erholen sollte.

LDK-Chef Xiaofeng Peng verwies in der Mitteilung darauf, dass bereits in der zweiten Hälfte des zweiten Quartals ein Aufwärtstrend zu erkennen gewesen sei. So habe sein Unternehmen Wafer zwischen 220 und 230 Megawatt ausgeliefert. Das wäre etwas mehr als die ursprünglich anvisierten 200 bis 220 Megawatt. Der Aufbau einer neuen Fabrik zur Herstellung von Siliziumwafern, dem Rohstoff für Solaranlagen, bleibe daher im Zeitplan. Die Finanzierung habe sich das Unternehmen durch ein Darlehen der chinesischen Exportbank gesichert.

Angesichts des veränderten Umfeldes und der volatilen operativen Entwicklung vieler der Unternehmen der Branche dürften Anleger auch unter Einbezug der Bewertung dazu tendieren, Einzelwerte strikt zu selektieren. Die Aktien von Solarworld gehören in diesem Sinne zu den interessantesten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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