23. September 2008 Eines großen Handelsvolumens erfreut sich die Aktie des taiwanesischen Handy-Bauers High Tech Computer (HTC) in Deutschland nicht. So wurde die Aktie am Dienstag gar nicht gehandelt. Nichtsdestoweniger verzeichnete der Kurs ein Plus im zweistelligen Prozentbereich als Reflex auf den Anstieg an der Londoner Börse, obgleich auch dort die gehandelte Stückzahl nicht eben üppig war.
Das könnte sich aber ändern. Denn Auslöser der Kursgewinne war die Meldung, das die Telekom-Tochter T-Mobile am Dienstag in New York das erste Handy mit dem von Google initiierten Betriebssystem Android präsentiert, das zunächst im Oktober in den Vereinigten Staaten auf den Markt kommen soll. In Deutschland sowie mehreren europäischen Ländern ist der Verkaufstart für das erste Quartal 2009 geplant.
Attacke auf die Platzhirsche
Gebaut wird das G1 genannte Gerät von HTC, lange Jahre ein wenig bekannter Auftragshersteller für große Mobilfunk-Anbieter. Für Schlagzeilen hatte das Unternehmen schon im Mai mit seinem HTC Touch Diamond gesorgt, das mit seinem berührungsempfindlichem Display als ein Herausforderer von Apples Kulthandy iPhone gehandelt wurde.
Auch das G1 konkurriert mit dem iPhone, stellt es mit Android doch die mobile Internet- Nutzung in den Mittelpunkt. Es hat einen verschiebbaren berührungsempfindlichen Bildschirm, unter dem eine volle Tastatur steckt, sowie GPS-Navigation. Der Preis von 179 Dollar ist eine klare Kampfansage an die Konkurrenz. Für 35 Dollar im Monat bekommen amerikanischen Kunden eine Flatrate für Internet-Nutzung und SMS.
In einem direkten Angriff auf das Geschäft von Apple wird der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com seinen Musik- Downloaddienst auch auf dem G1-Handy anbieten. Der Markt für Smartphones ist zwar umkämpft und litt zuletzt unter der schwächelnden Konjunktur, doch wird ihm hohes Wachstumspotential bescheinigt.
Wenig bekannter Handy-Bauer mit hohen Wachstumsraten
HTC, die fast zwei Drittel aller Handys mit Microsofts Betriebssystem Windows Mobile herstellen, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund vier Milliarden Dollar. Die meisten Geräte werden unter den Marken der verschiedenen Partner und Provider vermarktet.
Der Umsatz des Unternehmens ist in den vergangene Jahren kräftig gestiegen, wenngleich 2007 der Umsatzzuwachs mit rund 14 Milliarden Taiwan-Dollar weniger als halb so hoch war wie in den Jahren davor. Auch der Gewinn je Aktie stieg lediglich um 4,60 Taiwan-Dollar und damit am schwächsten seit 2004.
Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um rund ein Drittel auf 67,3 Milliarden Taiwan-Dollar, den Nettogewinn unterproportional um 17,75 Prozent auf 13,56 Milliarden.
Skeptische Marktforscher
Analysten räumen dem G1 indes nur einen Bruchteil der Marktchancen des iPhone ein. Das Gerät dürfte sich in den ersten drei Monaten weniger als 500.000 Mal verkaufen, schätzen Marktforscher von Forrester Research. Das iPhone ging im Juni 2007 allein an den ersten drei Tagen mehr als eine Million Mal über den Ladentisch.
Ich bezweifle, dass irgendjemand das gleiche Tamtam veranstalten kann wie Apple, sagte Shiv Bakhshi, der beim Marktforschungs-Unternehmen IDC in Bellevue, Washington, für Mobilgeräte zuständig ist. Dieser Kult und seine Anhänger dürften dem Google-Telefon fehlen.
Die IDC-Experten rechnen zwar damit, dass der Absatz von Smartphones im laufenden Jahr in den Vereinigten Staaten um 80 Prozent auf 36 Millionen Stück steigen wird. Allerdings deckten Apple und der zweite Platzhirsch, Research in Motion mit seinem Blackberry fast zwei Drittel des Marktes ab.
Akzeptable Bewertung, stabiler Kurs
Für Google sind die neuen Telefone eine neue Möglichkeit, Werbung zu plazieren. Der Umsatz aus Anzeigen auf Internet-Suchen über Telefone dürfte sich in den Vereinigten Staaten kommendes Jahr auf 181,1 Millionen Dollar verdoppeln, schätzt das New Yorker Research-Unternehmen E-Marketer. Bis 2010 veranschlagt E-Marketer den weltweiten Markt auf 3,8 Milliarden Dollar.
Ob angesichts dessen der Kursanstieg der HTC-Aktie nicht überzogen ist, ist eine berechtigte Frage. Auf Basis der Analystenprognosen ist sie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14,35 für das laufende und 12,7 für das kommende Jahr recht akzeptabel bewertet. In Taipeh stieg der Kurs auch lediglich um vier Prozent auf 573 Taiwan-Dollar.
Charttechnisch fehlen eindeutige Signale, der Kurs der Aktie hält sich indes gut und ist aus seinem seit Herbst 2007 anhaltenden Aufwärtstrend bisher nicht herausgefallen. Sollte das G1 die Erwartungen übertreffen, so wäre ein Kursanstieg über das im Mai erreichte Kurshoch bei 682,31 Taiwan-Dollar wahrscheinlich. Dann auch könnte etwas Schwung in den Handel an den ausländischen Börsen kommen. Wenn das G1 aber nur ein Smartphone unter vielen bleibt, dürfte das auch künftig für die HTC.Aktie gelten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,58 € | +4,07% |
| SAP | 32,21 € | +2,06% |
| Dt. Boerse | 55,89 € | +1,66% |
| Merck | 64,82 € | +1,22% |
| FMC | 37,71 € | +1,21% |
| Allianz | 84,00 € | −1,73% |
| Linde | 83,93 € | −1,79% |
| Dt. Bank | 49,90 € | −2,16% |
| Commerzbank | 5,91 € | −2,80% |
| Volkswagen | 76,25 € | −4,69% |
US-Anleihen im späten Handel mit Gewinnmitnahmen schwächer
22:55Wall Street schließt gut behauptet - Technologiewerte gesucht
22:17EUREX/Renten-Futures schließen kaum verändert
22:12EUREX/DAX-Futures schließen etwas fester
22:06XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.862 (XETRA-Schluss: 5.831) Pkt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.831,21 | −0,23% |
| TecDAX | 815,34 | −0,05% |
| MDAX | 7.393,75 | −0,14% |
| SDAX | 3.555,37 | +0,22% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.871,22 | −0,71% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.142,00 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,4336 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,43 € | −0,01% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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