Schwellenländer

Treibt Putins Wahlsieg den RTS weiter nach oben?

Gute Geschäfte in Russland

Gute Geschäfte in Russland

03. Dezember 2007 Die russische Börse hatte in den vergangenen Jahren einen guten Lauf. Im Rahmen der allgemeinen Hausse der Schwellenländermärkte konnte beispielsweise der Russian Trading System Index einen bis heute anhaltenden Aufwärtstrend etablieren und von Anfang des Jahres 2003 bis zum jüngsten Allzeithoch im November des laufenden Jahres bis zu 540 Prozent zulegen.

Angesichts des bestehenden Aufwärtstrends scheint die Wahrscheinlichkeit für weitere Kursgewinne zumindest aus technischer Sicht groß zu sein. Allerdings sollte man nicht verkennen, dass sich das weltwirtschaftliche Umfeld in den vergangenen Monaten im Rahmen der immer ausgeprägter werdenden Kreditkrise etwas eingetrübt hat. In diesem Kontext dürfte eine Korrektur an den in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufenen Energie- und Rohstoffmärkten kaum überraschen.

Russische Wirtschaft hat eine Eigendynamik entwickelt

Da die russische Börse deutlich von einer starken Gewichtung in diesem Bereich direkt und indirekt - über starke Finanzüberschüsse, die reinvestiert werden müssen - profitierte, dürfte eine gewisse Konsolidierung nicht ausgeschlossen werden können. Auf der anderen Seite hat der Wirtschaftsboom zu einer gewissen Eigendynamik geführt, der sich in Form deutlich steigender Einkommen und einer im Trend deutlich wachsenden Konsumnachfrage zeigt. Das führt zu deutlichem Wachstum der Industrieproduktion, zu einer zurückgehenden Arbeitslosigkeit, aber auch zu einer hohen Inflationsrate. Der Erzeugerpreisindex legte im Oktober auf Jahresbasis um 14,2 Prozent zu.

Die vergleichsweise robuste Entwicklung der Binnenwirtschaft ist unter anderem auf eine relativ stabile politische Entwicklung zurückzuführen. Stabil heißt in diesem Zusammenhang nicht unbedingt demokratisch, sondern vor allem berechenbar. Es ist die Planbarkeit, die die Wirtschaft interessiert und nicht so sehr das politische System. Aus diesem Grund rechnen viele damit, dass der proklamierte, wenn auch umstrittene, Wahlsieg Präsident Wladimir Putins und eine mögliche Ernennung zum Premierminister als positives Signal vom Kapitalmarkt aufgefasst werden könnte. Auch wenn es am Montag zu leichten Gewinnmitnahmen kommt und der RTS am Mittag mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 2,209 Zählern liegt. Trotz noch ungelöster Probleme wie der Korruption geht der Markt im Jahr 2008 von einem Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent aus. Die aussichtsreichsten Sektoren neben Öl und Gas sind der Infrastruktur- und der Konsumsektor.

Aktienselektion ratsam

Die Gründe für den anhaltenden Optimismus liegen in der Entwicklung der vergangenen Jahre. Nach Putins Machtübernahme im Mai 2000 hat die Wirtschaft nicht nur die Schuldenkrise des Jahres 1998 hinter sich gelassen, sondern sie ist seitdem im Durchschnitt um rund sechs Prozent jährlich gewachsen. Die Inflation ist über viele Jahre hinweg stetig zurückgegangen, bevor sie nun wieder problematischer zu werden scheint. Der Staatshaushalt ist ausgeglichen, und Russland hat aufgrund der sprudelnden Einnahmen in den vergangenen Jahren nicht nur den größten Teil seiner Auslandsschulden vorzeitig zurückzahlen, sondern auch einen massiven Bestand an Währungsreserven aufbauen können. Russland ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund einer Trillion Dollar in diesem Jahr mittlerweile die elft größte Volkswirtschaft weltweit.

Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von zwölf auf Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Geschäftsjahr sind die Aktien im RTS zumindest optisch noch sehr vernünftig bewertet. Allerdings dürfte es ratsam sein, nicht nur auf den Index alleine zu setzen, sondern die Einzelwerte genauer zu selektieren. Immerhin macht ein näherer Blick auf die Einzelwerte deutlich, dass sie höchst unterschiedlich bewertet sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

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