28. Dezember 2004 Chinesische Unternehmen und ihre Anleger gehen nach Ansicht von Vermögensverwaltern wie Jim Rogers und Mark Mobius schweren Zeiten entgegen. Das zeige der größte Handelsskandal seit Barings: China Aviation (Oil) Singapore, größter chinesischer Kerosinimporteur, verlor mit Spekulationen auf Ölderivate 550 Millionen Dollar. Anleger erfuhren erst von den Verlusten, als das Unternehmen nicht mehr zu retten war.
Für Jim Rogers ist das Debakel um die staatliche China Aviation Oil Holding ein Beispiel dafür, was dem Reich der Mitte noch bevor steht. Der Vermögensverwalter, der 1970 gemeinsam mit George Soros den Quantum Hedgefund gründete, sieht im kommenden Jahr einige Schwierigkeiten auf chinesische Unternehmen zukommen. "Ich kann es kaum erwarten", sagt der 62-jährige, der ein Anlagekapital von 500 Millionen Dollar verantwortet. "Im Jahr 2005 wird es eine harte Landung geben und wenn das zutrifft, dann greife ich zu."
China Aviation hat 550-Millionen-Wette verloren
China Aviation (Oil) Singapore wettete im vergangenen Oktober darauf, daß der Ölpreis fallen würde. Damit sorgte der größte chinesische Kerosinimporteur für den zweitgrößten Handelsskandal nach Barings in Singapur. Die Wette ging nicht auf, denn der Ölpreis kletterte statt dessen auf Rekordhöhe. Die Kosten dieser Fehlentscheidung summierten sich schnell auf 550 Millionen Dollar.
Das chinesische Mutterunternehmen China Aviation Oil verkaufte im Oktober schnell Aktien für fast 120 Millionen Dollar an ausländische Investoren, um fällige Nachschußforderungen erfüllen zu können, erklärte Chen Jiulin, Vorstandsvorsitzender des mittlerweile bankrotten Tochterunternehmens, der am achte Dezember in Singapur verhaftet wurde. Er gab zu, daß er vor dem Aktienverkauf von den Verlusten wußte.
Kapitalisten der ersten Stunde
Der Skandal und die begleitenden Schlagzeilen werfen erstmals Licht auf die mangelnde Transparenz bei chinesischen Unternehmen, erklärte die Ratingagentur Standard & Poor's am dritten Dezember. "Die Unternehmen sind komplex strukturiert und ihre Buchhaltung wird nur unzuverlässig geführt. Damit wird eine sachliche und substantielle Analyse in einigen Tochterunternehmen sehr schwierig."
Anlageprofi Rogers beobachtet das chinesische Wirtschaftswunder seit 1988. Drei Mal ist er seitdem vor Ort mit Motorrad und Auto im Reich der Mitte unterwegs gewesen. "Ich erwarte weitere Probleme auf dem chinesischen Markt", sagt Rogers, "es wird mehr Skandale und mehr Insolvenzen geben, viel mehr. Die Chinesen sind Kapitalisten der ersten Stunde. Doch es ist nicht so einfach wie es aussieht." Er investiert erst einmal nicht mehr in China - aufgrund der "gewaltigen Spekulationen" die Immobilienpreise, Baukosten und Rohstoffpreise nach oben getrieben haben.
Amerikanische Anleger haben in diesem Jahr kräftig Geld nach China gepumpt. Mit insgesamt 2,9 Milliarden Dollar ist vier mal so viel Anlagekapital nach China geflossen wie vor fünf Jahren, berichtet die Marktforschungsgesellschaft Lipper. Der Hang Seng China Enterprises Index der Börse Hongkong, der 38 staatlich kontrollierte chinesische Unternehmen abbildet, stieg seit Anfang 2003 150 Prozent bei reinvestierter Dividende. Für dieses Jahr kommt der Index auf minus 2,3 Prozent. Hongkongs Börsenbarometer, der Hang Seng Index, legte 2004 dagegen 16,9 Prozent zu.
Mißtrauisch sein
Das Fiasko um China Aviation sollte den Chinesen wie auch den Anlegern eine Warnung sein, mahnt Mark Mobius, der für Templeton Asset Management in Singapur 13 Milliarden Dollar verwaltet. "Ich denke, daß die Leuten jetzt mißtrauischer sein werden und ihnen die Fallstricke und Probleme, die in China auftauchen können, jetzt klarer sind", erklärte Mobius in einem Interview mit Bloomberg News am 14. Dezember. Wie schon der Skandal um Enron werde auch der Skandal um China Aviation für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen, hofft Mobius.
Bei allen Risiken und kurzfristigen Problemen, ist Rogers langfristig "bullish" was Investments in China angeht. "China gehört das 21. Jahrhundert," ist Rogers überzeugt. Für seine 18 Monate alte Tochter hat er in New York eine Kinderfrau eingestellt, die Mandarin spricht. "Sie wird Chinesisch können müssen."
Text: Bloomberg
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,41 | +8,35 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,25 | +6,28 |
| DEUTSCHE LUFTHANSA A | +0,80 | +5,55 |
| E.ON AG INHABER - AK | -3,91 | -3,25 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -0,61 | -1,84 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -1,36 | -1,77 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.382,65 | +1,78 |
| TecDax | 723,60 | +0,01 |
| DowJones | 11.496,57 | +0,44 |
| Nasdaq | 2.282,78 | -1,28 |
| STOXX 50 | 3.321,53 | +2,01 |
| Nikkei 225 | 12.803,70 | -0,65 |
| S&P 500 Zert. | 12,44 | +0,40 |
| Euro/Dollar | 1,58 | +0,00 |
| Bund Future | 110,68 | -0,86 |
| Gold | 954,30 | -0,25 |
| Öl | 131,20 | -3,78 |
