S&P Branchenanalyse

Bei amerikanischen Airlines sieht es immer noch düster aus

Von Sam Stovall, Chefstratege bei S&P

05. Oktober 2005 Angesichts all der negativen Meldungen im Zusammenhang mit Fluggesellschaften - darunter auch die Konkursanträge der großen Gesellschaften Delta und Northwest am 14. September - kommt die jüngste leichte Erholung der Aktien in diesem Bereich vielleicht überraschend. Begründen läßt sich diese Entwicklung mit der Verbesserung des auf einem Zeitraum von zwölf Monaten basierenden rollierenden Relative-Stärke-Ranking des Unterbranchenindex S&P 1500 Airlines in den vergangenen vier Wochen. Dieser Index umfaßt sieben Unternehmen mit hoher, mittlerer und niedriger Marktkapitalisierung.

Das rollierende Relative-Stärke-Kurs-Chart über einen Zeitraum von zwölf Monaten zeigt die überdurchschnittliche Performance des Subindex in jüngster Zeit. Zur Erinnerung: Die gezackte blaue Linie steht für die rollierende Kursperformance über 52 Wochen des Subindex verglichen mit der entsprechenden Performance des S&P 1500. Jeder Punkt oberhalb der 100-Marke steht für eine überdurchschnittliche Performance im Vergleich zum vorherigen Jahr, während Punkte unterhalb der 100-Marke eine unterdurchschnittliche Performance bedeuten. Die rote Linie kennzeichnet einen rollierenden, gleitenden 39-Wochen-Durchschnitt, während die beiden grünen Streifen jeweils eine Standardabweichung ober- bzw. unterhalb des Mittelwerts der Relativen Stärke des Unterbranchenindex über 14 Jahre darstellen.

Hoher Ölpreis und niedrige Ticketpreise werden Spuren hinterlassen

Im Jahr 2004 lag dieser Unterbranchenindex in seiner Performance unterhalb des breiteren Marktdurchschnitts und fiel um 6,8 Prozent, während der S&P 1.500 zehn Prozent zulegte. Obwohl die Gruppe der obengenannten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr zum Stichtag 23. September beinahe 13 Prozent verloren hat, hat dieser Unterbranchenindex in den vergangenen 13 Wochen 3,6 Prozent gewonnen, während der gesamte Markt nur 2,3 Prozent zulegen konnte.

Es bleibt die Frage, ob diese Kurserholung innerhalb dieser Gruppe nur eine kurzfristige Angelegenheit ist. Daher habe ich die Anlageperspektiven dieser Gruppe zusammen mit Jim Corridore, Wertpapieranalyst bei Standard & Poor's, genauer untersucht.

S&P bewertet die Perspektiven für Aktien von Fluggesellschaften laut Jim Corridore grundsätzlich neutral. Er erwartet, daß die hohen Ölpreise und die niedrigen Flugpreise in 2005 wahrscheinlich zu weiteren deutlichen Verlusten in der Branche führen werden. Der Anstieg der Flugpreise im vergangenen Quartal beginnt sich positiv auf die Rendite bei Fluggesellschaften auszuwirken - welche den Erlös pro Fluggast mißt - und dies trägt mittlerweile zusammen mit den steigenden Passagierzahlen zu einer Verbesserung auf der Erlösseite bei.

Dieser positive Effekt ist jedoch bisher von den steigenden Ölpreisen, die in den vergangenen Wochen laufend neue Rekordhochs erreicht haben, immer mehr als kompensiert worden. S&P geht nicht davon aus, daß die Bombenanschläge von London am 7. Juli großen Einfluß auf den Flugverkehr haben werden, solange es bei diesem einmaligen Zwischenfall bleibt. Weltweit ist die Nachfrage im Flugverkehr weitgehend stabil geblieben und Corridore erwartet dies auch für die Zukunft.

Nach Schätzungen von S&P haben die zehn größten Fluggesellschaften im Jahr 2004 etwa zehn Milliarden Dollar verloren, wobei für 2005 mit weiteren starken Verlusten gerechnet wird. Corridore geht davon aus, daß Kürzungen bei den Personalkosten vieler großer Fluggesellschaften und steigende Passagierzahlen sich 2005 positiv auf das Ergebnis auswirken werden, daß aber gleichzeitig hohe Ölpreise und niedrige Flugpreise dafür sorgen dürften, daß die Branche insgesamt unrentabel bleibt.

Harter Wettbewerb läßt Preiserhöhungen nur bedingt zu

Die Flugpreise sind aufgrund des extrem harten Preiswettbewerbs im transkontinentalen Bereich und in anderen Marktbereichen, mit aggressiven Angebotspreisen und der Einführung einer Preisobergrenze für transkontinentale One-Way-Flüge in Höhe von 499 Dollar bei Delta, niedrig geblieben.

Im vergangenen Quartal haben die großen Fluggesellschaften jedoch einige Preiserhöhungen durchgesetzt, von denen die meisten geblieben sind - eine Situation, die es zum letzten Mal vor den Terroranschlägen vom 11. September gab. Darüber hinaus hat Delta im Juli seinen maximalen One-Way-Flugpreis um 100 Dollar auf 599 Dollar erhöht. Obwohl Corridore nicht glaubt, daß dies ausreichen wird, um Ölpreise um die 60 Dollar pro Barrel auszugleichen, hält er die Entwicklung für ein seit langem überfälliges positives Zeichen.

Die Revenue Passenger Miles (RPMs) - eine Branchenkennzahl, die für den Transport eines Passagiers über eine Meile steht - stieg 2004 um zehn Prozent von 595 Milliarden Dollar in 2003 auf 655 Milliarden Dollar. 2004 lag diese Zahl nur knapp unter dem Wert von 2000, dem letzten Jahr, in dem es den Fluggesellschaften noch relativ gut ging, obgleich die Renditen im gleichen Zeitraum sehr niedrig waren. Für 2005 erwartet Corridore einen weiteren Anstieg im Passagierverkehr um etwa zehn Prozent.

Von den zehn größten amerikanischen Fluggesellschaften haben fünf Konkurs angemeldet, die jüngsten Konkursanträge von Delta und Northwest eingerechnet. Gleichzeitig wachsen Billigfluggesellschaften schnell und gewinnbringend, ein Trend, der unseres Erachtens noch anhalten wird.

Fazit wäre also: Laut S&P ist das Momentum der Unterbranche positiv, die Hintergrunddaten liefern jedoch keine Anhaltspunkte für eine aggressive Haltung im kommenden Jahr. Von den wichtigsten Aktien von Fluggesellschaften, deren Entwicklung Corridore verfolgt, sind AMR, SkyWest und Southwest Airlines seine bevorzugten Titel und werden jeweils mit vier STARS (kaufen) bewertet.



Text: @cri
Bildmaterial: S&P

 
NamePunkteProzent
Dax 6.256,20 -0,98
TecDax 802,53 +0,73
DowJones 11.417,43 +0,61
Nasdaq 2.389,08 +0,20
STOXX 50 3.259,83 -1,08
Nikkei 225 12.752,21 -0,77
S&P 500 Zert. 12,65 -0,55
Euro/Dollar 1,48 +0,54
Bund Future 114,28 -0,42
Gold 826,52 +1,75
Öl 114,78 +3,31
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