Neuer Markt

United Internet kein Kauf

Das Internet - ein Spielfeld mit Tücken

Das Internet - ein Spielfeld mit Tücken

13. November 2001 Nicht wenige wenden sich gleich mit Grauen ab, wenn sie "Internet-Beteiligungsgesellschaft" hören. “Nennenswerte und nachhaltige Erträge“ im kommenden Jahr hören sich aber doch recht interessant an. Und United Internet, das diese Erträge erzielen will, hat schon erhebliche Prügel für seine faulen Beteiligungen bezogen, bedenkt man, dass die Aktie zum Höhepunkt der Hausse fast 50 Euro erreichte.

Am Dienstagmittag notiert sie bei 4,18 Euro, um 0,7 Prozent besser, während sie zeitweise bereits mit neun Prozent im Plus lag. Es sind weniger die Quartalszahlen, die die Börse erfreuen: Der Umsatz fiel mit 51 Millionen Euro unter den Analystenerwartungen aus, das Ebitda lag mit 4,7 Millionen Euro darüber. Allerdings verbleibt nach einmaligen Sonderabschreibungen ein Vorsteuerverlust (Ebt) von 25,8 Millionen Euro, weil United Internet alle defizitärem Minderheitsbeteiligungen außer der börsennotierten jobpilot auf Null abgeschrieben hat.

Strategischer Partner für Sorgenkind AdLink

Was die Börse freut, ist die Vereinbarung mit der amerikanischen DoubleClick, die mit der 77-prozentigen Tochter AdLink eine strategische Partnerschaft eingeht. AdLink soll das europäische Media-Geschäft von DoubleClick für 30,5 Millionen Euro übernehmen. Gleichzeitig haben United Internet und Double Click eine Verkaufs-Option von 15 Prozent der AdLink-Anteile im Wert von 35,5 Millionen Euro vereinbart.

"Im Prinzip sehe ich diesen Schritt positiv", meint auch Rainer Raschdorf, Analyst bei der DZ Bank. "Damit verdoppelt sich AdLink und verliert einen Wettbewerber - doch so lange die geschäftliche Misere anhält, so lange ist eben auch das Problem verdoppelt", fügt Raschdorf hinzu. Auch in den Zahlen sieht er keinen Anlass, von seiner Empfehlung "Reduzieren" abzurücken.

Gerade von der wiederholten Ankündigung der Gesellschaft, im vierten Quartal ein "wesentlich besseres" Vorsteuerergebnis zu erzielen, sollten sich Investoren nicht zu einer falschen Einschätzung verleiten lassen: "Das vierte ist immer das stärkste Quartal in diesem Geschäft, das heißt also nicht, dass dieses Niveau auch im kommenden Jahr gehalten werden kann", erläutert Raschdorf.

Ergebnisprognose wird verfehlt

Die meisten Analysten rechnen aber tatsächlich damit, dass United Internet im Jahr 2002 die Gewinnzone erreichen kann: Der Durchschnittsgewinn pro Aktie für 2002, den Bloomberg aus zwölf Schätzungen ermittelt hat, beträgt 0,024 Euro. Dem entspricht ein (von dieser Basis aus allerdings wenig aussagekräftiges) Kurs-Gewinn-Verhältnis von 174,6.

Unterdessen hat ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage eingeräumt, dass United Internet seine Prognose für den Vorsteuerverlust (Ebt) im laufenden Jahr nicht halten kann. Im August hatte das Unternehmen einen Vorsteuerverlust von 20 Millionen Euro angekündigt.

Fazit: Die teilweise Trennung von Sorgenkind AdLink und die Hoffnung auf den Break-Even könnte der Aktie auf dem derzeitigen Niveau und im derzeitigen Marktumfeld durchaus noch Kursgewinne bescheren. Ob United Internet 2002 aber wie versprochen "auf Ebt-Basis höchstprofitabel sein" kann, ist mit großen Unsicherheiten behaftet, wie die verfehlte Prognose für das laufende Jahr illustriert.


Einjahreschart der United Internet-Aktie.



Text: @la
Bildmaterial: STOCK4B

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