Schwellenländer

China rät Unternehmen, nicht mit Aktien zu spekulieren

29. August 2007 Die chinesische Börse boomt. Optimistische Marktteilnehmer führen die Kursgewinne indirekt auf das Wirtschaftswachstum des Landes zurück, das die dort tätigen Unternehmen in die Lage versetze, den Umsatz und vor allem auch die Gewinn zu steigern.

Solche Argumente mögen sich gut anhören, allerdings dürfte es ratsam sein, sie kritisch zu betrachten. Denn erstens sind viele der an den Binnenmärkten gehandelten Werte trotz des Wachstums schon sehr hoch bewertet. Abgesehen davon kann zu denken geben, dass sogar die chinesische Wertpapieraufsicht Unternehmen darauf drängt, sich bei ihren Gewinnen weniger auf Aktieninvestments zu verlassen.

Chinesische Unternehmen peppen Gewinne spekulativ auf

Die Rally am chinesischen Aktienmarkt hat dazu geführt, dass bei den Unternehmen ein immer größerer Teil des Gewinns auf Kursgewinne aus Aktienanlagen entfällt. Laut Qi Bin, Leiter Analyse bei der China Securities Regulatory Commission, waren es im ersten Quartal rund zwölf Prozent, und der Anteil dürfte weiter zunehmen. „Wenn zahlreiche Unternehmen sich auf Aktienspekulationen konzentrieren statt auf ihr Kerngeschäft, wird das langfristig dem Gewinn und dem Geschäftswachstum schaden, und auch der Aktienmarkt wird darunter leiden“, sagte Qi in einem Interview mit Bloomberg News. Die Behörde bemühe sich darum, Unternehmen über die Risiken von Investments in einem Aktienmarkt aufzuklären, der seinen Wert in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht hat, so Qi.

Zum Börsenkurs

Der chinesische Benchmarkindex CSI 300 hat in den vergangenen Wochen ein Rekordhoch nach dem anderen markiert und erst am Mittwoch leicht nachgegeben. Damit konnte sich das Börsenbarometer bisher von der durch die Subprimekrise ausgelösten weltweiten Abwärtstendenz an den Aktienmärkten abkoppeln. Allerdings fragt es sich, wie lange diese Entwicklung wird anhalten können.

Denn berücksichtigt man die Investmenterträge nicht, wächst der Gewinne je Aktie bei chinesischen Unternehmen nur halb so stark wie offiziell ausgewiesen, zeigt eine Studie von Morgan Stanley. Für das erste Halbjahr wiesen die Unternehmen einen Gewinnanstieg je Aktie von 76 Prozent aus, schrieb Stratege Jerry Lou am Dienstag. Ohne außerordentliche Investmenterträge und andere Aktivitäten außerhalb des Geschäftsbetriebs liegt der Anstieg laut Lou nur bei 41 Prozent. „Aktuell stützen sich Unternehmensgewinne und die Kursentwicklung am Aktienmarkt gegenseitig“, erläuterte er in einem Interview mit Bloomberg News.

Eigendynamik nach oben kann rasch ins Gegenteil drehen

Eine ähnliche Entwicklung war in den neunziger Jahren auch in Europa zu beobachten, als Aktien von Versicherungsunternehmen mit den im steigenden Markt zunehmenden Aktienquoten zunächst immer mehr wert wurden. In der folgenden Baisse drehte sich diese Spirale jedoch ins Negative. Die Folgen sind bekannt: Die Versicherungsaktien verloren massiv an Wert: die Papiere der Allianz oder auch der Münchener Rück liegen jetzt noch knapp 60 Prozent unter ihren einstigen Rekordhochs und bei anderen europäischen Versicherungswerten sieht es ähnlich aus.

Die Aufsichtsbehörde werde die Unternehmen jedoch trotzdem nicht zwingen, ihre Aktieninvestments zu beschränken, betonte Qi. „Es ist ein Drahtseilakt. Unternehmen müssen die Risiken der Aktienspekulation kennen, aber wir wollen uns am Markt orientieren und die Entscheidung den Aufsichtsräten überlassen.“ Immer mehr Privatanleger und auch Unternehmen investieren am Aktienmarkt - kein Wunder, da die Zinsen für Bankeinlagen mit 3,6 Prozent unter der offiziellen Inflationsrate von 5,6 Prozent im Juli liegen.

Der Run auf den Aktienmarkt hat chinesische A-Aktien, die in Schanghai und Shenzhen gehandelt werden, zu den teuersten weltweit gemacht, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Die Unternehmen im CSI 300 werden im Schnitt zum 52fachen des Gewinns gehandelt, verglichen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 beim amerikanische S&P 500.
Inzwischen hat die Regierung, die eine Blase am Aktienmarkt befürchtet, die Steuern für Aktientransaktionen erhöht und chinesischen Anlegern mehr Anlagemöglichkeiten im Ausland erlaubt. Bisher hatten Chinesen aufgrund der Beschränkungen für Auslandsinvestments, schärferen Maßnahmen gegen Immobilienspekulationen und der geringen Einlagenzinsen nur wenig Alternativen zu einheimischen Aktien.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, NBS, DekaBank

 

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