S&P-Analyse

„Deutsche Post wenig aufregend“

Von Thomas Miskell, Analyst bei Standard & Poor's MarketScope

Thomas Miskell, Standard & Poor's

Thomas Miskell, Standard & Poor's

02. Mai 2001 Die Performance der Post-Aktie seit dem Börsengang im November blieb selbst hinter unserer gedämpften Erwartung für einen niedrig bewerteten Defensivtitel zurück. Jetzt, da der Eintritt in den Deutschen Aktienindex die Spekulation auf Käufe von Indexfonds beendet hat (hatten die Spekulanten vergessen, dass Indexfonds außer Mode sind?), ist der Titel in einem Kursband unterhalb des Emissionspreises von 21 Euro gefangen.

Die heutige Pressemeldung, dass der Bund im Jahr 2002 die nächste Tranche platzieren will, war nicht eben hilfreich, kann aber kaum überrascht haben. Wir hatten diesen Schritt schon für Herbst 2001 erwartet. Von fundamentaler Seite sehen wir keinen Grund, unsere Verkaufsempfehlung für die Post-Aktie zu ändern.

Mit 1,36 Euro liegt der Gewinn pro Aktie für 2000 unter unserer Schätzung von 1,40 Euro. Unsere Prognosen für 2001 und 2002 passen wir daher auf je 1,45 Euro von 1,50 Euro an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 entspicht einem 40-prozentigen Abschlag gegenüber der niederländischen TPG, mit der die Deutsche Post gelegentlich, aber nicht sonderlich treffend verglichen wird.

Da die Post wohl das am detailliertesten untersuchte deutsche Unternehmen des vergangenen Jahres war, brachten die Bilanzzahlen wenig Neues. Der Umsatzanstieg um 46 Prozent auf 32,7 Milliarden Euro und der Ebita-Zuwachs von 158 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro wurden bestätigt. Die Dividende soll bei 0,27 Euro liegen.

Der außergewöhnliche Umsatzanstieg war von den Akquisitionen und den eingeschränkten Zahlungen an den Post-Pensionsfonds bestimmt. Vor dem Hintergrund eines nachlassenden Wachstums in den Hauptmärkten des Konzerns erwarten wir für dieses und nächstes Jahr nur einen bescheidenen Umsatzzuwachs zwischen einem und fünf Prozent. Wegen gewisser Synergien dürfte das Ebita zwischen zwei und neun Prozent wachsen.

Weiter Monopolgewinne im Briefbereich

Was die Geschäftsentwicklung der Post betrifft, wird das Monopol auf Briefe bis 200 Gramm und Massensendungen bis 50 Gramm bis Ende 2007 verlängert. Auf EU-Ebene verzögert sich der Liberalisierungsprozess möglicherweise noch weiter bis ins Jahr 2010. Auch was das Briefporto betrifft, erwarten wir trotz lautstarker Proteste deutscher Politiker kaum Anpassungen nach unten.

Die anderen Geschäftsfelder sind weniger aufregend

Der Geschäftsbereich Express, der internationale Briefe und das Paketgeschäft umfasst, ringt weiter mit hohen Fixkosten, Preisdruck und den Schwierigkeiten bei der Integration der Zukäufe. Mit einer Gewinnmarge von 1,3 Prozent ist der Bereich nur knapp in den schwarzen Zahlen.

Bei der Logistik, wo die Deutsche Post Weltmarktführer werden will, ist die Gewinnmarge mit 1,4 Prozent ebenfalls schwach. Das Management scheint hier auf Kosten der Profitabilität zu sehr auf Größe zu setzen. Die „Alles aus einer Hand“-Strategie halten wir zudem für verfehlt, zumal sie weitere Akquisitionen und Integrationskosten nach sich zieht.

Auch unsere kritische Haltung gegenüber dem Verbleib der Postbank im Konzern behalten wir bei. Wenigstens ist dieser Bereich mit einer Gewinnmarge von 6,3 Prozent profitabel. Aber auch hier macht die Integration der einzelnen Zukäufe Schwierigkeiten.

Recht bald könnte die Postbank daher der derzeitigen Konsolidierung im deutschen Finanzsektor zum Opfer fallen, und sich in völlig neuer Gestalt oder in einem anderen Finanzkonzern wiederfinden.


Text: @la

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