Vinci, Eiffage-Macquarie und Abertis erhalten Autobahnen

14. Dezember 2005 chs. PARIS, 14. Dezember. Die französische Regierung hat die Käufer für die drei staatlichen Autobahngesellschaften festgelegt. Danach erhält der französische Baukonzern Vinci den größten französischen Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France (ASF), der vor allem im Südwesten Frankreichs tätig ist und Städte wie Toulouse und Bordeaux unter anderem mit Spanien verbindet. Der zweitgrößte Autobahnbetreiber APRR, der sich auf den Südosten mit Städten wie Lyon und Marseille konzentriert, geht an das Konsortium aus dem französischen Bauunternehmen Eiffage und dem australischen Finanzhaus Macquarie. Die kleinste Autobahngesellschaft schließlich, Sanef mit ihrem Straßennetz im Norden und Nordosten Frankreichs, wird von einem Konsortium gekauft, das der spanische Autobahnbetreiber Abertis anführt und dem auch die staatliche französische Beteiligungsgesellschaft CDC, die französischen Versicherer Axa, CNP und Predica sowie die Familie Peugeot angehören.

Der französische Staat wird durch den Verkauf seiner Anteile von gut 50 Prozent an ASF, von 70 Prozent an APRR und 75 Prozent an Sanef rund 14,8 Milliarden Euro einnehmen. Vinci wird für ASF 50 Euro je Aktie der ihnen zugestandenen Unternehmen zahlen, Eiffage-Macquarie 61 Euro und das Konsortium um Abertis 58 Euro. Dies entspricht Aufschlägen gegenüber dem gestrigen Kurs von maximal 4 Prozent. Gegenüber dem Kursniveau von Mitte Juni errechnen sich jedoch Prämien von 15 Prozent für ASF, von 37 Prozent für APRR und von 39 Prozent für Sanef. Nach Angaben der Regierung müssen die Erwerber den gleichen Preis Minderheitsaktionären der Gesellschaften anbieten. Damit ergibt sich für Vinci ein Kaufpreis von rund 9 Milliarden Euro für jene Anteile, die das Unternehmen noch nicht besitzt; seit drei Jahren gehören dem Baukonzern bereits 23 Prozent an ASF. Eiffage-Macquarie muß 6,9 Milliarden Euro für APRR aufbringen und das Konsortium um Abertis rund 4 Milliarden für Sanef. Die Aktien der Autobahnbetreiber ASF und APRR gewannen am Mittwoch an der Pariser Börse um 1,5 beziehungsweise 0,7 Prozent. Nur jene von Sanef verloren fast 1,5 Prozent an Wert. Dagegen verzeichneten auch die Papiere der Bauunternehmen Vinci und Eiffage kräftige Zuwächse. Das erklärten Analysten damit, daß die Autobahnbetreiber deutlich höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufweisen als Baukonzerne.

Die französische Regierung will die Erlöse nach eigenen Angaben zu rund 10 Milliarden Euro dem Schuldenabbau zukommen und den Rest in den Straßenbau und andere Infrastrukturmaßnahmen fließen lassen. Sie betonte, daß nicht die Autobahnen selbst, sondern nur ihr Betrieb in Konzessionen vergeben werde, die maximal bis 2032 reichen. Auch die Hoheit über die Festlegung der Autobahngebühren bleibe der Regierung unterstellt.

Das einzige rein ausländische Konsortium um die spanische Gesellschaft Cintra, dem auch der Pensionsfonds kanadischer Lehrer und eine kanadische Investmentgesellschaft angehörten, erwägt, gegen die Zuschläge zu klagen, weil es den Verdacht hegt, wegen einer fehlenden Beteiligung aus Frankreich leer ausgegangen zu sein. Alle anderen Konsortien hatten sich auf Anraten der Regierung französische Anteilseigner ins Boot geholt. In der französischen Presse war berichtet worden, daß die Nationalität einen Einfluß gehabt habe. Cintra fühlt sich dadurch besonders benachteiligt, weil das Konsortium mit 62 Euro je Aktie für APRR den höchsten Preis geboten hatte. Der andere große Verlierer ist die italienische Autobahngesellschaft Autostrade, die sich vergeblich ebenfalls um APRR bemüht hatte.



Text: F.A.Z., 15.12.2005, Nr. 292 / Seite 16

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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