31. Mai 2006 Die Börsen weltweit konsolidieren - sogar in Österreich. Um 18 Prozent ist der ATX im Tief vergangene Woche eingebrochen, hat sich leicht erholt und gab am Dienstag dem Dax ähnlich wieder über zwei Prozent nach. Insofern kann kaum überraschen, daß die Aktie des Versicherers Uniqa im Gleichschritt mit dem Index ebenso einbrach.
Tatsächlich gab das Papier sogar noch stärker nach und verlor im Tief mehr als 22 Prozent. Großartig überraschen kann das nicht, denn der Kurs stand auf einem Allzeithoch und hatte allein in den vergangenen sieben Monaten 90 und seit der FAZ.NET-Empfehlung im Dezember (Uniqa-Aktie könnte auf Allzeithoch weiter zulegen) noch 40 Prozent zugelegt.
Rekordjahr 2005
Das war kaum verwunderlich, denn die Assekuranz kann auf ein Rekordjahr zurückblicken, in dem das Unternehmen alle Ergebnisprognosen übertraf. Die Prämieneinnahmen stiegen um gut ein Viertel auf 4,73 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern um fast 60 Prozent auf mehr als 190 Millionen und der Jahresüberschuß um 31 Prozent auf 133,3 Millionen.
Die Sparte Lebensversicherung und die osteuropäische Region waren die Haupttreiber des Wachstums. Während das Wachstum bei den verrechneten Prämien in Österreich 2005 bei zehn Prozent lag, kletterte das Volumen im Ausland gleich um 92 Prozent , und zwar ohne die jüngst vorgenommenen Akquisitionen in Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Ukraine.
Indes warnte Uniqa-Chef Konstantin Klein, daß obwohl im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz der österreichische Versicherungsmarkt nach wie vor gute Wachstumsraten aufweise, sich der Wettbewerb verschärft habe.
Osteuropa auch im ersten Quartal ein Wachstumsbringer
So konnte der Versicherer im ersten Quartal auch nicht an die Erfolge des vergangenen Jahres anschließen. Uniqa erzielte nach am Mittwoch vorgelegten Zahlen im ersten Quartal 2006 durchaus ein ansehnliches Wachstum der vollkonsolidierten abgegrenzten Prämien von zehn Prozent auf 1,196 Milliarden Euro. Hauptwachstumsbringer war wieder das Auslandsgeschäft. Dort stiegen die Prämien um 33,8 Prozent auf 382,9 Millionen Euro, während das Volumen in Österreich nur ein mageres Plus von 1,5 Prozent aufwies.
Das Ergebnis nach Steuern liegt mit 37,8 Millionen Euro um 21,9 Prozent über dem Wert der Vorjahresperiode, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) 8,1 Prozent höher bei 45,0 Millionen Euro. Auch hier trug Osteuropa überdurchschnittlich viel bei. Das EGT in der Region wuchs um 24 Prozent auf 14,7 Millionen Euro.
Eine Combined Ratio, also eine Angabe zum Verhältnis von Aufwand für Schäden und Verwaltung in Relation zu den Beitragseinnahmen, hat der Konzern heute wie üblich nicht veröffentlicht, was weiter bedauerlich ist.
Strenger Winter erhöht Schaden- und Leistungsaufwand
Indes weisen die Zahlen tendenziell auf eine Verschlechterung hin. So stieg der gesamte Schaden- und Leistungsaufwand im Zuge der Erweiterung des Konsolidierungskreises und infolge des strengen Winters um 10,2 Prozent auf 1,064 Milliarden Euro. Auch die gesamten Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb legten stärker als das Prämienaufkommen zu, und zwar um 12,1 Prozent auf 256,2 Millionen Euro. Die Kostenquote liege mit 21,4 Prozent nur gering über dem Wert von 21,0 Prozent in der Vorjahresperiode, heißt es, aber immerhin ist sie gestiegen.
Da nützt es dann auch nicht so viel, daß die Nettoerträge aus den Kapitalanlagen im Berichtszeitraum um 32 Prozent auf 274,4 Millionen Euro zulegten. Denn ein Gutteil der Gewinne dürfte sich im Zuge der Konsolidierung mittlerweile wieder in Luft aufgelöst haben.
Mit Ertragssteigerungsprogramme will Uniqa im laufenden Geschäftsjahr dennoch ein um rund 20 Prozent höheres Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von rund 228 Millionen Euro erzielen.
Trotz der jüngsten Korrektur ist die Uniqa-Aktie mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für das laufende Jahr immer noch recht großzügig bewertet. Auch für 2007 ist das KGV mit 19 nicht unbedingt niedrig.
Charttechnische Situation deutet eher auf weitere Konsolidierung
Auch wenn der langfristige Aufwärtstrend noch nicht durchbrochen wurde, ist die charttechnische Situation naturgemäß momentan nicht sehr günstig. Bei der Erholung zu Wochenbeginn scheiterte das Papier am Widerstand des Doppeltiefs vom März/April bei 26 Euro. Auch bei 28 Euro liegt noch ein kleinerer Widerstand und danach muß noch das Maihoch übertroffen werden.
Es gibt also noch eine Menge Hürden und die Quartalsergebnisse geben nur bedingt Anlaß zu Optimismus. Von daher dürfte die Aktie eher mit dem Markt mitlaufen und das ist momentan nicht die beste Empfehlung. Schlimmstenfalls könnte sie weiter konsolidieren und den steilen Kursanstieg der Jahreswende egalisieren.
Damit fände sich der Kurs im Bereich von 15 Euro wieder. Dann wäre auch die Bewertung mit geschätzten KGVs von 13 für das laufende und 11 für das kommende Jahr auch durchs wieder vernünftig. Insofern käme dies einer langfristig stabilen Aufwärtsentwicklung des Kurses durchaus entgegen.
Unabhängig von einer unzweifelhaft soliden Ertragsentwicklung und unbenommen dem Umstand, daß eine ungünstige Entwicklung des Aufwands durchaus saisonalen Faktoren geschuldet sein kann, scheinen Kurs und Erwartungen der Realität zuletzt davon gelaufen zu sein. Und realisierte Gewinne sind auch die schlechtesten nicht.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,67 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 888,80 | +3,14 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |