Das Wahljahr 2008

Welche Aktien profitieren vom Kampf um die Präsidentschaft in Amerika?

Von Beth Piskora

02. Januar 2008 Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen sind sicherlich eines der Top-Ereignisse in diesem Jahr. Gelingt den Demokraten die Rückkehr ins Präsidentenamt oder werden die Republikaner weiterregieren? Kommt es womöglich zu einem Überraschungssieg eines dritten Kandidaten?

Unabhängig vom Wahlausgang ist das Standard & Poor's Equity Research davon überzeugt, dass alle Präsidentschaftskandidaten 2008 die Märkte bewegen werden. Seit 1945 konnte der marktbreite Aktienindex S&P-500 in Wahljahren in 80 Prozent der Fälle zulegen und einen durchschnittlichen Zuwachs von 8,6 Prozent erzielen.

Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse, doch auch 2008 erwarten wir, dass der S&P-500-Index steigt. Unser Ziel lautet 1.650 Punkte, was einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber unserem Jahresendwert 2007 (1.560 Zähler) entsprechen würde. Nach Einschätzung des S&P-Investmentstrategen Sam Stovall wird der Präsidentschaftswahlkampf von drei Hauptthemen geprägt sein: Irak/Verteidigungsausgaben, Gesundheitswesen und Energie.

Demokraten wollen die Verteidigungsausgaben senken

Für Rüstungsunternehmen ist die Wahl insbesondere dann entscheiden, wenn die Demokraten neben ihrer bisherigen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses auch den Präsidenten stellen. Infolge der nach einem Sieg der Demokraten prognostizierten Verringerung der Verteidigungsausgaben würden wir unseren derzeit positiven Ausblick für den Rüstungssektor höchstwahrscheinlich auf neutral senken.

Wir gehen zudem davon aus, dass beide Parteien Projekte in den Bereichen Bau und Anlagen-/Maschinenbau unterstützen werden, wenngleich beide Parteien hierbei unterschiedliche Akzente setzen dürften. Nach unserer Einschätzung würden sich die Demokraten stärker auf Umweltprojekte konzentrieren, während die Republikaner eher an einer Ausweitung der Etats für Verteidigung und Heimatschutz interessiert sein dürften, wovon nicht nur Rüstungsunternehmen, sondern auch die in diesen Bereichen tätigen Bauunternehmen und Anlagen-/Maschinenbauer profitieren würden.

Viele Brücken müssen in Amerika modernisiert werden

Vor dem Hintergrund der Gewährleistung von Sicherheit (nach dem Brückeneinsturz in Minneapolis) werden in den Ankündigungen beider Parteien natürlich auch Ausgaben zur Instandhaltung der nationalen Infrastruktur nicht fehlen. Enormes Potential sehen wir in der Modernisierung von Brücken (von der Unternehmen wie Lincoln Electric, Illinois Tool Works und Kennametal profitieren könnten), von Straßen (mit möglichen positiven Auswirkungen auf Astec Industries, Terex und Bucyrus International), in dem Ausbau der Energieinfrastruktur (was Emerson Electric und ABB zugute kommen dürfte) sowie in einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit des verarbeitenden Gewerbes (wovon ABB, Emerson, Rockwell Automation und Roper Industries profitieren könnten).

Beim Güterverkehr auf Straßen und Schienen scheinen vor allem die Demokraten an einer stärkeren Regulierung oder Beschränkung des Transportsektors gewillt zu sein, was höhere Kosten für Lkw- und Zugbetreiber nach sich ziehen könnte.

Es gibt zwei Bereiche, in denen die Politik auch unabhängig vom Präsidentschaftswahlkampf aktiv werden könnte: Erhöhung der Mineralölsteuer sowie allgemeine Anhebung der Umsatz- und Körperschaftsteuersätze auf bundesstaatlicher Ebene. Die im Straßen- und Schienengütertransport tätigen Branchen setzen in ihren Verträgen erfolgreich Klauseln zu Treibstoffzuschlägen ein, mit deren Hilfe sie bislang 90 Prozent der gestiegenen Kraftstoffkosten auffangen konnten.

Schienenunternehmen hoffen auf staatliche Hilfe

Es kam unlängst zu intensiven Diskussionen über den Investitionsbedarf von Schienenunternehmen, um mit dem prognostizierten Anstieg des Verkehrsaufkommens in den nächsten zwanzig Jahren Schritt halten zu können. Die Manager von Schienenunternehmen machten jedoch klar, dass sie nicht in Projekte investieren werden, deren Kapitalrendite nicht über die Mindestschwelle hinauskommt. Übersetzt heißt das: Wir erwarten die Unterstützung der Regierung in Form von Steuernachlässen; andernfalls werden Investitionen nur schleppend vorgenommen. Regierungsverantwortliche (Demokraten) drehen sich derweil im Kreis der „Paygo“-Regel, mit der neue Ausgaben erst dann beschlossen werden dürfen, wenn diese durch Kürzungen an anderer Stelle kompensiert werden.

Ein von den Demokraten gestellter Präsident dürfte sich stärker umweltbezogenen Projekten widmen, darunter dem Emissionsschutz, der Wasserinfrastruktur, alternativen Energien und transportbezogenen Vorhaben. Ein im Jahr 2005 verabschiedetes Förderprogramm für Infrastrukturinvestitionen (SAFETEA-LU) läuft 2009 aus, weshalb das Finanzierungsvolumen eines Nachfolgegesetzes über das Ausmaß von Autobahn-, Flughafen- und Brückenprojekten entscheiden wird.

Republikaner setzen auf Verteidigung

Eine republikanische Präsidentschaft dürfte sich dagegen stärker auf Verteidigung konzentrieren, was große Auswirkungen auf Unternehmen haben könnte, die weitgehend von öffentlichen Mitteln abhängige Projekte durchführen, etwa der Anlagen- und Maschinenbauer URS, der zahlreiche Regierungsaufträge ausführt, insbesondere über seine vor wenigen Jahren übernommene Geschäftseinheit EG&G, die sich vollständig auf Regierungsprojekte konzentriert.

Umfassende Krankenversicherung nutzt den Krankenhäusern

Das bislang öffentlichkeitswirksamste Thema im Gesundheitswesen ist die Umsetzung eines umfassenden Krankenversicherungsprogramms zur Abdeckung der nicht versicherten Bevölkerung. Ein solches Programm würde wahrscheinlich direkte Preisverhandlungen zwischen der Regierung und Medikamentenherstellern einschließen - mit negativen Folgen für Pharmaunternehmen.
Die großen Gewinner dieses Programms wären nach unserer Auffassung die Krankenhäuser, die bislang unter einem Anstieg uneinbringlicher Forderungen und unter der Nutzung von Notaufnahmeeinrichtungen durch Personen ohne Krankenversicherung leiden.

Ein weiteres wichtiges Thema im Wahlkampfjahr sind generische Biopharmazeutika. Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten haben sich für die Beseitigung von Beschränkungen bei der Herstellung von Generika und für die Förderung von Biogenerika durch die amerikanische Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) ausgesprochen.

Eine Bedrohung für Biotech-Unternehmen

Nach unserer Ansicht gibt es jedoch mehrere Gründe, weshalb generische Biopharmazeutika auf lange Sicht eine Bedrohung für amerikanische Biotechnologieunternehmen darstellen. Zum einen gestaltet sich die Herstellung dieser Medikamente als äußerst schwierig. Im Unterschied zu den chemischen Ausgangsstoffen traditioneller Pharmazeutika werden Biopharmazeutika aus menschlichen Proteinen erzeugt, weshalb allein die Validierung einer Produktionsanlage Jahre dauern würde. Zum anderen sind wir der Ansicht, dass die FDA in ihrer gegenwärtigen Ausgestaltung nicht über ausreichende Ressourcen oder Risikotoleranz für den Zulassungsprozess generischer Biopharmazeutika verfügt.

Im Medizintechniksektor können wir auf Grundlage der von den Präsidentschaftskandidaten eingebrachten Vorschläge im Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen keine spezifischen Bedrohungen erkennen. Es ist jedoch anzumerken, dass die Branche bereits mit den Folgen zahlreicher spektakulärer Produktrückrufe sowie mit einem strengeren FDA-Zulassungsprozess, einer zunehmenden Überwachung von Arzt- und Patientenmitteilungen, gestiegenen Anforderungen an die nach Zulassung vorzunehmenden Sicherheitsstudien sowie mit Veränderungen bei Rückerstattungen bestimmter wichtiger Gerätekategorien im Rahmen der staatlichen Gesundheitsfürsorge Medicare zu kämpfen hat. Wir sind der Ansicht, dass sich ein umfassendes Krankenversicherungsprogramm positiv auf diese Branchengruppe auswirken würde, nicht zuletzt deshalb, weil es finanzielle Vorteile für die Krankenhäuser als Käufer medizintechnischer Produkte nach sich ziehen würde.

Amerika plant neue Energiegesetze

Nach unserer Einschätzung dürfte die Verabschiedung bestimmter Energiegesetze mit einer von den Demokraten geführten Regierung einfacher werden, als es bei den Republikanern mit ihrer Begünstigung großer Ölkonzerne der Fall war. Ironischerweise könnten wir ein neues Interesse an der Erschließung inländischer Öllagerstätten sehen, was die Nachfrage nach Bohranlagen erhöhen könnte. Diese Vorgehensweise unterstützt zudem den von beiden Parteien geäußerten Willen, die Abhängigkeit von ausländischem Erdöl und Erdgas zu verringern.

Die Demokraten würden wahrscheinlich mit finanziellen Anreizen sowie mit verstärkter Forschung und Entwicklung die intensivere Nutzung von Äthanol, Biodiesel und sparsameren Fahrzeugen fördern. Ein vorgeschlagenes Gesetz über alternative Energien sieht die Verdoppelung des aus Mais gewonnenen Äthanols von 7,5 Milliarden auf 15 Milliarden Gallonen pro Jahr vor. Angesichts der sich hieraus ergebenden Konsequenzen für die Maispreise halten wir die Akzeptanz dieses Vorschlag allerdings für alles andere als sicher. Derselbe Gesetzesvorschlag sieht zudem ein Jahresvolumen von 20 Milliarden Gallonen Zellulose-Äthanol vor; für die Herstellung dieser nicht aus Mais gewonnenen Biokraftstoff-Variante mangelt es bislang allerdings an praktikablen Technologien.

Demokraten wollen mehr Klimaschutz

Die Demokraten streben ein Klimaschutzgesetz an, uneins ist sich die Parteikonferenz jedoch noch über die Nutzung der Kernkraft. Ein Punkt, in dem die Demokraten den großen Mineralölkonzernen einheizen könnte, ist das Preisniveau. Es ist vorstellbar, dass der Gesetzgeber entsprechende Anhörungen der Ölkonzerne abhalten könnte, insbesondere dann, wenn nach der Wahl im November ein kalter Winter ins Haus steht.
Last but not least ist es äußerst wahrscheinlich, dass Energieunternehmen unabhängig vom Wahlausgang mit höheren Konzessionsgebühren oder Steuern rechnen müssen.

Werbeagenturen sind die Gewinner des Präsidentschaftswahlkampfes

Ganz gleich, welche Partei den Kampf um das Weiße Haus letztlich für sich entscheidet: Werbeagenturen werden zu den großen Gewinnern zählen. Der Branchenverband Television Bureau of Advertising prognostiziert für 2008 einen Anstieg der TV-Werbeausgaben zwischen neun und zehn Prozent.

Die Autorin arbeitet für Standard & Poor's



Text: www.businessweek.com
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 6.422,30 +0,03
TecDax 827,16 +0,24
DowJones 11.612,67 -0,88
Nasdaq 2.374,15 -1,55
STOXX 50 3.365,63 +0,18
Nikkei 225 13.072,87 +2,39
S&P 500 Zert. 12,95 +1,17
Euro/Dollar 1,47 -0,30
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Gold 830,15 -0,35
Öl 114,45 -1,55
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