17. August 2007 Mit deutlichen Kursgewinnen reagieren die internationalen Börsen auf eine überraschende Diskontsatzsenkung in den Vereinigten Staaten. Diese Entwicklung dürfte jedoch eher auf einen so genannten Short-Squeeze zurückzuführen sein, als auf die von noch so vielen positiv bewerteten Konjunkturdaten.
Offensichtlich hatte es die Zentralbank bei ihrer Aktion sogar darauf angelegt, die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß zu erwischen und sie dazu zu zwingen, Aktien zurück zu kaufen, die sie zuvor in Wette auf weiter fallende Kurse ausgeliehen und am Markt verkauft hatten. Damit zumindest hatten sie kurzfristig Erfolg. Denn der die Börsianer weltweit reagierten positiv auf die Entscheidung und katapultierten die Kurse am Freitag nach oben.
Nun also doch: Die Subprime-Krise schlägt durch
Allerdings ist der Handel sehr volatil Es wird sich erst noch zeigen müssen, wie nachhaltig die Entwicklung sein wird. Denn solche Aktionen dürften das Vertrauen kritischer Marktteilnehmer in die Politik der Zentralbank genau so wenig steigern wie das Eingeständnis, die so genannte Subprime-Krise könnte die konjunkturelle Entwicklung in den Vereinigten Staaten doch beeinträchtigen.
Bisher hatten das weder die Zentralbanker noch die Börsenbullen wahrhaben wollen. Sie gingen sowohl von robustem Wirtschaftswachstum als auch von inflationären Gefahren aus. Nach Einschätzung von Bernanke und seinen Kollegen haben die Verwerfungen an den Börsen und Kapitalmärkten inzwischen die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen so sehr beeinträchtigt, dass sich die Gefahren für den Konjunkturaufschwung in Amerika deutlich erhöht haben, heißt es nun plötzlich. Welche Überraschung!
Fakt ist jedoch, dass sich die amerikanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren immer mehr von einer Produktions- zu einer Dienstleistungsgesellschaft wandelte. Daten zeigen, dass zuletzt gerade noch zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes vom produzierenden Sektor kamen. Das restliche Wachstum kam vom Dienstleistungsbereich, als da wären Finanzdienste, Militär, Sicherheitsapparat und vor allem auch der Hege und Pflege des scheinbar so robusten amerikanischen Konsumenten.
Die FED war offensichtlich am Freitag auf einen Short-Squeeze aus
Dieser nutzte in den vergangenen Jahren scheinbar so vorteilhaften Finanzierungsbedingungen für den bedingungslosen Konsum und bis zuletzt auch für den Kauf von Häusern. Dabei konnten sie sich diese vielfach gar nicht leisten, erklären Marktteilnehmer wie Fondsmanager Axel Merk, von Merk Investments in Kalifornien. Der Merk Hard Currency Fund, ein Anlagevehikel, das konsequent auf kurzfristige und sichere Zinspapiere setzt, verbuchte nach seinen Angaben in den vergangenen Monaten massive Mittelzuflüsse. Sie kamen von Anlegern, die sich im Rahmen der gegenwärtigen Kreditkrise auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten befinden.
Er verweist auf die jüngsten Äußerungen von Wal-Mart und anderen Unternehmen die zeigten, dass der amerikanische Konsument inzwischen finanziell mit dem Rücken zur Wand stehe und künftig zurückstecken müsse. Da jedoch in der Vergangenheit ein großer Teil der amerikanischen und indirekt auch der globalen Konjunktur vom amerikanischen Konsum abhing, sei das Überspringen der gegenwärtigen Kreditkrise auf die Realwirtschaft unvermeidlich. Das strukturelle Problem lasse sich mit kurzfristigen Geldspitzen nicht beheben. Die FED war offensichtlich am Freitag auf einen Short-Squeeze aus, erklärte er weiter.
Insgesamt würde er sich als Anleger gegenwärtig defensiv positionieren. Denn die Volatilität werde noch eine Weile andauern. In diesem Sinne mögen die kurzfristigen Kursgewinne kurzsichtige Börsenhändler befriedigen. Längerfristig orientierte Anleger dagegen dürften skeptisch bleiben. Denn mit Geldspritzen lassen sich Strukturprobleme nicht beheben. Und das Kernproblem ist die Erschöpfung des amerikanischen Konsumenten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AP
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,86 € | +3,63% |
| Volkswagen | 75,10 € | +1,58% |
| Dt. Telekom | 10,42 € | +1,26% |
| MAN | 55,06 € | +1,18% |
| Allianz | 87,29 € | +1,17% |
| Fresenius Vz | 48,33 € | −1,15% |
| Henkel Vz | 36,49 € | −1,16% |
| Commerzbank | 5,90 € | −1,17% |
| Dt. Bank | 50,10 € | −1,36% |
| K+S | 40,83 € | −1,76% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.945,69 | +0,26% |
| TecDAX | 810,97 | −0,84% |
| MDAX | 7.484,31 | +0,40% |
| SDAX | 3.561,79 | +0,40% |
| REX | 377,94 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.945,71 | +0,67% |
| Dow Jones | 10.464,90 | +0,49% |
| Nasdaq 100 | 1.839,51 | +0,59% |
| S&P500 | 1.118,02 | +0,36% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4267 | +0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 73,53 $ | +0,11% |
| Gold | 1.084,00 $ | −1,94% |
| Bund Future | 122,36 € | −0,44% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 17:35 |
308,96 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 17:35 |
145,16 | 141,26 | 130,27 |
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