08. Januar 2007 Mit deutlichen Kursgewinnen konnten in den vergangenen Monaten auch die Aktien der meisten europäischen Air Lines an der Hausse an den Börsen teilnehmen. Blieb ihre Performance die längste Zeit hinter dem breiten Markt zurück, so zeigten sie in den vergangenen Monaten einen überdurchschnittliche Dynamik nach oben und überholten quasi die Indizes.
Das dürfte einerseits mit dem zumindest momentan nachlassenden Ölpreis zusammenhängen, der die Unternehmen der Branche zumindest in den Augen der Anleger profitabler zu machen scheint. Gleichzeitig dürfte auch die anhaltende Medieneuphorie über den überraschenden Wirtschaftsboom in Europa eine Rollen spielen. Denn läuft die Konjunktur rund, so wird auch viel geflogen, so die Intuition. Sei es für's Geschäft oder in den Urlaub.
Luftfahrtpapiere sind hochzyklisch ...
Allerdings sollten die Werte der Branche mit einer gehörigen Portion Vorsicht betrachtet werden. Denn erstens ist der Konkurrenzkampf sehr hart. Zweitens sind die Papiere hochzyklisch. Das heißt, sie reagieren überdurchschnittlich auf eine positive konjunkturelle Entwicklung und entsprechend negativ auf eine Abschwächung. Gleichzeitig sind sie sehr sensibel für einen externen Schock, wie er beispielsweise am elften September des Jahres 2001 auftrat. Insgesamt sind diese Aktien sicherlich keine Papiere für Witwen und Waisen.
Sollte das amerikanische Wachstum deutlicher nachlassen, so dürfte sich das in der Weltwirtschaft bremsend und auf diese Weise auch bei der Ertragsentwicklung der Luftfahrtunternehmen entsprechend bemerkbar machen. Gleichzeitig dürfte die konjunkturelle Entwicklung in Europa derzeit deutlich überschätzt werden. Denn sie beruht in erster Linie auf dem Erfolg der international tätigen Unternehmen und weniger stark auf dem Binnenmarkt.
Dort mögen zwar Vorzieheffekte mit Blick auf die Mehrwertsteuererhöhung für eine gewisse Dynamik gesorgt haben. Allerdings kommt in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich der Bumerang in mehrfacher Form: Erstens bleiben die Folgeaufträge aus und sorgen für eine entsprechenden Auftragsrückgang. Zweitens sorgen zu deutlich erhöhte Preise - viele Anbieter haben sie nicht nur um den Mehrwertsteuereffekt erhöht, sondern deutlicher - für einen Dämpfer bei der Nachfrage. Drittens dürfte die Europäische Zentralbank gezwungen werden, aufgrund der Preiserhöhungen und möglicherweise überhöhter Lohnabschlüsse restriktiver zu werden, als ohne diesen wirtschaftspolitischen Fehler.
... teilweise optisch günstig bewertet
Abgesehen davon scheinen die geopolitischen Spannungen zuzunehmen. Sie lassen sich in erster Linie an den anhaltenden Unruhen im Irak und nicht zuletzt an Gerüchten über Präventivschläge gegen iranische Atomanlagen ablesen. In diesem Fall dürfte ein größerer Konflikt in der Region sehr wahrscheinlich werden. Das würde den Ölpreis mit hoher Wahrscheinlichkeit dramatisch nach oben treiben, liegen doch große Teile der globalen Ölreserven im unmittelbaren Einflussbereich.
Auf dieser Basis mögen Aktien wie die von Air France und Britisch Airways mit Kurs-Gewinnverhältnissen (KGV) von 13,4 und knapp zwölf oder 12,7 und 10,6 auf Basis der Gewinnschätzungen für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr bei Optimisten noch gewisse Reize haben. Dagegen sind die Papiere der Lufthansa mit KGVs von 20 und 15,8, von Easyjet mit KGVs von 21,2 und 15,8, von Ryanair mit KGVs von 24 und 19 doch schon relativ teuer. Auch wenn Easyjet und Rynaair im Dezember die Anzahl der beförderten Passagiere um elf und gar 19 Prozent steigern konnten. Denn solche Zahlen sind im Falle eines Falles rasch ad acta gelegt.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Lufthansa
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |