Bau

Fertighausaktien fast unberührt vom Nachfrageschub

09. September 2003 Die Baugenehmigungen im Wohnungsbau stiegen im ersten Halbjahr um 16 Prozent. Hinter dieser für die noch immer am Boden liegende Baubranche gibt es eine einfache Erklärung. Der drohende Wegfall der Eigenheimzulage hat potenzielle Häuslebauer mobilisiert, sich schon einmal vorsorglich den staatlichen Geldsegen zu drücken.

Den an der deutschen Börse gelisteten Fertighausaktien hat dies bisher aber wenig geholfen. Deren Kurse haben sich zwar ebenfalls etwas erholt, notieren per saldo aber noch immer tief im Keller. Und auch die moderaten Aufschläge sind nicht auf den Anstieg der Baugenehmigungen zurückzuführen, sondern auf die in den vergangenen Jahren wegen der schlechten Rahmenbedingungen durchgezogen Restrukturierungen.

Restrukturierungen weitgehend abgeschlossen

Obwohl Anbieter wie Kampa-Haus oder Bien-Zenker inzwischen dank schlanker Strukturen auch in einem flauen Umfeld profitabel arbeiten können, stoßen sie an der Börse kaum auf Interesse. Verantwortlich dafür sind neben dem allgemein schlechten Image der mauen Baubranche auch die endlosen Diskussionen um die Eigenheimzulage.

Denn obwohl der Verband der Fertighausbauer in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von sieben Prozent rechnet, glauben Skeptiker nicht an einen nachhaltigen Nachfrageaufschwung. Sollte die Eigenheimzulage tatsächlich gestrichen werden, dürfte der jetzt zu spürende Rückenwind schnell wieder abflauen, so der Einwand.

Aktien günstig bewertet

Zum Börsenkurs

Daß es sich beim Fertighausbau um kein Wachstumssegment mehr handelt, mag sicherlich stimmen. Das ändert aber nichts daran, daß die Anbieter ihre Hausaufgaben gemacht haben und an der Börse fast für einen Apfel und ein Ei zu bekommen sind. Deutlich wird das beim Blick auf die Marktkapitalisierungen.

So steht bei dem nach Massa auf dem deutschen Markt mit einem Marktanteil von 13,5 Prozent zweitgrößten Anbieter Kampa einer Marktkapitalisierung von 47,5 Millionen Euro eine für 2003 angestrebte Bauleistung von 160 Millionen Euro gegenüber. Und bei der mehrheitlich zur österreichischen Elk-Fertighaus-Gruppe gehörenden Bien-Haus kontrastiert der für 2003 erwartete Umsatz von 160 Millionen Euro sogar nur mit einer Marktkapitalisierung von 21,4 Millionen Euro.

Bei diesen Relationen überrascht es nicht, daß sich der Vorstand von Kampa-Haus über den aus seiner Sicht zu niedrigen Börsenwert beschwert. mit Verweis auf den unter dem bilanziellen Eigenkapital liegenden Börsenwert über eine aus seiner Sicht zu tiefe Bewertung beklagt. Aufgrund der deutlich sichtbaren Ergebnisverbesserungen zum Vorjahr, der guten Kapitalstruktur und Finanzlage und den weiteren zu erwartenden Ergebnisverbesserungen verfügt die Aktie aus dem Blickwinkel der Verantwortlichen über ein erhebliches Steigerungspotenzial.

Branche muss erst noch von den Anlegern entdeckt werden

Ob sich dieses Potenzial aber auch schon kurzfristig läßt, bleibt abzuwarten. Derzeit zählen die Branchenvertreter jedenfalls wegen dem schwierigen Branchenumfeld nicht zu den Lieblingen an der Börse. Und wann dieser Zustand endet, läßt sich bekanntlich nicht vorbestimmen. Sollten die Titel entdeckt werden, wären fundamental betrachtet deutlich höhere aus fundamentalen Bewertungsgesichtspunkten sicherlich gerechtfertigt. Aber es kann natürlich genauso gut sein, daß die Anleger die Titel weiterhin links liegen lassen.

Wer trotzdem schon jetzt einsteigen will, kann aber zumindest sicher sein, daß er nicht in einen überhitzten und überteuerten Sektoren investiert. Das Abwärtspotenzial scheint begrenzt und das Warten wird zudem im Falle von Bien-Zenker mit einer Dividendenrendite von sechs Prozent versüßt. Und auch bei der früher sehr renditeträchtigen Kampa wird irgend wann bestimmt wieder die im Jahr 2000 ausgesetzte Dividendenzahlung wieder aufgenommen werden.


Der Chart zeigt in dieser Reihenfolgev die Kursentwicklung der Aktien von Kampa-Haus und von Bien-Haus.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



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