Indizes

Neue Regeln dürften für neue Gesichter sorgen

Adios Continental: Dieses Mal wohl für immer

Adios Continental: Dieses Mal wohl für immer

24. November 2008 Es wird einiges anders in den deutschen Indizes. Schuld daran sind die Kurskapriolen, die die VW-Aktie vor einigen Wochen geschlagen hatte. Das veranlasste die Deutsche Börse nun, ihr Regelwerk zu verschärfen, mit dem Ziel, den Aktienmarkt besser abzubilden, so Hartmut Graf, Leiter des Indexgeschäfts der Deutschen Börse. Zugleich solle so die Handelbarkeit der Indizes erhöht werden.

Die Neuregelungen sollen mehrheitlich ab Anfang Dezember im Zuge der turnusmäßigen Index-Überprüfung berücksichtigt werden. Zum ersten soll der Mindest-Streubesitz nunmehr 10 statt wie bisher 5 Prozentbetragen. Aktien, die dieses Mindestkriterium nicht mehr erfüllen, sollen künftig innerhalb von zwei Handelstagen aus dem Index genommen werden. Die bisherige Mindestschwelle habe nicht ausgereicht, um die Liquidität in den Indizes nachhaltig zu sichern.

Zeitnahe Anpassung

Zum zweiten sollen daher die Streubesitzdaten bei speziellen Ereignissen wie etwa Übernahmen oder Kapitalmaßnahmen nunmehr „zeitnah“, innerhalb eines Quartals und nicht mehr erst zu einem turnusmäßigen Termin angepasst werden. Voraussetzung dafür ist, dass aus einem solchen Ereignis eine Veränderung des Streubesitzanteils um mehr als zehn Prozent des Grundkapitals hervorgeht.

Zum dritten sollen künftig bei der Bestimmung des Streubesitzes im Falle von Übernahmen auch meldepflichtige Optionen berücksichtigt und dem Festbesitz zugerechnet werden können.

Vorsichtige Fondsregeln

Eine vierte Änderung betrifft die Berücksichtigung von Fondsanteilen als Festbesitz bei dokumentierter langfristiger Halteabsicht. Doch die gilt nicht rückwirkend, machte Graf deutlich. Das bedeutet, dass alle bisherigen großen Aktienbestände von Fonds weiter als Streubesitz gelten, auch wenn diese Investoren erkennbar strategische Interessen haben. Dies betrifft etwa auch die Deutsche Börse selbst, an der die als streitbar geltenden Hedgefonds TCI und Atticus zusammen rund 19 Prozent halten.

Erst wenn diese ihren Anteil verändern und ihre strategischen Interessen formell erklären, würde die Beteiligung als Festbesitz gewertet. Bislang wurden Fondsanteile grundsätzlich als Streubesitz betrachtet, wenn sie unter 25 Prozent lagen und kurzfristig gehalten wurden. Indes liegt der Streubesitz der Aktie bei derzeit 69 Prozent, so dass die Berücksichtigung der Anteile keine unmittelbaren gravierenden Folgen hätte.

Zudem wird künftig die vor kurzem erlassene Volatilitätsregel für den Dax auch auf den TecDax angewendet. Ab sofort gilt deshalb nun, dass ein Wert aus dem Index fallen kann, wenn an einem Handelstag seine Gewichtung in dem Index zehn Prozent zum Handelsschluss übersteigt und die Volatilität des Kursverlaufs über die vorangegangenen 30 Handelstage über dem Wert von 250 Prozent liegt.

VW verschont, Adios Conti

Analyst Christian Stocker von der Unicredit bewertete die Anpassung des Regelwerks für Aktienindizes positiv. So dürfte es nunmehr etwa den Managern passiv orientierter Fonds leichter fallen, den Markt abzubilden. Insbesondere mit der Anhebung der Schwelle für den Mindest-Streubesitz sei die Deutsche Börse nun ihren europäischen Wettbewerbern einen Schritt voraus.

Die Aktie von Volkswagen indes dürfte Experten zufolge je nach Kursverlauf zunächst von einem Rauswurf aus dem Dax verschont bleiben. Grund ist, dass die von Porsche gehaltenen Optionen nur einen Barausgleich und keine Aktienlieferung vorsehen und damit bislang nicht als meldepflichtig gelten. Dies könnte sich jedoch ändern, falls der Gesetzgeber auch für solche Optionen eine Meldepflicht einführt, sagte der Unicredit-Analyst.

Neue Kandidaten, alte Gesichter

Dagegen droht anderen Index-Mitgliedern schon in der kommenden Woche bei der turnusmäßigen Index-Überprüfung das Aus. Nach derzeitigem Stand trifft es im Dax nach der Übernahme durch Schaeffler Continental, aber auch die Aktien der Hypo Real Estate. Der Wertverfall der Titel - alleine im vergangenen Monat nochmals mehr als 50 Prozent - hat sie auf Platz 66 der Rangliste der Werte mit der größten Marktkapitalisierung zurückfallen lassen. Das Dax-Gewicht beträgt nur noch 0,1 Prozent.

Im MDax hieße es für AMB Generali, im TecDax für Versatel und Epcos sowie im SDax für die IKB Abschied nehmen. Deren Papiere würden nicht nur absteigen, sie würden komplett aus allen Auswahlindizes herausfallen und somit Platz für Neuaufsteiger schaffen.

Als Dax-Aufstiegskandidaten werden Experten zufolge schon seit einiger Zeit Salzgitter,
Beiersdorf und Q-Cells gehandelt. Im Nebenwerteindex MDax kommen Stocker zufolge Gerresheimer und Elring-Klinger als Nachrücker in Frage. Im TecDax hält der Analyst Smartrac und Jenoptik für aussichtsreiche Kandidaten.

Salzgitter erfüllt beide Kriterien ohne Probleme. Stocker sieht derzeit Beiersdorf im Handelsumsatz gerade so auf Platz 35, Q-Cells schafft in der Marktkapitalisierung knapp den notwendigen 35. Platz. Halten beide Unternehmen ihre Position, steigt Beiersdorf wegen der höheren Marktkapitalisierung in den Dax auf. Schaffen beide die Kriterien nicht, bleibt die Hypo Real Estate mindestens drei weitere Monate im Dax, weil es für sie dann keinen Ersatzkandidaten gibt, der die Kriterien erfüllt. Für den M-Dax sieht Stocker Gerresheimer und Elringklinger als Nachrücker, in den Tec-Dax könnten Smartrac und Jenoptik aufsteigen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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