Strategie

Investoren spielen immer öfter „Infrastruktur-Spiele“

08. Februar 2006 Das Übernahmekarussell weltweit befindet sich in rasanter Bewegung. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht wieder ein neues Gebot eines Unternehmens für ein anderes bekannt wird.

Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern. Denn einerseits sind die Zinsen tief und führen zu vorteilhaften Finanzierungsbedingungen. Gleichzeitig verdienen viele gut positionierte Unternehmen so viel Geld und sehen so wenig Investitionsmöglichkeiten, daß sie sich zum Kauf von Marktanteilen entschließen. Das geht am einfachsten durch die Übernahme eines Konkurrenten.

Infrastrukturunternehmen zeichnen sich durch besondere Marktstellung aus

Es gibt jedoch auch andere Strategien. Eine davon dürfte der Drang zu so genannten „Infrastructure Investments“ sein. Dabei handelt es sich in der Regel um Unternehmen, die sich in einer Sonderstellung befinden. Sie läßt sich dadurch definieren, daß der Wettbewerb beschränkt ist, daß die Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen und Produkten robust und vor allem auch preisunelastisch ist.

Terminal 5 im Bau Sicherheitskontrolle in Stansted

Für diese Strategie ist in den vergangenen Jahren vor allem die australische Macquarie Bank bekannt geworden, aber offensichtlich wird sie von immer mehr Firmen und Investoren imitiert. Auf diese Weise läßt sich nicht nur das Interesse an Pipelines, Mautautobahnen und -brücken, Börsen und nicht zuletzt auch an Flughafenunternehmen erklären.

Denn einer Deutschen Börse kann man nicht von heute auf morgen einfach so Konkurrenz machen. Dazu wären nicht nur die notwendigen Investitionen zu hoch, sondern auch die Kundenbindung ist zu stark. Gleichzeitig sind die Kunden auf die Dienstleistungen der Börse angewiesen und können selbst bei deutlich steigenden Preisen - die Deutsche Börse scheint diesbezüglich in Teilbereichen nicht allzu zimperlich zu sein - nicht auf alternative Angebote ausweichen.

Das gilt auch für andere Unternehmen der Kategorie, insbesondere auch für Flughäfen und Flughafenbetreiber. In diesem Sinne dürfte ein mögliches Angebot des spanischen Bauunternehmens Grupo Ferrovial für die britische BAA, die Flughäfen in Heathrow, Gatwick, Stansted, Southampton, Glasgow, Edinburgh und Aberdeen zum Teil besitzt und betreibt und somit in Großbritannien eine ziemlich dominierende Stellung einnimmt, kaum überraschen. Mit einem Engagement beim Flughafen in Budapest ist das Unternehmen auch im Ausland aktiv und weitere Expansionspläne befinden sich in der Pipeline. (Siehe auch: Spanischer Baukonzern greift nach Heathrow)

Unternehmen mit Preissetzungsmacht können auch hohe Kosten überwälzen

Die Aktie des Unternehmens reagierte am Mittwoch mit Kursgewinnen von bis zu 22,3 Prozent auf bis zu 801 Pence auf diese Meldungen und erreichte im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch. Mit Blick auf die überaus lockere Geldpolitik weltweit und die operative Entwicklung in den vergangenen Jahren dürfte das Interesse an solchen Unternehmen kaum überraschen. Denn die BAA konnte bisher sowohl Umsätze als auch Gewinne im Trend über Jahre deutlich steigern. Und das dürfte auch so weitergehen.

Ähnlich wie Behörden und öffentlich-rechtliche Unternehmen mit ihrer Monopolstellung haben solche Unternehmen Preissetzungsmacht und dürften kein Problem damit haben, selbst - gemessen am Gegenwert in Form von eigentlich unnötiger Bürokratie bei vielen öffentlichen Behörden und Unternehmen - unberechtigt hohe oder stark steigende Kosten auf ihre Kunden überzuwälzen. Das zeigt sich unter anderem auch an der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, die ohne Rücksicht auf mögliche Rationalisierungspotentiale und auf die Privilegien im Personalbereich ihre überhöhten Preise ohne mit der Wimper zu zucken Jahr für Jahr weiter anzieht. Die Kunden haben keine Alternative, als die Kröte zu schlucken und dann und wann auch noch die Verdi-verblendeten Streikenden trotz aller Wut freundlich zu grüßen.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 18,8 und 17,8 und mit einer Dividendenrendite von 2,7 scheint die BAA-Aktie inzwischen recht teuer geworden zu sein. Aber aufgrund der Marktstellung der Preissetzungsmacht dürfte das längerfristig kein Problem sein. Und wenn, dann für die Geldpolitiker. Denn sie dürften sich bei so teueren Übernahmen in so kritischen Bereichen auf steigende Preise, also auf inflationäre Tendenzen, einstellen müssen. Für Anleger gilt: Infrastrukturunternehmen mit hohem Free-Float können als Übernahmekandidaten gelten. Die Aktie der Grupo Ferrovial ist mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 25 und 22,6 längst kein Schnäppchen mehr. Aber die Aktie legt am Mittwoch 5,45 Prozent auf 66,8 Euro zu.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BAA, BAA plc, FAZ.NET

 
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