Stahl

Klöco-Aktie kriecht nach oben

29. August 2006 Der Zeitpunkt für den Gang auf das Parkett war nicht gerade glücklich: Als der Stahlhändler Klöckner & Co Ende Juni an die Börse ging, war die Stimmung an den Märkten so schlecht, daß fast jede Neuemission floppte.

Die Klöco-Aktie kam noch verhältnismäßig gut weg: Sie startete mit einem Kurs von 15 Euro in den Handel, das war ein Euro unter dem Ausgabepreis. Im Juli fiel die Aktie auf 14 Euro, danach ging es aber aufwärts. Am späten Dienstag vormittag waren für die Titel 17,35 Euro zu zahlen, 0,9 Prozent mehr als am Vortag. Wer nach dem Börsengang die Geduld nicht verlor, kann sich inzwischen also über einen ansehnlichen Gewinn freuen (Isin DE000KC01000).

Klöco will zukaufen

Der jüngste Kursanstieg liegt wohl an den guten Zahlen, die der Stahlhändler vorlegen konnte. Außerdem versprach Konzernchef Thomas Ludwig, das Wachstum mit Zukäufen weiter ankurbeln zu wollen. „Unser Ziel ist es, aktiv an der weltweiten Branchenkonsolidierung teilzunehmen“, sagte Ludwig am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Im zweiten Halbjahr wolle der Konzern einen Konkurrenten in den Vereinigten Staaten schlucken, kündigte er an. Zudem habe Klöco weitere Unternehmen im Visier: Es gebe eine Reihe kleinerer Firmen in der Branche mit einem Umsatz zwischen 30 und 50 Millionen Euro, die sich als Übernahmeziele anböten. Erst im Juli hatten die Duisburger zwei kleinere spanische Konkurrenten übernommen. Klöco wolle sich mit den Zukäufen auf sein Kerngeschäft konzentrieren - und sich im Gegenzug von Randgeschäften und Grundstücken trennen, sagte Ludwig.

Anleger können für 2006 mit einer Dividende rechnen

In den ersten sechs Monaten steigerte Klöco dank der weltweit hohen Nachfrage nach Stahl alle wesentlichen Kennzahlen. Der Umsatz legte um 7,2 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 87 Millionen Euro auf 153,8 Millionen Euro.

Auch unter dem Strich konnte der Konzern seinen Gewinn deutlich steigern: Der Überschuß legte in den ersten sechs Monaten auf 91 (6) Millionen Euro zu. Der seit Ende Juni börsennotierte Klöco-Konzern gehe nun weiter davon aus, im Gesamtjahr 2006 die Vorjahresergebnisse „deutlich“ zu übertreffen, betonte Ludwig. Die Anteilseigener könnten zudem für 2006 mit einer Dividende rechnen.

Schuldenabbau kommt voran

Das vor 100 Jahren gegründete Traditionsunternehmen, das jährlich etwa sechs Millionen Tonnen Stahl kauft und verkauft, hat in den vergangenen fünf Jahren zahlreiche Eigentümerwechsel erlebt. In diesem Zusammenhang streiten sich die WestLB und die Rohstoffhandelsgruppe Balli noch vor Gericht. Die Bank hatte KlöCo 2003 von Balli übernommen und sie 2005 an den Finanzinvestor LGB weiterverkauft. Im Juni war der Konzern dann an die Börse gegangen. LGB hält Ludwig zufolge noch rund 65 Prozent der Anteile.

Vor dem Börsengang gab es Kritik, weil der Emissionserlös zu einem überwiegenden Teil an die Altgesellschafter floß. Immerhin konnte Klöco durch den Börsengang Schulden abbauen: Der Konzern löste mit dem Erlös eine im Zuge des LGB-Einstiegs aufgenommene Hochzins-Anleihe teilweise ab. Zum Jahreswechsel betrug die Eigenkapitalquote nur noch 14,3 Prozent, inzwischen sind es immerhin etwa 25 Prozent.

Aktie ist optisch sehr günstig

Analystenstimmen zu dem Börsenneuling sind Mangelware. Die wenigen, die es gibt, rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von 2,97 Euro je Aktie in diesem und 2,78 Euro je Aktie im kommenden Jahr. Dies scheint nicht übertrieben zu sein, schließlich blieben bei Klöco allein im ersten Halbjahr unter dem Strich 1,63 Euro je Aktie.

Aus den Schätzungen würde sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 5,8 für 2006 und 6,2 für 2007 errechnen. Das sieht auf den ersten Blick nach einem Schnäppchen aus, sollte aber nicht überbewertet werden. Schließlich rechnen die Analysten damit, daß der Gewinn im kommenden Jahr sinkt, was nicht gerade für steigende Kurse spricht. Bei der Dividende rechnen die Analysten im Schnitt mit 90 Cent je Aktie, das würde einer durchaus beachtlichen Rendite von 5,2 Prozent entsprechen.

Die Strategie scheint aufzugehen

Bei der Pressekonferenz zum Börsengang im Juni hatte Ludwig angekündigt, kleine Aufkäufe zu forcieren. Im fragmentierten Metallhandel in Europa sollte der Umsatz jedes Jahr um 2,5 Prozent zulegen. Darüber hinaus wolle Klöco jedes Jahr organisch um 2,5 Prozent wachsen. Abhängig von den Stahlpreisen sei Klöco nicht, da man keine spekulativen Handelsgeschäfte tätige.

Die Strategie der kleinen Zukäufe scheint aufzugehen. Langfristig sollten deshalb weitere Gewinnsteigerungen möglich sein, auch wenn sich die Stahlkonjunktur in naher Zukunft eher abkühlen wird. Große Kurssprünge nach oben dürfen Anleger aber wohl nicht erwarten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi mit Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa

 
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