Schwellenländer

Chinas Wachstum legt raschere Yuan-Aufwertung nahe

25. Oktober 2007 Die chinesische Volkswirtschaft hat im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum 11,5 Prozent zugelegt. Wie von Ökonomen erwartet, bewegt sich das Wachstum damit nach einem Zwölf-Jahres-Hoch von 11,9 Prozent im Vorquartal weiter auf hohem Niveau.

Durch die lebhafte Konjunktur steigt der Druck auf Peking, die Währung aufzuwerten und die Zins- und Finanzierungskosten anzuheben, um die Inflation zu dämpfen und eine weitere Blasenbildung bei Vermögenswerten zu verhindern. „Wir gehen davon aus, dass der Yuan-Kurs in den kommenden drei Monaten im Rahmen mehrerer Maßnahmen zur Abkühlung der Wirtschaft rascher steigen wird“, sagte Wang Qing, Chefvolkswirt für China bei Morgan Stanley in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Yuan legt zumindest gegen den Dollar weiter zu

Der chinesische Leitindex CSI 300 gab am Donnerstag nach der Veröffentlichung der Wachstumszahlen nahezu fünf Prozent auf zuletzt 5.443 Zähler nach, so stark wie seit sechs Wochen nicht mehr. Anleger spekulierten auf eine unmittelbare Erhöhung der Leitzinsen, die die Unternehmensgewinne belasten würde. Es wäre der sechste Zinsschritt seit Jahresbeginn.

Zhou Xiaochuan, der Gouverneur der Chinesischen Volksbank, erklärte vergangene Woche, er halte höhere oder häufigere Zinserhöhungen für möglich. Auch äußerte er sich besorgt über die steigenden Preise für Vermögenswerte wie Aktien. Der CSI 300 hat in diesem Jahr bereits über einhundert Prozent zugelegt. Dies entspricht einem Anstieg der Marktkapitalisierung der Börsen Chinas um 2,5 Billionen Dollar oder umgerechnet 1,8 Billionen Euro. Die Summe entspricht dem Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2006.

Der Yuan legte am Donnerstag auf bis zu 7,4834 Yuan je Dollar zu, von 7,4926 am Mittwoch, so dass die Währung auf den höchsten Wochengewinn seit fünf Wochen zusteuert. Seit der Abschaffung der Bindung an den Dollar im Juli 2005 ist der Yuan-Kurs gegen die amerikanische Währung um mehr als zehn Prozent gestiegen. Zum Euro dagegen ist die Währung um sieben Prozent gefallen, obwohl der Handelsbilanzüberschuss Chinas mit dem Euroraum in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat.

Wie das Statistikbüro der Regierung am Donnerstag bestätigte, fiel die Inflation im September gegenüber dem Vormonat von 6,5 Prozent auf 6,2 Prozent. Grund hierfür sei ein Rückgang der Teuerung bei den Nahrungsmittelpreisen gewesen, hieß es. Allerdings sollten kritische Anleger berücksichtigen, dass die Preisbildung in vielen Staaten mit ausgeprägten zentralen Steuerungselementen - also zum Beispiel auch in den Golfstaaten - nicht dem Marktmechanismus unterliegen. Aus diesem Grund können Indikatoren wie die ausgewiesene Inflationsrate zumindest kurzfristig beliebig gesteuert oder manipuliert werden.

Massiver Zuwachs des Handelsbilanzüberschusses

Andere Statistiken, zum Beispiel jene der Vereinigten Staaten oder auch Europas werden durch die Zusammensetzung der gewählten Warenkörbe und durch die Berücksichtigung heuristischer Faktoren beeinflusst. Sie haben aus diesem Grund oft nur noch wenig mit der „gefühlten Inflation“ des Konsumenten beim täglichen Einkauf zu tun. In China liegt die Inflationsrate inzwischen mehr als hundert Prozent über dem Inflationsziel der Zentralbank von drei Prozent jährlich - und höher als der Leitzins für einjährige Bankeinlagen, der 3,87 Prozent beträgt. Dies heizt die Spekulation am Aktien- und Immobilienmarkt ebenso an und treibt die Preise auf unnatürliche Niveaus. So sind in China nicht nur viele Immobilienmärkte überbewertet. Auch die Aktienmärkte der Binnenbörsen befinden sich nach Einschätzung vieler Experten in einer ausgeprägten Kursblase.

Der Handelsbilanzüberschuss stieg in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 69 Prozent auf 185,7 Milliarden Dollar. Damit liegt der Saldo bereits jetzt höher als jener des bisherigen Rekordjahrs 2006 insgesamt. Die hohen Einnahmen und die Mittelzuflüsse aus dem Ausland heizen das Investitionsklima an: Die Investitionen in Fabrikanlagen und Immobilien in den städtischen Regionen stiegen um 26,4 Prozent, zeigen die vom Statistikbüro vorgelegten Zahlen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2006 belief sich der Zuwachs auf 24,5 Prozent.

Inflationsproblem

Die Investitionen steuerten in den ersten neun Monaten 42 Prozent zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei, der Inlandskonsum 37 Prozent. Auf die Auslandsnachfrage seien 21 Prozent entfallen, sagte Li Xiaochao, ein Sprecher des Statistikamtes. Das Wachstum Chinas habe sich im dritten Quartal stabilisiert und die Inlandsnachfrage sei gestiegen, so dass das Wachstum ausgewogener verlaufe, erklärte der Sprecher optimistisch. Als Risiken für die Wirtschaft des Landes bezeichnete er den Ölpreis, die Krise am amerikanischen Eigenheimmarkt sowie einen geringeren Konsum in den Vereinigten Staaten.

Insgesamt hängt die chinesische Wirtschaft nach wie vor stark vom Export ab. Dieser wird zusätzlich gefördert durch Exportsubventionen aller Art und vor allem auch durch eine unterbewertete Währung. Diese führt zu einer massiven Zunahme der Währungsreserven, die zusammen mit zu niedrigen Zinsen nicht nur zu inflationären Effekten, sondern auch zu einer Fehlallokation der Investitionen führen. Um solche Exzesse und daraus später daraus resultierende Verwerfungen zu vermeiden, dürfte China nicht nur die Zinsen weiter erhöhen, sondern vor allem auch die Währung schneller als bisher aufwerten müssen. Das würde andere Währungen Asiens - so ist auch der Yen deutlich unterbewertet - mit nach oben nehmen.

Allerdings ist das keine Einbahnstrasse. Denn mit aufwertenden Währungen nähmen die kompetitiven Vorteile ab, während in Europa und den Vereinigten Staaten die inflationären Impulse zunähmen. Interessant sind aus diesem Grund für Anleger nur jene Branchen und Unternehmen, die damit zurecht kommen. Welche das im Detail sind, dürfte sich erst noch zeigen müssen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: e-fundresearch.com/Lipper, F.A.Z./Lipper, FAZ.NET, Lombard Street Research, National Bureau of Statistics of China

 

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