10. Juni 2008 Einige Tage wurde spekuliert, jetzt entschied sich die viertgrößte amerikanische Investmentbank Lehman Brothers, die Katze aus dem Sack zu lassen. Wie sich zeigte, waren die Medienberichte nicht weit von der Wahrheit entfernt, wonach die Bank im zweiten Quartal einen Milliardenverlust verbuchen musste und einer Kapitalerhöhung bedarf.
Im Ende Mai ausgelaufenen Quartal sei ein Verlust von 2,8 Milliarden Dollar oder 5,14 Dollar je Aktie angefallen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte man noch 1,3 Milliarden Dollar verdient. Damit fiel der Verlust deutlich höher aus als von Experten erwartet. Analysten hatten bis vor kurzem noch mit rund minus 300 Millionen Dollar gerechnet, das Wall Street Journal hatte Anfang der Vorwoche eine Zahl von zwei Milliarden Dollar kolportiert.
Negative Nettoerträge
Im zweiten Quartal konnte die Bank wegen der Probleme an den Finanzmärkten und den daraus entstehenden Abschreibungen sowie Handelsverlusten keine Nettoeinnahmen erwirtschaften, sondern musste einen negativen Wert von 668 Millionen Dollar verbuchen. Im Vorjahresquartal hatte die Bank einen Ertrag von 5,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Umsatz im Bereich Capital Markets liege in den drei Monaten bei minus 2,4 Milliarden Dollar.
Auch die Kapitalerhöhung fällt mit sechs Milliarden Dollar deutlich höher aus als zuletzt vermutet. Lehman musste wegen Finanzmarktkrise bereits im April Wandelanleihen im Wert von vier Milliarden Dollar ausgeben, um Kapitallücken zu füllen. Die aktuelle Kapitalerhöhung soll aus der Ausgabe von Stammaktien und Wandelpapieren bestehen. Das Eigenkapital bezifferte die Bank auf 26 Milliarden Dollar Ende Mai.
Markt behandelt Ereignis isoliert
Nach dem Zusammenbruch der fünftgrößten Investmentbank Bear Stearns im März gab es am Markt immer wieder Spekulationen über Liquiditätsprobleme bei Lehman Brothers. Was Wunder also, wenn der Aktienkurs im vorbörslichen amerikanischen Handel zeitweilig um mehr als zehn Prozent einbrach.
Doch insgesamt scheint man an ein isoliertes Ereignis zu glauben. Den Markt habe dies nur kurz belastet, hieß es auf dem Parkett. Die nötige Kapitalerhöhung sei keine große Überraschung, kommentierte in Händler.
Viel lieber scheint man sich in dieser Hinsicht mit der Mitteilung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich zu trösten, wonach die Kreditkrise langsam abflaut. Man diagnostiziert eine verhaltene Rückkehr der Risikotoleranz der Anleger, wozu neben den kräftigen Leitzinssenkungen der amerikanischen Notenbank (Fed) auch die Rettungsaktion für die insolvente fünftgrößte amerikanische Investmentbank Bear Stearns beigetragen habe.
Moody's senkt Ausblick
Die Rating-Agentur Moody's senkte jedenfalls den Bonitätsausblick für die Bank auf negativ, auch wenn diese vermeldete, die Liquiditätsposition und Kapitalausstattung verbessert zu haben. Allerdings ging dies zu Lasten der Vermögenswerte, die um netto 60 Milliarden Dollar schrumpfte, als das Unternehmen seine Hebelung ebenso reduzierte wie seine Engagements im Bereich von Hypotheken Immobilien oder Übernahmekrediten.
Moody's gesteht der Bank zu, einen soliden Einnahmenstrom zu haben, doch habe der Zusammenbruch von Bear Stearns das Finanzierungsmodell als Ganzes in Frage gestellt, da eine austrockende Liquidität der Märkte, den Wert der Sicherheiten reduziere.
Optimismus und Risikofreude gefragt
Die Tatsache, dass der Kurssturz verhältnismäßig moderat ausgefallen ist, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass der Aktienkurs schon in den Vortagen deutlich unter Druck stand. Wie es mit der Bank weitergeht, ist derzeit schwer zu beurteilen. Die Analystenprognosen für das zweite Quartal waren so weit von der Wahrheit entfernt, dass man gut daran tut, sie außer Acht zu lassen.
Stürzt der Aktienkurs tatsächlich unter die Marke von 30 Dollar, würde dies einen neuen Fünf-Jahres-Tiefststand bedeuten. Zudem wird der Kurs noch durch eine Kapitalerhöhung verwässert. Jedenfalls zeigen die Zahlen, dass besonders die amerikanische Bankbranche noch nicht zum Tagesgeschäft zurück gekehrt ist. Solange müssen die Aktien als spekulativ gelten und sind allenfalls risikofreudigen Investoren mit einer guten Portion Optimismus zu empfehlen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Lufthansa | 11,06 € | +2,98% |
| Daimler | 33,21 € | +1,68% |
| MAN | 56,17 € | +1,37% |
| Volkswagen | 109,18 € | +1,32% |
| Commerzbank | 6,95 € | +1,16% |
| FMC | 34,93 € | −0,60% |
| Münchener Rück. | 105,31 € | −0,84% |
| BASF | 37,55 € | −0,84% |
| Salzgitter | 62,96 € | −0,88% |
| SAP | 31,45 € | −0,95% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.488,25 | +0,13% |
| TecDAX | 749,78 | −0,03% |
| MDAX | 7.084,74 | +0,96% |
| SDAX | 3.465,16 | +1,09% |
| REX | 372,70 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.794,25 | +0,03% |
| Dow Jones | 10.023,40 | +0,17% |
| Nasdaq 100 | 1.730,76 | +0,56% |
| S&P500 | 1.069,30 | +0,25% |
| Nikkei225 | 9.789,35 | +0,74% |
| EUR/USD | 1,4891 | +0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 76,51 $ | +0,05% |
| Gold | 1.096,75 $ | +0,71% |
| Bund Future | 120,85 € | −0,18% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index06.11.2009 13:00 |
1315,77 | 1321,61 | 1260,60 |
Performance-Index06.11.2009 17:35 |
291,63 | 292,08 | 274,04 |
Euro-Aktien-Index06.11.2009 17:35 |
139,56 | 136,19 | 124,82 |