16. April 2002 Zwar gerät die Aktie von Pernod Ricard nach Vorlage der Jahreszahlen in Paris unter Druck. Doch die Ergebnisse des Jahres 2001 und der Ausblick scheinen die Stimmen zu bestätigen, die an einen Erfolg der riskanten Fokussierungsstategie glauben. Bis zum Mittag verliert die Aktie, die in diesem Jahr schon rund zwölf Prozent zugelegt hat, 5,5 Prozent auf 88,70 Euro.
Zwar ist der Zuwachs beim Nettogewinn von 84 Prozent auf 358 Millionen Euro durch den Verkauf von Orangina und anderer Soft-Drink-Marken aufgebläht worden. Doch auch der Ergebniszuwachs im Kerngeschäft Wein und Spirituosen von 14 Prozent auf 301,9 Millionen Euro, der nach Aussage von Analysten weitgehend organisch war, bleibt beeindruckend. Beim Nettogewinn hatten die Analysten im Schnitt nur mit 340 Millionen Euro gerechnet. Den Konzernumsatz hatte Pernod schon früher mit 4,6 Milliarden Euro (plus vier Prozent) beziffert.
Integration der neuen Marken entscheidend
Pernod will sich ganz auf alkoholische Getränke konzentrieren. 2001 hatten die Franzosen mehrere Spirituosenmarken von Seagram, darunter Martell Cognac und Chivas Regal Whisky, für 2,6 Milliarden Dollar übernommen.
Die Kernfrage für das Geschäft ist damit, ob Pernod die zuvor fallenden Umsätze dieser Marken nachhaltig umkehren kann, betont Nikolaas Faes von BNP Paribas, der die Aktie mit outperform bewertet.
Immer noch hoher Bewertungsabschlag
Wegen der nach wie vor bestehenden Integrationsrisiken sei ein Bewertungsabschlag für die Aktie gerechtfertigt, meinen die Analysten von Goldman Sachs. Verglichen mit dem britischen Konkurrenten Diageo betrage dieser Abschlag jedoch rund 30 Prozent, was zu hoch sei und sich weiter verringern dürfte.
Dafür scheint auch der Ausblick Pernods zu sprechen, der für 2002 ein Ergebnis pro Aktie von rund 6,40 Euro in Aussicht stellt, etwas mehr als die durchschnittliche Analystenprognose von 6,35 Euro. Aus den Gewinnschätzungen der Analysten laut I/B/E/S errechnen sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 14,8 für 2002 und 13,1 für 2002. Ein zu großer Abschlag gegenüber der Branchengröße Diageo, die derzeit mit einem KGV für 2002 von rund 20 gehandelt wird, meinen auch die Analysten der Deutschen Bank, die Pernod Ricard mit Kursziel 100 Euro zum Kauf empfehlen.
Fazit: Jahreszahlen und Ausblick lassen auf eine erfolgreiche Integration der Seagram-Sparten hoffen. Damit würde sich der nach wie vor bestehende Bewertungsabschlag der Pernod-Aktie weiter verringern. Trotz der bisherigen Kursanstiegs stehen die Chancen gut, dass sich der Titel weiterhin besser als der Markt entwickelt. Ein allzu hohes Wachstum scheint aber im gesättigten Markt für alkoholische Getränke kaum mehr möglich.
Fünfjahreschart der Pernod-Ricard-Aktie.
Text: @la
Bildmaterial: dpa
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,57 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 887,72 | +3,02 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |