13. August 2007 Wenn Banken derzeit Zahlen vorlegen, interessieren diese selbst nur wenig. Vielmehr lautete die Gretchenfrage: Sag, wie hältst Du's mit den Subprimes? Etwas weniger dringlich ist die Frage am Montag bei der Aareal-Bank, hatte diese doch schon in der vergangenen Woche in dieser Hinsicht für Unruhe gesorgt, als überraschend der Rücktritt des für Treasury und Credit Treasury zuständigen Vorstandsmitgliedes Christof Schörnig bekannt wurde.
Indes beteuerte das Institut, dies habe nichts mit der Krise am amerikanischen Subprime-Markt zu tun gehabt. Wir sind von der Subprime-Krise nicht betroffen, sagte eine Sprecherin der Wiesbadener Immobilienbank. Auch am Montag bekräftigte Vorstandschef Wolf Schumacher, die Aareal habe keine direkten oder indirekten Engagements im krisengeschüttelten amerikanischen Markt für zweitklassige Hypothekenkredite (Subprime).
Zahlen im Rahmen der Erwartungen
Indes ist die Bank mit 650 Millionen Euro in forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities) engagiert. Davon hätten rund 90 Prozent aber ein Rating von AAA, sagte ein Sprecher der Bank am Montag. Er betonte, die Bank habe keine Zweckgesellschaft (Conduit) und habe keine Garantien für solche Fonds abgegeben.
Das dürfte jedenfalls beruhigend wirken, allzumal der Halbjahresbericht am Montagmorgen wie weithin erwartet ausfiel und das Nachsteuerergebnis sich noch als etwas besser herausstellte, allerdings vor allem aufgrund massiver Sondereffekte. In den Monaten Januar bis Juni stieg der Überschuss, getrieben durch den Interhotel-Verkauf, von 51 auf 89 Millionen Euro. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 83 Millionen Euro Gewinn gerechnet.
Der Vorsteuergewinn lag mit 132 Millionen Euro 67 Prozent über Vorjahresniveau und ebenfalls über den Erwartungen der Analysten von 130 Millionen Euro, der Zinsüberschuss betrug 202 Millionen Euro und war damit ein Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Provisionsüberschuss ging dagegen um vier Prozent auf 73 Millionen Euro zurück. Die Analysten hatten mit einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten Wert gerechnet. Die Risikovorsorge lag wie im Vorjahr bei 44 Millionen Euro.
Sondereffekte treiben Gewinn
Die Beteiligung ImmobilienScout24 brachte fünf Millionen Euro an Dividende in das Aareal-Ergebnis ein, zwei Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Getrieben wurde der Gewinnsprung im Halbjahr auch durch einen bereits im ersten Quartal vermeldeten Sondereffekt. Damals hatte eine Ausgleichszahlung der Depfa für Steuerrückvergütungen im Zusammenhang mit dem Verkauf der Interhotel-Gruppe im vergangenen Dezember an Blackstone den Vorsteuergewinn um 37 Millionen Euro erhöht. Nach Steuern hatte sich die Ausgleichszahlung mit 22 bis 23 Millionen Euro auf den Quartalsüberschuss ausgewirkt.
Im zweiten Quartal kamen aus dem Interhotel-Engagement noch einmal zwei Millionen Euro an Sondererträgen hinzu. Den Rückgang des Provisionsüberschusses erklärte die Bank mit einem negativen Sondereffekt in Höhe von sieben Millionen Euro aus dem Verkauf von Vermögensgegenständen eines Fonds der Tochter Structured Finance. Um diesen Effekt bereinigt wäre der Provisionsüberschuss im Halbjahr um 5,8 Prozent gestiegen, hieß es.
Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag im ersten Halbjahr bei 16,8 Prozent nach 10,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr werde weiter 13 Prozent angepeilt. Das Neugeschäft im Segment Strukturierte Immobilienfinanzierung legte um 37 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zu. Hierzu habe das Auslandsgeschäft rund 90 Prozent beigesteuert, hieß es. Im Gesamtjahr soll das Neugeschäft weiter bei rund 10 Milliarden Euro liegen. Auch im zweiten Halbjahr wollen wir unsere Wachstumsstrategie konsequent umsetzen, sagte Bankchef Wolf Schumacher.
Aktie könnte sich in volatilem Umfeld erholen
Am Montag gehört die Aktie daher zu den Profiteuren einer Studie der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, die europäische Finanzwerte von underweight auf overweight hinaufstufte und so legt der Kurs zu Handelsbeginn um 6,9 Prozent auf 31,75 Euro zu.
Allerdings hat das Erholungspotential Grenzen. Trotz des deutlichen Kursrutsches der vergangenen Wochen lag die Aktie im Vergleich zu anderen Bankenwerten vor dem Montag mit prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,5 für das laufende und 8,6 für das kommende Jahr eher am oberen Rande der Bewertungen der Branchenpapiere.
Vor allem aber ist die Kreditkrise trotz aller Bemühungen der Notenbanken keineswegs ausgestanden und der hohe Vertrauensverlust, den die IKB verursachte, hat dazu geführt, dass obgleich man den Beteuerungen Glauben schenkt, ein leises Misstrauen und eine gewisse Verunsicherung bleibt. Das macht die Kurse weiterhin anfällig.
Charttechnisch hat sich die Notierung recht gut geschlagen. Die 29,70 Euro, bei denen der Handel am Freitag schloss, bedeuten zwar ein Jahrestief, indes fiel sie nicht unter das 2006er Tief von 29,15 Euro, so dass der zweijährige Seitwärtstrend nicht gebrochen wurde. Die zu erwartende Erholung am Montag dürfte weiter zur Kursstabilisierung beitragen. In einem entsprechenden Marktumfeld hätte die Notierung damit durchaus Luft nach oben.
Indes ist nicht davon auszugehen, dass sie angesichts der Bewertungsrelationen in einem schwächeren Kreditmarktumfeld die alten Höchstkurse bei 40 Euro ohne weiteres erreichen kann. Denn viele Erwartungen hinsichtlich eine Verbesserung der Unternehmenszahlen sind bereits erfüllt, auch wenn sich das Unternehmen noch mehr vorgenommen hat. Daher dürfte die Notiz den Widerstand bei 35 Euro wohl so bald nicht herausnehmen können, zumal immer wieder marktbedingte Rückschläge drohen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: Aareal, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,01 |
| Bund Future | 110,94 | +0,75 |
| Gold | 931,30 | +0,39 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
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