Von der Smartcaps-Redaktion Frankfurt
26. August 2004 Experten haben das Jahrhundert des Photons ausgerufen. Lasertechnik gilt als die Schlüsseltechnologie der Zukunft: Sie erzeugt und formt Licht, um es als Werkzeug nutzbar zu machen - etwa zum schneiden, fräsen, bohren oder schweißen.
Ob Medizintechnik oder Materialbearbeitung: Erst etwa die Hälfte des Anwendungspotenzials ist erschlossen, sagt Branchenkenner Arnold Mayer von der Schweizer Unternehmensberatung Optech Consulting und prognostiziert bis zum Jahr 2010 jährliche Wachstumsraten von mehr als zehn Prozent. Deutsche Unternehmen gehören in vielen Bereichen der Lasertechnologie zu den Innovationsführern. Die auf Nebenwerte spezialisierte Redaktion von Smartcaps hat sich umgehört, ob sie die Euphorie teilen.
Domäne der Deutschen
Die Rofin Sinar AG stellt Lasersysteme für die Materialbearbeitung her - ein Bereich, den Mayer mit einem Weltmarktanteil von 40 Prozent eindeutig als die Domäne der Deutschen identifiziert. In manchen Bereichen des Markierens und der Mikrobearbeitung sind wir die Nummer eins, in vielen anderen Bereichen eine gute Nummer zwei, schätzt Peter Wirth, Vorstandsvorsitzender des TecDAX-Unternehmens. Um 16 Prozent hat das Hamburger Unternehmen seinen Umsatz in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich gesteigert - in diesem Jahr darf's vielleicht sogar noch ein bisschen mehr sein.
Dementsprechend dürfte auch das Potenzial der Aktie noch längst nicht ausgeschöpft sein, auch wenn der Kurs nach Vorlage der überraschend guten Neun-Monats-Zahlen in den vergangenen zwei Wochen bereits um etwa 40 Prozent nach oben geschossen ist. Bei einem erwarteten Umsatz von etwa 260 Millionen Euro im Gesamtjahr wird das profitable Unternehmen derzeit an der Börse mit etwa 340 Millionen Euro bewertet und erscheint damit keineswegs zu teuer. Ich gehe davon aus, daß wir auch in Zukunft so ordentlich wachsen werden wie in der Vergangenheit, sagt Wirth im Gespräch mit Smartcaps. Und traut ein zweistelliges Wachstum auch der Branche insgesamt zu: Das kann man jedoch nur erreichen, wenn man immer wieder neue Anwendungsbereiche erschließt.
Ähnlich warnend äußert sich Max Reindl, Gründer und Vorstandsvorsitzender der WaveLight Laser Technologie AG: Man darf den Laser nicht als Insel betrachten, mit Prognosen eines Technologiewachstums muß man deshalb vorsichtig sein. Die Technologie an sich könne schließlich nicht wachsen, sei vielmehr eingebunden in Anwendungen und Industriezweige. Wir müssen schon neue Produkte entwickeln, für die die Leute Geld ausgeben wollen.
Im Fall der Wave Light AG sind das insbesondere Medizinlaser, die in Chirurgie und Augenheilkunde zum Einsatz kommen. Laserstrahlen zertrümmern Gallensteine, glätten und verjüngen faltige Haut oder korrigieren die Augenhornhaut. Die Nachfrage ist groß: Ein Teil der Anwendungen ist mit herkömmlichen Werkzeugen gar nicht möglich, viele andere sind mit dem Laser präziser und ohne großen Eingriff zu bewerkstelligen. Was den Patienten in doppelter Hinsicht zu Gute kommt: Sie sind schneller wieder gesund und die Kosten im Gesundheitswesen dürften durch die minimal invasive Chirurgie mit dem Laser langfristig sinken.
Nicht auf Welle der Euphorie ausruhen
Daß die Entwicklung neuer, marktfähiger Produkte möglich ist, bezweifelt daher auch WaveLight-Chef Reindl nicht. Er mahnt lediglich davor, sich auf der Welle der Euphorie auszuruhen. Durchschnittlich zweistelliges Umsatzwachstum sei für WaveLight auf Zehnjahressicht durchaus machbar, glaubt er. In den nächsten zwei bis drei Jahren könne das Wachstum sogar durchaus 20 Prozent überschreiten, da WaveLight das Potenzial in seinen Märkten noch nicht vollständig ausschöpfe. Damit bleibt das Unternehmen nach wie vor ein aussichtsreiches Investment für die Anleger. Nachdem die Aktie im Juli und August aufgrund der schwachen Finanzmärkten deutlich nachgab, bietet sich auf dem gegenwärtigen Kursniveau von 13,50 Euro wieder eine günstige Einstiegsgelegenheit.
Nicht nur in der Medizintechnik sind die Präzision des Lasers und die Möglichkeit, verschiedenste Materialien berührungsfrei per Lichtimpuls zu bearbeiten, seine entscheidenden Vorteile. In vielen Bereichen von Industrie und Elektronik geht der Trend zur Miniaturisierung. Und komplexe 3-D-Elektronikbauteile etwa, deren Umfang dem Bruchteil eines menschlichen Haares entspricht, lassen sich nur auf diesem Weg schneiden, schweißen und beschriften. Die Halbleiterindustrie ist mittlerweile auf den Einsatz des Lasers angewiesen, um Strukturen für Chips zu belichten - nur so können Computer und Handys immer kleiner, schneller und leichter werden. Es gibt kaum eine Leitbranche, die etwas mit Fertigung zu tun hat und ohne Lasereinsatz läuft, schätzt Gerhard Hein, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Lasertechnik im VDMA.
Konjunkturelle Delle weitgehend vorbei
Doch wenn es in den Leitbranchen nicht läuft, haben es auch die Laserunternehmen schwer. Die Göttinger Linos AG etwa, Spezialist für laserfähige Objektivsysteme, hat die konjunkturelle Delle recht deutlich gespürt und im vergangenen Jahr Verluste gemacht. Ähnlich ging es der Jenoptik AG, für die Photonik ein wichtiges Standbein ist, und der LPKF Laser & Electronics AG. Denn die traditionellen Abnehmer der Lasersysteme sind Automobilindustrie, Luftfahrt, Maschinenbau, Halbleiterindustrie, Telekommunikation, Elektro- und Elektronikindustrie - und diese Branchen haben alle nicht die dicksten Jahre hinter sich.
Doch die Talsohle scheint durchschritten. Die konjunkturelle Delle ist weitgehend vorbei, glaubt Gerd Litfin, Vorstandsvorsitzender der Linos AG. Besonders in der Halbleiterindustrie laufe es wieder wesentlich besser. Vom Geschäftsbereich Telekommunikation hat sich das Unternehmen allerdings getrennt: Der Bereich ist uns zu zyklisch, so Litfin. Eine Abkehr von der Strategie, sich breit aufzustellen und verschiedenste Branchen mit ähnlicher Technologie zu versorgen, sei das jedoch nicht. Nur so können Sie Schwankungen ausgleichen, denn meist gehen ja nicht alle Branchen gleichzeitig in die Knie. Der Bereich Medizintechnik etwa lieferte bei Linos auch in der Krise zuverlässiges Wachstum.
Litfin traut auch der Branche noch einiges zu. Wachstumsraten von mehr als zehn Prozent haben wir auch in der Vergangenheit häufig gehabt, sagt er, und da in Zukunft 30 Prozent der Elektronik durch Optik ersetzt werden dürfte, sollte so ein Wachstum weiter möglich sein. Auch sein Unternehmen werde von dieser Entwicklung profitieren. Ob wir allerdings weiter überproportional wachsen, weiß ich nicht. Wir setzen derzeit mehr auf überproportionales Ertragswachstum, erklärt Litfin. Das schlägt sich nicht zuletzt in einem niedrigen Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) nieder. Auf Basis der für 2005 erwarteten Gewinne liegt das KGV unter zehn - die Linos-Aktie ist damit auch im Branchenvergleich derzeit recht preiswert zu haben.
Kunden sitzen oft weit entfernt>
Auch LPKF ist wieder auf Wachstumskurs - dank technologischer Neuentwicklung und der konjunkturellen Erholung der Elektroindustrie, die die Garbsener mit Lasersystemen für die Mikrobearbeitung beliefert. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hackmann weist jedoch auch auf Probleme hin, mit denen die deutschen Unternehmen trotz ihrer recht bedeutenden Rolle auf dem Weltmarkt konfrontiert sind: Unsere Kunden sitzen sehr häufig nicht in Deutschland, das macht die Sache schwierig. Denn wenn ein neues Problem auftauche, wendeten die meisten Kunden sich zunächst an die Hersteller vor Ort - in Taiwan, China oder Korea. Da muss man aufpassen, daß die Konkurrenz nicht eher die Info bekommt, welche neuen Produkte gebraucht werden, so Hackmann. Am besten mit eigenen Büros vor Ort: Wir müssen dem Markt folgen.
Diesem Rat sollten auch die Anleger folgen. So erfolgreich das Unternehmen auch agieren mag, die Aktie befindet sich seit einem halben Jahr in einem intakten Abwärtstrend, ohne daß gegenwärtig ein Boden erkennbar wäre. Die Marktkapitalisierung des Unternehmen hat sich seit März dieses Jahres mehr als halbiert - notierten die Anteile im Frühling noch bei über sechs Euro, so kostet eine Aktie heute keine drei Euro mehr. Einsteigen sollte man trotz dieses Preisverfalls dennoch erst dann, wenn sich eine echte Trendwende abzeichnet.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an qualifizierten Ingenieuren - die entsprechenden Studiengänge sind oft unterbesetzt. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) beziffert die Lücke auf 15.000 Personen. Gute Leute fehlen nicht nur in der Branche selbst, so Litfin von der Linos AG, sondern auch bei den Kunden, um die Technologie optimal einsetzen zu können. Da helfe nur die enge Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten. Auch für die staatliche Forschungsförderung ist dies ein wichtiger Bereich. So hat das öffentlich geförderte Laserzentrum Hannover seine Ausbildungsaktivitäten sogar in einer Laserakademie gebündelt und bildet Ingenieure, Naturwissenschaftler, aber auch arbeitslose Quereinsteiger für den Einsatz im Bereich optische Technologien weiter.
Spitzenposition auch ein Verdienst der Forschungsförderung
Die Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat nicht nur in den Augen von Ministerin Bulmahn einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, daß Deutschland sich in der Lasertechnologie vom Importeur zum Exporteur entwickelt hat. Die Gelder werden effizient eingesetzt, da sie meist direkt in Projekte fließen - an denen sich ein Unternehmen finanziell beteiligen muß, erklärt Litfin. Auch Peter Wirth von der Rofin Sinar AG ist voll des Lobes: Wir haben es in Deutschland geschafft, eine sehr anwendungsorientierte Forschungsinfrastruktur aufzubauen, sagt er. Darum beneidet man uns in ganz Europa, sogar in Amerika.
110.000 Arbeitsplätze hingen an der Branche, schätzt Christoph Matschie, bis vor kurzem Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF - dabei dürften die Anwender allerdings bereits mitgerechnet sein. Dennoch, Grund genug für die Politik, im Engagement nicht nachzulassen. 280 Millionen Euro will das BMBF in den nächsten Jahren in die Branche pumpen. Das macht durchaus Sinn, trotz der Spitzenposition, bestätigt Unternehmensberater Mayer, denn die Technologie wandelt sich schnell. Zudem stünden Japan und Amerika der Förderung in Deutschland vom Volumen her in nichts nach - und holten auf. Keine Zeit also, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: dpa
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,86 € | +3,63% |
| Volkswagen | 75,10 € | +1,58% |
| Dt. Telekom | 10,42 € | +1,26% |
| MAN | 55,06 € | +1,18% |
| Allianz | 87,29 € | +1,17% |
| Fresenius Vz | 48,33 € | −1,15% |
| Henkel Vz | 36,49 € | −1,16% |
| Commerzbank | 5,90 € | −1,17% |
| Dt. Bank | 50,10 € | −1,36% |
| K+S | 40,83 € | −1,76% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.945,69 | +0,26% |
| TecDAX | 810,97 | −0,84% |
| MDAX | 7.484,31 | +0,40% |
| SDAX | 3.561,79 | +0,40% |
| REX | 377,94 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.945,71 | +0,67% |
| Dow Jones | 10.464,90 | +0,49% |
| Nasdaq 100 | 1.839,51 | +0,59% |
| S&P500 | 1.118,02 | +0,36% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4250 | −0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 73,46 $ | +0,01% |
| Gold | 1.084,00 $ | −1,94% |
| Bund Future | 122,36 € | −0,44% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 17:35 |
308,96 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 17:35 |
145,16 | 141,26 | 130,27 |
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