Elektronikindustrie

Turn-Around-Spekulationen bei Sony

Sony-Hauptquartier in Tokio

Sony-Hauptquartier in Tokio

26. Januar 2006 „Totgesagte leben länger“ - das gilt im übertragenen Sinne manchmal auch für die Aktien von Unternehmen, die in tiefe betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Oft haben sie in dieser Situation mit fallenden oder zumindest stagnierenden Umsätzen und mit operativen Verlusten zu kämpfen. Hält dieser Zustand länger an, so befinden sich die Papiere eines solchen Unternehmens in der Regel in einem Abwärtstrend.

So lange es sich darin hält, bleibt es uninteressant. Anders sieht es jedoch aus, wenn es in Verbindung mit einer operativen Restrukturierung nach einer gewissen Bodenbildung nach oben ausbrechen kann. Und genau das ist in den vergangenen Wochen bei Sony passiert. Ausgehend von einem Kursniveau von etwa 3.700 Yen noch im Oktober des vergangenen Jahres hat die Aktie inzwischen etwas mehr als 40 Prozent auf zuletzt 5.210 Yen zugelegt und ist auf diese Weise aus der Seitwärtsbewegung der Monate davor nach oben ausgebrochen.

Sony - bekannter Name, bekannte Marken ...

Hintergrund waren einerseits Nachrichten, nach welchen ein saudischer Milliardär in größerem Stile beim Unternehmen eingestiegen sei. Er hat in der Vergangenheit schon mehrfach gute Griffe getan, indem er sich Aktien von Unternehmen ins Depot legte, die scheinbar hoffnungslos am Boden lagen. Dabei legt er vor allem auf eines Wert :gute und bekannte Marken, die sich wieder reaktivieren lassen. Und davon dürfte Sony - neben der internationalen Geläufigkeit des eigenen Namens - ohne Zweifel einiges im Portfolio haben, auch wenn das in den vergangenen Jahren nichts gebracht zu haben scheint.

Inzwischen befindet sich das Unternehmen einerseits auf einem Restrukturierungskurs und dürfte auf der anderen Seite von mehreren vorteilhaften Entwicklungen profitieren können. Einerseits vom sich offensichtlich wiederbelebenden Konsum in Japan, zum anderen von der anhaltend positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere auch in den asiatischen Staaten.

In jüngster Zeit scheint das Geschäft mit den Playstations und Flachbildschirmen so gut zu laufen, daß das Unternehmen den noch bis vor kurzem zu befürchtenden ersten Verlust seit elf Jahren offensichtlich wird vermeiden können. Sony geht nun davon aus, im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn von 70 Milliarden Yen oder umgerechnet 493 Millionen Euro erzielen zu können. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte der Nettogewinn im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 18 Prozent auf einen Rekord von knapp 169 Milliarden Yen gesteigert werden. Er hat damit die Analystenschätzungen um mehr als das Doppelte übertroffen.

... positive operative Entwicklung von niedriger Basis

Der Umsatz verbesserte sich im Vergleich mit der Vorjahresperiode um zehn Prozent auf einen Quartalsrekord von 2,37 Billionen Yen, der operative Gewinn um 47 Prozent auf 203 Milliarden Yen. Der Aktienkurs legt daraufhin in Europa um knapp acht Prozent auf 37,95 Euro zu.

Bei der operativen Entwicklung spielte vor allem die wiederbelebte Ertragskraft bei steigenden Umsätzen im Elektronikbereich eine positive Rolle, die helfen dürfte, die Kosten in Höhe von etwas mehr als 200 Milliarden Yen für das laufende Restrukturierungsprogramm einzuspielen. In diesem Rahmen sollen insgesamt etwa 10.000 Arbeitsplätze abgebaut, elf Produktionsstätten geschlossen und die Investitionen in den Chip- und Fernsehproduktion erhöht werden. Das Unternehmen scheint im Weihnachtsgeschäft vor allem auch mit Flachbildschirm-Fernsehern gute Geschäfte gemacht zu haben. In diesem Bereich sehen Strategen momentan noch deutliches Marktpotential.

... hohe Bewertung der Aktie

Insgesamt scheint sich das Unternehmen überraschend rasch von seiner Krise erholen zu können. Allerdings scheinen die Anleger schon weit und vor allem auch optimistisch in die Zukunft zu blicken. Denn mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 74 und von 34 auf Basis der Gewinnprognose des Unternehmens für das laufende Jahr und von optimistischen Schätzungen für das kommende ist das Papier inzwischen schon wieder recht teuer geworden. Absicherungsstrategien drängen sich förmlich auf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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