18. Mai 2008 Die Investoren an den Finanzmärkten müssen zurzeit unerwartete und widersprüchliche Konjunkturdaten gleich in Serie verarbeiten. Manche Daten haben positiv überrascht, andere negativ - und noch ist schwer auszumachen, ob der große Trend eher günstig oder ungünstig ist. Zumindest so viel ist aber klar: Rund um den Globus nimmt die Inflation zu. Neben der Bewältigung der Finanzkrise wird dieses Thema in den kommenden Monaten das Geschehen an den Finanzmärkten prägen.
Positiv überrascht hat vor allem das Wirtschaftswachstum in Deutschland, das im ersten Quartal auf eine geradezu atemberaubende Jahresrate von 6,1 Prozent nach oben geschnellt ist. Auch wenn Sonderfaktoren wie der milde Winter dazu beigetragen haben: Zumindest zum Teil geht der Aufschwung auch auf eine innere Stärke der deutschen Wirtschaft zurück.
Auf ein kräftiges Wachstum auch der Weltwirtschaft deutet hin, dass der Baltic-Dry-Index allein in der vergangenen Woche um 11,9 Prozent gestiegen ist und am Freitag ein Rekordhoch erreichte. Dieser Index misst die Frachtkosten für Rohstoffe wie Öl, Eisenerz oder Kohle und gibt Hinweise auf das Auf und Ab des Welthandels und der globalen Konjunktur. Allerdings haben nach Angaben von Fachleuten Sonderfaktoren wie verstopfte Häfen zu dem jüngsten Anstieg der Frachtraten beigetragen.
Kein Spielraum für Leitzinssenkung
Doch wie lange hält der überraschende Höhenflug der deutschen und der globalen Wirtschaft an? Einigen Aufschluss darüber erhoffen sich die Fachleute vom Ifo-Konjunkturbarometer, das am Mittwoch veröffentlicht wird. Der Konsens erwartet, dass der deutsche Geschäftsklimaindex im Mai leicht von 102,4 auf 102,0 Punkte gesunken ist. Am Freitag folgen die Daten der Einkaufsmanager in Europa. Der vielbeachtete Index der Einkäufer des verarbeitenden Gewerbes dürfte laut Konsensprognose von 50,7 auf 50,3 Punkte gefallen sein. Er würde damit nur noch hauchdünn auf Expansion hindeuten. Werte unter 50 Punkten signalisieren eine Kontraktion der Einkäufe und gelten als ein wichtiges Indiz für eine heraufziehende konjunkturelle Schwäche.
In der Vergangenheit haben Werte unter 50 Punkten die Europäische Zentralbank (EZB) häufig dazu veranlasst, ihren Leitzins zu senken. Doch hat die EZB in diesem Jahr wohl keinen Spielraum, ihren Leitzins von heute 4 Prozent herabzusetzen. Denn zum einen dürfte die Inflation in diesem Jahr mit 3 Prozent weit höher ausfallen als das Ziel, das auf knapp 2 Prozent lautet. Zum anderen haben sich auch die Inflationserwartungen nach oben verschoben. Drittens steigt der Ölpreis immer höher: Am Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte WTI fast 128 Dollar. Händler begründeten dies mit Sorgen, dass die Nachfrage nach Brennstoff aus China weiter steigen könnte, da mehrere Wasserkraftwerke durch das Erdbeben ausfielen.
Konsumklima-Index ist abgesackt
Vor diesem Hintergrund haben die Investoren die Hoffnung auf sinkende Leitzinsen begraben: So ist die besonders leitzinssensible Rendite für zweijährige Bundesanleihen in der vergangenen Woche von 3,70 auf 3,98 Prozent gesprungen, den höchsten Stand in diesem Jahr. Laut Christoph Rieger, einem Zinsstrategen bei Dresdner Kleinwort, lässt sich aus den Zins-Terminkontrakten ablesen, dass die Märkte inzwischen sogar auf eine Anhebung des Euro-Leitzinses bis Jahresende spekulieren. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte dies in einem Gespräch mit dieser Zeitung ausdrücklich als Option genannt.
Auch aus den Vereinigten Staaten kamen positive Überraschungen: Dort ist die Wirtschaft im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 0,6 Prozent gewachsen. Auch wenn dies die konjunkturelle Dynamik wohl überzeichnet, war die Entwicklung damit günstiger als weithin erwartet. Geradezu niederschmetternde Ergebnisse hat allerdings die Befragung der Verbraucher durch die Universität Michigan gezeitigt, die am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach ist der Konsumklima-Index im Mai von 62,6 auf 59,5 Punkte abgesackt - den niedrigsten Stand in 28 Jahren. Den amerikanischen Verbrauchern hat aufs Gemüt geschlagen, dass gleich dreierlei ihre Kaufkraft schmälert: der Verfall der Immobilienpreise, der Anstieg der Energie- und Benzinpreise sowie die Flaute am Arbeitsmarkt.
Kurse in Tokio steigen
Während einschlägige Indizes seit langen anzeigen, dass die Eigenheimpreise in den amerikanischen Städten fallen, galt dies für den OFHEO-Index, der auch die Preise in den ländlichen Regionen erfasst, nicht. Doch dürfte dieser Index, der am Donnerstag veröffentlicht wird, für das erste Quartal einen Rückgang im Jahresvergleich anzeigen - es wäre das erste negative Vorzeichen in mehr als dreißig Jahren. Die Beleihung der Wohnimmobilie als zusätzliche Einkommensquelle fällt damit für immer mehr amerikanische Haushalte aus. Gleichzeitig bereiten den Haushalten die hohen Energiepreise Sorgen.
Auf Sicht von zwölf Monaten rechnen die amerikanischen Verbraucher mit einer Teuerung von 5,2 Prozent - das ist der höchste Wert seit 1982. Auch die langfristigen Inflationserwartungen für die kommenden fünf Jahre sind inzwischen auf 3,3 Prozent gestiegen. Die Haushalte erwarten somit eine Kombination von wirtschaftlicher Stagnation, wenn nicht gar Schrumpfung und hoher Inflation: Stagflation. Vor diesem Hintergrund sind auch die Spekulationen auf weiter sinkende Dollar-Leitzinsen abgeflaut. Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank ihren Zins im Juni von 2 auf 1,75 Prozent zurücknimmt, nur noch auf 10 Prozent veranschlagt, nach 58 Prozent vor einem Monat.
Die ungünstigen Verbraucherdaten haben die Aktienmärkte zum Wochenschluss zwar etwas belastet, doch hat sich die Kurserholung, die mit der Rettung der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns Mitte März begann, an allen größeren Börsen fortgesetzt. Zu den Gewinnern zählten Ölkonzerne wie Exxon und Chevron sowie Technikspezialisten wie Intel und Dell. An der Technologiebörse Nasdaq stiegen die Kurse daraufhin im Wochenvergleich um 3,5 Prozent, in Tokio sogar um mehr als 4 Prozent. Die Besorgnisse über eine bevorstehende Abkühlung der amerikanischen Konjunktur ließen den Dollar zum Euro im Wochenverlauf leicht abwerten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,72 € | +3,91% |
| Siemens | 63,44 € | +2,79% |
| BAYER AG NA | 55,72 € | +2,79% |
| Allianz | 86,28 € | +2,71% |
| Dt. Telekom | 10,29 € | +2,64% |
| Henkel Vz | 36,92 € | +0,27% |
| Beiersdorf | 45,99 € | +0,22% |
| BMW | 31,82 € | −0,41% |
| FMC | 37,48 € | −0,61% |
| Volkswagen | 73,93 € | −3,04% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.930,53 | +1,70% |
| TecDAX | 817,81 | +0,30% |
| MDAX | 7.454,26 | +0,82% |
| SDAX | 3.547,67 | −0,22% |
| REX | 378,50 | −0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.926,05 | +1,91% |
| Dow Jones | 10.414,10 | +0,83% |
| Nasdaq 100 | 1.828,79 | +1,19% |
| S&P500 | 1.114,05 | +1,05% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
| EUR/USD | 1,4292 | +0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 72,80 $ | −0,26% |
| Gold | 1.105,50 $ | +0,09% |
| Bund Future | 122,90 € | −0,43% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index21.12.2009 13:00 |
1383,26 | 1347,84 | 1293,81 |
Performance-Index21.12.2009 17:35 |
308,08 | 297,82 | 283,23 |
Euro-Aktien-Index21.12.2009 17:35 |
144,11 | 141,11 | 130,06 |
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