Wall Street

Die Anleger schöpfen wieder Hoffnung

Von Norbert Kuls, New York

08. Mai 2008 Anleger an der Wall Street haben in den vergangenen Wochen überwiegend positiv auf die Ergebnisberichte der Unternehmen für das erste Quartal reagiert. Zwar sind die Gewinne der im amerikanischen Aktienindex S&P 500 abgebildeten Konzerne im Vergleich zum Vorjahr kräftig zurückgegangen. Allerdings konzentrierte sich der Gewinnrückgang nur auf zwei Segmente, Finanztitel und konjunktursensible, also zyklische Konsumwerte.

Begonnen hatte die Bilanzsaison mit einem Schock. Der größte amerikanische Mischkonzern General Electric hatte Mitte April über einen überraschend hohen Gewinnrückgang berichtet. Der Konzern, der wegen seiner breiten Produktpalette als Konjunkturindikator gilt, hatte wegen des nachlassenden Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten sowie der angespannten Lage an den Kapitalmärkten zudem die Prognosen für das Gesamtjahr zurückgenommen. Der diesem Fehlschlag folgende Kurseinbruch an der Börse währte jedoch nicht lange. Seit Mitte April hat sich der S&P 500 wieder um knapp 7 Prozent erholt.

Bemerkenswerte Reaktionen

Börsianer schöpfen offenbar Hoffnung, dass die jüngsten Zinssenkungen der Notenbank die negativen Folge der Kreditkrise auf die Konjunktur begrenzen werden. Auch die Aktienkurse der Finanzwerte im S&P 500, die im Zentrum der Kreditkrise stehen, haben sich in diesem Quartal um mehr als 10 Prozent erholt. Wie der Gesamtindex liegen sie im Vergleich zum Jahresanfang allerdings noch im Minus. Die Reaktion der Börsianer ist bemerkenswert.

Denn die Gewinne der großen Banken und Investmentbanken waren im ersten Quartal nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters um 73 Prozent eingebrochen. Das trug stark zu dem insgesamt negativen Trend bei. Insgesamt sind die Unternehmensgewinne bisher um 15 Prozent zurückgegangen. In diese Zahlen gehen die Prognosen für noch ausstehende Quartalsberichte sowie die bereits vorgelegten Ergebnisse ein. Knapp vier Fünftel der S&P 500-Unternehmen haben ihre Resultate veröffentlicht.

„Nicht schwer, zweistellige Wachstumsraten zu finden“

Anfang des Jahres hatten Analysten noch mit einem Anstieg der Gewinne um 5,7 Prozent gerechnet. Im Laufe des Quartals wurden die Prognosen aufgrund der sich ausweitenden Finanzkrise und der Sorgen vor einer Rezession dann kontinuierlich nach unten geschraubt. „Die Finanztitel lassen alles schlecht aussehen“, sagt Howard Silverblatt, Analyst beim Indexanbieter Standard & Poor's.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen außerhalb der Finanzbranche habe die Gewinne um mindestens 10 Prozent gesteigert. „Es ist nicht schwer, zweistellige Wachstumsraten zu finden“, sagt Silverblatt. Positiv schnitten multinationale Unternehmen ab, die im Ausland hohen Umsatz machen und von gestiegenen Devisenkursen profitierten. Dazu gehören der Baumaschinenhersteller Caterpillar sowie die Mischkonzerne Honeywell und United Technologies.

Investoren konzentrierten sich offenbar auch auf weitere positive Aspekte der Bilanzsaison. Nach Angaben von Thomson Reuters haben nämlich 63 Prozent der Unternehmen die Prognosen der Analysten übertroffen. Dieser Prozentsatz liegt über dem historischen Durchschnitt. „In einem typischen Quartal (seit 1994) übertreffen 61 Prozent der Unternehmen die Schätzungen“, schreibt John Butters, Direktor bei Thomson Reuters.

Energiebranche hat die hohen Erwartungen erfüllt

Aber es gibt auch eine dunklere Seite. Denn 26 Prozent der Unternehmen haben die Erwartungen verfehlt - deutlich mehr als in einem normalen Quartal. Neben General Electric enttäuschten auch der Aluminiumproduzent Alcoa, der Pharmakonzern Pfizer sowie der Ölriese Exxon Mobil. Getrieben vom hohen Ölpreis erfüllte die Energiebranche aber generell die hohen Erwartungen. Mit einem Gewinnplus von 26 Prozent schnitten Energietitel im S&P 500 am besten ab.

Im Finanzsegment verfehlten aber zwei Fünftel der Institute die ohnehin nur dürftigen Erwartungen der Wall Street-Auguren. Der größte Finanzdienstleister Citigroup und die große Investmentbank Merrill Lynch machten abermals Milliardenverluste. Dennoch reagierten Anleger erleichtert, dass die Verluste nicht noch höher ausgefallen waren.

Für das laufende zweite Quartal haben Analysten ihre Prognosen in den vergangenen Wochen auch schon reduziert, da weiterhin Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung herrscht. Die Auguren erwarten für das zweite Quartal aktuell einen durchschnittlichen Gewinnrückgang um 6 Prozent. Aber die Tatsache, dass es bei der jüngsten Bilanzsaison überhaupt positive Daten gab, bietet Grund genug für Hoffnung, sagt Doug Sandler, der beim Wertpapierhaus Riverfront Investment Group für das Aktiengeschäft zuständig ist. „Die Dinge waren nicht so schlecht, wie die Leute gedacht hatten“, sagt Sandler.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

NamePunkteProzent
Dax 7.018,30 -0,25
TecDax 841,72 +0,55
DowJones 12.876,31 +1,02
Nasdaq 2.488,49 +1,76
STOXX 50 3.791,14 -0,57
Nikkei 225 13.953,73 +1,53
S&P 500 Zert. 13,97 +0,65
Euro/Dollar 1,55 -0,41
Bund Future 114,90 -0,01
Gold 879,45 -0,66
Öl 123,93 +1,20
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