Finanzmärkte

Börse Hongkong kommt am besten aus der Krise

27. September 2007 Die Aktien an der Börse in Hongkong sind am besten aus der Korrektur der vergangenen Wochen herausgekommen. Das gilt vor allem für die Werte chinesischer Unternehmen, die an diesem Markt notiert sind.

So konnte der Hang Seng China Enterprise Index seit Mitte August knapp 40 Prozent auf zuletzt 16.645 Zähler zulegen, nachdem er in den Wochen zuvor knapp 20 Prozent verloren hatte. Zweitbester Markt der vergangenen Wochen ist und war der brasilianische Boves
Pa, der in Euro gerechnet etwas mehr als 37 Prozent auf zuletzt 60.147 Punkte zulegte. Auch dieser Markt markierte in den vergangenen Tagen wieder ein neues Allzeithoch, nach dem anderen. Das hat die Börse in Istanbul noch vor sich.

Chinesisches Spekulationsfieber greift auf die Börse in Hongkong über

Im Gegensatz zum Hang Seng Index der Börse Hongkong. Er ist am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch von 27.065 Zählern geklettert. Der Tagesgewinn entspricht einem Anstieg von 2,4 Prozent. Der Markt läuft schon seit Jahren hervorragend. In den vergangenen Tagen hat sich jedoch der Kursaufschwung beschleunigt. Grund war und ist die Ankündigung der chinesischen Regierung vom 20. August, Festlandschinesen den Aktienerwerb in Hongkong zu genehmigen. Die chinesische Bankenaufsicht hatte dann am 21. September mitgeteilt, dass die Regierung noch nicht über die Höhe der Anlagevolumina für das Programm entschieden habe.

Einen weiteren Schub bekam die Nachfrage nach Aktien der in Hongkong gelisteten Unternehmen in der Vorwoche. Es war bekannt geworden, dass der größte chinesische Vermögensverwalter, China Southern Fund Management Co. gemeinsam mit Partnern von der chinesischen Regierung unter dem sogenannten QDII-Programm, die Genehmigung erhalten hat, vier Milliarden Dollar im Ausland zu investieren. Dieses Programm richtet sich „qualifizierte inländische institutionelle Investoren“.

„Der Hauptgrund für die Kursrally sind die erwarteten Mittelzuflüsse aus China“, sagte Winson Fong, Fondsmanager bei SG Asset Management in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg. „So lange die positiven Nachrichten überwiegen, wird der Markt weiter steigen“, ergänzte Fong seine Einschätzung.

Die Kurse stiegen am Donnerstag auf breiter Front. Telekommunikationsunternehmen waren stark gesucht. Hier waren Spekulationen im Markt, dass bisher auf das Festnetz ausgerichtete chinesische Telekommunikationsunternehmen von einer Reorganisation der Branche profitieren werden und zukünftig auch Mobilfunkdienste anbieten dürfen. Diese Gerüchte zirkulieren allerdings bereits seit dem neunten Juni und bislang gibt es keine Bestätigung der Pläne seitens der Regierung. Auch beim Betreiber der Börse Hongkong, der Hongkong Exchange & Clearing heizen Gerüchte den Aktienkurs weiter an (siehe auch: Aktie der Hong Kong Exchanges geht durch die Decke).

Heiße Übernahmepsekulationen um die Börse Hongkong selbst

Seit die Regierung Hongkongs am siebten September ihren Anteil an der Börse Hongkong auf 5,88 Prozent aufgestockt hat, ist der Kurs um satte 49,3 Prozent gestiegen. Anleger spekulieren nun auf einen Einstieg der chinesischen Regierung. Mittelfristig erscheint eine Integration der chinesischen Handelsplätze mit der Börse Hongkong plausibel. Allerdings gibt es bislang keine Bestätigung der Spekulationen von offizieller Seite. Nach geltendem Recht sind Beteiligungen an in Hongkong notierten Unternehmen erst ab fünf Prozent meldepflichtig.

„Die strategische Integration der Börse Hongkong mit den Börsen auf dem Festland würde mittelfristig Sinn machen. Aktienpakete der beiden Regierungen an den Handelsplätzen könnten helfen, den Prozess zu beschleunigen“, schreibt Lei Wang in einer Stellungnahme. Er ist Fondsmanager beim Thornburg International Value Fund in Santa Fe im amerikanische Bundesstaat New Mexico. Seit Jahresanfang ist der Aktienkurs von Hongkong Exchange & Clearing um 176 Prozent gestiegen. Der Hang Seng Index hat im gleichen Zeitraum 35,5 Prozent zugelegt. Die Aktien des Börsenbetreibers werden zum 57fachen des geschätzten Gewinns für dieses Jahr gehandelt. Damit sind sie die teuersten unter den großen Börsen. Allerdings ist das Wachstum der vergangenen Jahre phänomenal, so dass die Bewertung auf diese Weise zumindest bei diesem Unternehmen relativiert werden kann.

Waren die in Hongkong gehandelten Aktien bisher angesichts des Umsatz- und Gewinnwachstums der Unternehmen noch vergleichsweise vernünftig bewertet, so droht sich das zu ändern, wenn immer mehr chinesische Anleger in den Markt investieren können. Denn das Beispiel der Festlandbörsen in Shanghai und Shenzen zeigt, dass die Anleger sehr spekulativ eingestellt sind. Sie haben die Werte auf völlig irrationale Bewertungsniveaus hochgekauft, obwohl viele Unternehmen ihre Gewinne optisch durch Spekulationen mit Wertpapiere noch künstlich aufpeppen (siehe auch: Chinesische Unternehmen peppen Gewinne spekulativ auf) .

In diesem Sinne mag die gegenwärtige Dynamik den Markt noch weiter nach oben treiben. Die Erfahrung zeigt, dass solche Kursbewegung ungeachtet fundamentaler Gegebenheiten unerwartete lange dauern können. Für die Bestätigung dieser These reicht alleine schon der Blick auf die Kursentwicklung an der Nadaq im vergangenen Jahrhundert. Nach dem Hoch im Jahr 2000 kam es zu massiven Kursverlusten. Ähnliches dürfte auch in China und Hongkong passieren können. Bis dahin können Spekulanten allerdings noch viel Geld verdienen. Vernünftige Anleger werden jedoch ihren Einsatz beschränken, sich laufend informieren und im Zweifel vor allem auch die Gewinnmitnahmen nicht vergessen.



Text: ham., F.A.Z., 27.09.2007, Nr. 225 / Seite 21
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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