Finanzdienstleister

MLP-Aktionäre sind derzeit schlecht versichert

MLP-Gebäude in Wiesloch bei Heidelberg

MLP-Gebäude in Wiesloch bei Heidelberg

02. November 2007 Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP, der seine Kunden unter anderem zum Thema Altersvorsorge berät, ist derzeit selbst alles andere als ein beruhigendes Vorruhestandsinvestment. Am Freitag legt der Titel zwar leicht auf 9,09 Euro zu, verglichen mit dem noch Ende Februar gültigen Stand hat sich der Wert inzwischen mehr als halbiert. Noch trüber fällt die Bilanz aus, wenn man die im Mai 2006 erreichten Kurse von 22,59 Euro heranzieht.

Wegen der stark gesunkenen Notierungen haben zuletzt erste Analysten den Wert zwar hochgestuft. So erhöhten die Analysten von J.P. Morgan unlängst das Anlageurteil von Untergewichten auf Neutral und die Analysten der Citigroup von Halten auf Kaufen, gleichzeitig wurde aber das Kursziel von 15,80 Euro auf 13,00 Euro gesenkt. Aber obwohl dieses Kursziel deutlich über der aktuellen Notiz liegt und die Gesellschaft zudem mitgeteilt hatte, weitere eigene Aktien zurückzukaufen, hat das der Aktie bisher wenig geholfen.

Gespanntes Warten auf die Quartalszahlen

Am kommenden Mittwoch hat das Unternehmen theoretisch die Chance, mit guten Zahlen für das dritte Quartal die Trendwende einzuläuten. Aber es dürfte schwer fallen, den Markt restlos zu überzeugen. Denn die jüngsten Kursverluste haben mit der Angst vor einem schwierigen Marktumfeld und folglich einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung zu tun. Und den zwischenzeitlich gemachten Beteuerungen des Vorstands, wonach von einem Erreichen des Jahresziels beim Gewinn vor Steuern und Zinsen aus den fortgeführten Geschäften ausgegangen wird, hat man bisher jedenfalls ganz offensichtlich keinen Glauben geschenkt.

Selbst die Citigroup wies trotz ihrer Kaufempfehlung darauf hin, dass die Lage weiterhin angespannt bleibe. Hinter den Wachstumszielen beim Ausbau der Beraterzahl stehe ein Fragezeichen; auf dem deutschen Markt seien neue Wettbewerber hinzugekommen (unter anderem will der frühere MLP-Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen gemeinsamen mit einem weiteren ehemaligen MLP-Manager einen neuen Finanzvertrieb gründen) und neue Regulierungsvorschriften, wie die ab Anfang 2008 vorgeschriebene Offenlegung der Provisionen gegenüber den Kunden, stellten eine Belastung dar. Auch die Fluktuation auf der Vorstandsebene mit dem Abschied des Finanz- und des Vertriebsvorstands sind nicht gerade dazu angetan, für Vertrauen bei den Investoren zu sorgen.

Die Branche hat derzeit einen schweren Stand

Nach den herben Einbußen der vergangenen Wochen dürfte kurzfristig gesehen aber schon viel Negatives im Kurs vorweggenommen sein. Wenn MLP nicht mit gravierenden Hiobsbotschaften bei der Vorlage der Quartalszahlen aufwartet, kann es deshalb durchaus zu einer kleinen Gegenreaktion kommen. Um nachhaltig die Trendwende einzuläuten, müsste es dem Vorstand aber gelingen, die Marktteilnehmer trotz der erwähnten Probleme, welche nicht nur MLP, sondern die ganze Branche betreffen, davon zu überzeugen, dass die Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre intakt sind. Die Messlatte in dieser Hinsicht liegt durchaus hoch, rechnen Analysten im Schnitt doch mit einem Anstieg beim Gewinn je Aktie von 2006 bis 2008 von fast 39 Prozent.

Die für eine Kurstrendwende erforderliche Überzeugungsarbeit dürfte aber nur schwer fruchten, denn wie der ebenfalls eingetretene Kursverfall bei den Konkurrenten AWD und OVB zeigt, wird derzeit die ganze Branche in Sippenhaft genommen. Und auch die Charttechnik spricht bei MLP mit einem lupenreinen Abwärtstrend gegen eine schnelle Kehrtwende. Sollte die Notiz sogar nachhaltig unter neun Euro fallen, dann würde sich das Chartbild vielmehr sogar noch einmal zusätzlich eintrüben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET

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