Ernährung

Nestle profitiert von vorgezogenen Preiserhöhungen

13. März 2008 Mit Kursgewinnen von bis zu sechs Prozent auf 506,5 Franken im Tageshoch reagiert die Aktie des schweizerischen Nahrungsmittelkonzerns Nestle auf die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr und entzieht sich auf diese Weise dem negativen Umfeld an den Börsen.

Schon in den vergangenen Wochen konnte sich das Papier besser als der Markt halten. Es liegt nicht einmal zehn Prozent unter dem noch im November erreichten Allzeithoch. Der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach oben.

Umsatz steigt wegen fortgesetzter Preiserhöhungen

Das dürfte kaum verwundern. Denn der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern hat nach einem guten Start ins laufende Jahr das Umsatzziel überraschend erhöht. Wegen fortgesetzter Preiserhöhungen und einer Zunahme der Verkaufsmenge in der Ostersaison dürfte das Umsatzplus nun in etwa auf dem Vorjahresniveau von 7,4 Prozent liegen, teilte das Schweizer Unternehmen am Donnerstag mit. Dabei seien Währungseffekte und Zukäufe nicht berücksichtigt.

Ende Februar hatte sich Nestle-Chef Peter Brabeck noch nicht auf eine höheren Ausblick festlegen wollen und war beim altbekannten Ziel eines organischen Umsatzwachstums zwischen fünf und sechs Prozent Gruppe geblieben. Die Dollar-Schwäche belastet den Nestle-Umsatz zwar, hieß es weiter. Aber die Übernahmen von Novartis Medical Nutrition beziehungsweise Gerber haben dafür das Umsatzwachstum wieder angekurbelt.

Im ersten Quartal liege das organische Wachstum „viel höher“ als die im vergangenen Jahr erzielten 7,4 Prozent, präzisierte ein Nestle-Sprecher. Genaue Umsatzzahlen zum ersten Quartal werden am 21. April veröffentlicht.

Damit wird das offensichtlich, was sich in den vergangenen Monaten schon mehrfach angedeutet hatte: Die Nahrungsmittelkonzerne haben die Entwicklung an den Rohstoffmärkten zeitlich vorweggenommen und ihre Preise früher und auch deutlicher erhöht, als das angesichts der Energie- und Rohstoffpreise zu vermuten wäre. Sie spielen ihre Preissetzungsmacht, die sich unter anderem aus einer starken Markenpolitik ergibt voll aus. Das wird die Aktionäre des Unternehmens freuen. Denn auf diese Weise lassen sich Umsatz und Gewinn im bestehenden Geschäft steigern, ohne dafür großartig investieren zu müssen.

Verbraucher und Zulieferer werden nicht begeistert sein

Was den Aktionär freut, wird die Verbraucher und Zulieferer jedoch weniger begeistern. Denn die Margensteigerungen tragen auf der Verbraucherseite zum Preisauftrieb bei. Denn die Nahrungsmittelhersteller und -händler scheinen sich einig zu sein und nutzen die Verhältnisse unmittelbar zu Steigerung der Gewinne aus. Dem kann der Verbraucher nicht entgehen, denn die Ernährung ist ein Grundbedürfnis. Möglicherweise führt die zunehmende durch steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise dazu, dass der Konsum in anderen Bereichen zurückgeht.

Auch die Zulieferer werden nicht erfreut sein. Denn sie schauen wieder einmal in die Röhre, wenn ihnen die Nahrungsmittelunternehmen geringere Preissteigerungen zugestehen, als der Druck von der Kostenseite nahe legen würde. Aus diesem Grund dürfte der Landwirtschaftsbereich bei weitem nicht so prosperieren, wie das verschiedenste Jubelmeldungen in den vergangenen Monaten impliziert haben mögen.
Allerdings gibt es sowohl für Konsumenten als auch die Zulieferer einen Ausweg: Sie können sich die Aktien ihrer Preis- und Kostentreiber ins Depot legen und auf diese Weise von der Strategie der Unternehmen profitieren.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 16,7 und 14,9 und mit einer Dividendenrendite von 2,4 Prozent ist die Nestle-Aktie noch vergleichsweise vernünftig bewertet. Sie könnte allerdings noch attraktiver sein, wenn das Unternehmen seine Gewinnanteile vermehrt als Dividende ausschütten würde, statt sie für dubiose Aktienrückkäufe zu verschwenden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 -1,14
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 -7,74
Öl 76,65 -7,49
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