25. April 2007 Es war ein ereignisreicher Tag für Siemens-Aktionäre, an dem einem warmen Regen zum Ende die kalte Dusche folgte. Hatte der Kurs den ganzen Tag noch von guten Quartalsergebnissen profitiert, so drückte ihn kurz vor Toresschluss die Meldung, dass Siemens-Vorstandschef Kleinfeld nach Ablauf seines Vertrages am 30. September nicht mehr zur Verfügung stehe, den Kurs deutlich ins Minus.
Der Gewinn des Unternehmens kletterte im abgelaufenen Quartal um gut ein Drittel auf 1,26 Milliarden Euro, wie Siemens am Dienstagabend überraschend mitteilte. Die vorzeitige Veröffentlichung der Zahlen, die die Analystenschätzungen übertrafen, galt als Schachzug in Kleinfelds Ringen um eine Verlängerung seines Vertrags in der Aufsichtsratssitzung am Mittwochnachmittag. Im Nachhinein kann es auch als Abfedern der negativen Auswirkungen der faktischen Absetzung Kleinfelds gelten.
Sehr, sehr hübsche Zahlen
Der operative Gewinn, den Siemens als Ergebnis der Bereiche bezeichnet, legte den Angaben zufolge fast um die Hälfte auf knapp zwei Milliarden Euro zu. Der Umsatz stieg um ein Zehntel auf 20,6 Milliarden Euro. In den Zahlen ist die Telekommunikationssparte Com nicht mehr enthalten, da Siemens das Geschäft mit Telefonnetzwerken seit Anfang April gemeinsam mit Nokia betreibt. Das Gemeinschaftsunternehmen fließt in die Bilanz des finnischen Handy-Herstellers ein. Siemens führt Com seither als nicht fortgeführtes Geschäft.
Die Orderbücher des größten industriellen Arbeitgebers in Deutschland sind nach wie vor gefüllt. Im abgelaufenen Quartal sei der Auftragseingang zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 23,5 Milliarden Euro geklettert, teilte Siemens mit.
Die Zahlen sind sehr, sehr hübsch, sagte ein Londoner Analyst einer großen Bank. Es ist offensichtlich, dass das Geschäft sehr gut läuft. Es wäre absolut falsch, Kleinfeld zum jetzigen Zeitpunkt abzulösen. Eine solche Entscheidung des Aufsichtsrats wäre absoluter Wahnsinn.
Wahnsinn hat wohl Methode
Möglicherweise hat der Wahnsinn auch Methode. Denn einige maßgebliche Aufsichtsräte befürchteten Kreisen zufolge, dass sich Kleinfeld doch noch im Korruptionsgestrüpp verfangen könnte. Betrachtet man die guten Zahlen, so scheint ein Führungswechsel jetzt durchaus akzeptabel und dies vielleicht als die bessere Lösung als das Szenario eines Abtritts eines möglicherweise schwer angeschlagenen und unter noch stärkerem Druck stehenden Vorstandsvorsitzenden in einigen Monaten, der sich womöglich einer Anklage gegenüber sieht.
Insofern lässt sich der Schritt, hinter dem viele Gerhard Cromme, den Nachfolger des gleichfalls zurückgetreten Aufsichtsratschefs und Vorgänger Kleinfelds, Heinrich von Pierer, vermuten, zumindest als vorsorglich vertreten. Cromme stellte klar, dass sich an der Strategie des Konzerns nichts ändern werde: Siemens steht heute wirtschaftlich besser da denn je. Unter der Führung von Dr. Kleinfeld ist eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens gelungen, die den Erfolg nachhaltig absichern wird. Diese Strategie soll auch in Zukunft weitergeführt werden.
Kurzfristig Kursverluste möglich
Die Siemens-Aktie ist mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,7 für das laufende und 13,8 für das kommende Jahr noch nicht zu teuer. Allerdings muss der Konzern nunmehr dringend unter beweis stellen, dass ihm der Abgang Kleinfelds tatsächlich nicht schadet.
Die Kursverluste der vergangenen Tage haben charttechnisch nicht viel bewegt, auch wenn die Notiz das Sechs-Jahres-Hoch von 91,87 Euro vom Montag bei aktuell 88,36 Euro etwas aus den Augen verloren hat und weiter Kursverluste am Donnerstag folgen könnten. Der kurzfristige stiele Aufwärtstrend der vergangene zwei Monate könnte indes Schaden nehmen.
Das könnte den Kurs bis zur Widerstandslinie von 85 Euro drücken, die aber halten könnte, wenn das Unternehmen kurzfristig einen neuen Vorstandsvorsitzenden präsentieren kann, dem die Anleger zutrauen in die Fußstapfen des scheidenden Klaus Kleinfeld zu treten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,39 € | +6,95% |
| Dt. Boerse | 57,85 € | +2,94% |
| Adidas | 35,88 € | +2,34% |
| ThyssenKrupp | 23,70 € | +2,02% |
| SAP | 32,01 € | +1,89% |
| Allianz | 82,85 € | −0,16% |
| Henkel Vz | 32,25 € | −0,46% |
| FMC | 35,36 € | −0,87% |
| Lufthansa | 11,02 € | −0,99% |
| K+S | 37,85 € | −1,94% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.668,35 | +0,98% |
| TecDAX | 760,46 | +1,02% |
| MDAX | 7.282,47 | +1,34% |
| SDAX | 3.484,15 | −0,02% |
| REX | 373,56 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.881,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 10.291,60 | +0,44% |
| Nasdaq 100 | 1.781,10 | +0,45% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.871,68 | +0,01% |
| EUR/USD | 1,4966 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 77,81 $ | +0,40% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,65 € | +0,12% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index11.11.2009 13:00 |
1361,31 | 1326,77 | 1262,56 |
Performance-Index11.11.2009 17:35 |
299,29 | 293,27 | 274,66 |
Euro-Aktien-Index11.11.2009 17:35 |
143,13 | 137,00 | 125,21 |
EU sollte zuerst auf die Einhaltung der Grenzen von ES, PT, GR, IT, FR usw. drin
18:19Die Frauenquote ist eine Beleidigung für intelligente Frauen!!!