15. Mai 2008 Die Finanzmarktkrise hat wieder zugeschlagen: Dieses Mal musste die britische Großbank Barclays im ersten Quartal Abschreibungen von netto einer Milliarde Pfund (1,3 Milliarden Euro) vornehmen. Zu Handelsbeginn zog der Aktienkurs an der Londoner Börse zunächst sogar an.
Die Bank hatte in einer Pflichtmitteilung eine am Markt allgemein erwartete Kapitalerhöhung nicht bekannt gegeben. Das beruhigte zunächst. Doch dann erinnerten sich die Anleger offenbar daran, dass auch die britischen Konkurrenten HBOS und Royal Bank of Scotland auch zunächst mitgeteilt hatten, dass eine Aufstockung des Kapitals trotz enormer Belastungen aus der Finanzkrise nicht notwendig sei und dann doch eine durchführten.
Ungünstiges Umfeld für Emissionen
Das Umfeld für Aktienemissionen ist derzeit jedoch ungünstig, so dass die Banken zum Teil hohe Nachlässe einräumen müssen, um die neuen Aktien zu platzieren. Das belastet den Aktienkurs.
Barclays verteidigte jedoch ihre Einschätzung der eigenen Kapitalausstattung. Aktuell liegen die Kapitalquoten der Londoner Bank unter den Zielvorgaben. Finanzvorstand Chris Lucas führte während einer Telefonkonferenz am Donnerstag aus, die Bank sei darauf vorbereitet, die aktuellen Kapitalquoten über oder unter den Zielvorgaben zu halten, abhängig von den Marktkonditionen.
Deshalb drehte auch der Barclays-Kurs am Vormittag rasch und lag mehr als 3 Prozent im Minus bei 413,50 britischen Pence. Damit hat sich der Titel sogar noch recht gut gehalten im Vergleich zu den Aktien der Royal Bank of Scotland, die mehr als 14 Prozent schwächer tendierten. Der Kurs brach aufgrund eines Bezugsrechts-Abschlags optisch ein.
Royal Bank of Scotland erhöht das Kapital
Nach der Genehmigung der Kapitalerhöhung von rund 12 Milliarden Pfund auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch wurde am Donnerstag mit dem Handel von Bezugsrechten begonnen. Die Bezugsrechte werden im Verhältnis 11 zu 18 mit einem Bezugspreis von 200 Pence bis zum 6. Juni gehandelt. Der Adjustierungsfaktor einer alten Aktie liegt damit bei 0,858316. Das entspricht rechnerisch einem Minus von 15 Prozent.
Dennoch gehen viele Anleger davon aus, dass sich die Lage der Royal Bank of Scotland noch verschlimmern könnte. Denn Barclays hatte in den vergangenen Jahren einen deutlich weniger expansiven und somit weniger riskanten Kurs eingeschlagen als die ambitionierte Bank aus Schottland.
Gegen den Kursverfall halfen auch die Bekräftigungen von Barclays nicht, dass sie trotz der Wertberichtigungen in den ersten drei Monaten profitabel war, auch wenn das Ergebnis unter dem des sehr starken Vorjahres liegt. 2007 hatte die nach Marktkapitalisierung drittgrößte britische Bank angesichts der Immobilienmarktkrise einen Verlust von 1,6 Milliarden Pfund erlitten.
Barclays will die Märkte beruhigen
Im April seien in den Bereichen Global Retail and Commercial Banking sowie Investment Banking and Investment Management, ohne Barclays Capital, Ergebnisse erzielt worden, die über den Vorjahresvergleichszahlen lägen. Während sich das Geschäft mit Privatkunden und Firmenkunden stark entwickelt habe, litt das Investmentbanking unter der Kapitalmarktkrise. Das Ergebnis der Sparte sei unter dem Strich trotz eines positiven Sondereffekts von 700 Millionen Euro mit einer Milliarde Pfund belastet worden. Zudem will sich die Bank in puncto Kapitalmanagement alle Optionen offen halte.
Laut Finanzvorstand Lucas hat Barclays andere Optionen, um ihre Kapitalbasis zu managen: Man halte sich weiterhin alle Möglichkeiten offen. Lucas wollte sich nicht dazu äußern, ob Barclays die Möglichkeit von Kapitalspritzen durch ausländische Fonds oder andere Investoren erörtert habe. Im vergangenen Jahr haben sich die China Development Bank und die staatseigene Investmentgesellschaft Temasek aus Singapur an der Bank beteiligt.
Panmure Gordon rät zum Aktienverkauf
Die Analysten reagierten auf diese neuen Informationen von der Barclays Bank zum Teil negativ. Panmure Gordon bestätigte Barclays mit der Einschätzung Verkaufen und setzte das Kursziel: weiterhin auf 305 Pence. Dies liegt nun nur noch geringfügig über dem aktuellen Kurs.
Die Analysten von Panmure Gordon schließen nicht aus, dass Barclays weitere Abschreibungen vornehmen muss. Besorgt äußern sich die Experten mit Blick auf den Zwischenbericht des Managements: Weder lasse sich diesem eine Prognose der Ertragsentwicklung entnehmen, noch äußere sich die Bank zu einer möglichen Kapitalerhöhung.
Lehman Brothers dagegen sieht Barclays unverändert positiv. Die Aktien dürften vorerst aber unter den schwachen Aussichten der britischen Banken leiden. Der Markt beurteile Barclays indessen anhand entsprechender Kapitalmaßnahmen anderer britischer Banken. Daran werde sich vorerst nichts ändern.
Text: hlr.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,20 | +4,04 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,37 | +2,54 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +0,51 | +1,61 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -13,94 | -11,97 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,78 | -8,04 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -9,07 | -7,93 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.341,30 | -1,54 |
| TecDax | 713,89 | -1,07 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.303,44 | -1,52 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,26 |
| Bund Future | 111,45 | +0,46 |
| Gold | 932,02 | +0,47 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
