Auto-Aktien

Jetzt auch Renault?

Noch mehr Autos könnten bei Renault auf dem Werksgelände in Gennevilliers bei Paris in Zukunft stehen

Noch mehr Autos könnten bei Renault auf dem Werksgelände in Gennevilliers bei Paris in Zukunft stehen

19. November 2008 Nun also auch Renault? Sollte der ehemalige französische Staatskonzern der nächste Autohersteller sein, der in der aktuellen Krise unter die Räder gerät? Das ist noch nicht sicher, auch wenn die jüngsten Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn diese Spekulation an der Börse nährt.

Ghosn senkte am Mittwochmorgen seine Prognose für die operative Gewinnmarge im laufenden Jahr auf rund 2,5 Prozent. Bisher hatte er sie auf 2,5 bis 3 Prozent angesetzt. Auch die Zielmarke von 6 Prozent Gewinnmarge im kommenden Jahr werde Renault wohl verfehlen, ließ er durchblicken. „Wir müssen anerkennen, dass 2009 eines der schwierigsten der letzten 50 Jahre für unsere Branche und für die Gesamtwirtschaft sein wird“, sagte Ghosn in dem Interview. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand eine Spitzenleistung erwarten würde.“

Starke Kursverluste

Seit 1999 ist Renault auch eng verbunden mit dem japanischen Hersteller Nissan, den Ghosn in Personalunion ebenfalls führt. Dort sieht es kaum besser aus: In der laufenden zweiten Hälfte des Geschäftsjahres von Nissan rechnet Ghosn nur noch mit einer schwarzen Null. Später hatte ein Sprecher zwar diese Äußerung relativiert. Doch gab Ghosn eine klare Richtung bei der Gewinnentwicklung vor - und die zeigt nach unten.

Schon vor diesen Ankündigungen wies die Kursentwicklung der Renault-Papiere stark nach unten. 121,38 Euro war die Aktie auf ihrem historischen Hoch noch Mitte 2007 wert. Derzeit notiert sie auf weniger als einem Zehntel ihres damaligen Niveaus. Am Mittwoch tendierte der Titel an der Pariser Börse mehr als 4 Prozent schwächer bei weniger als 17 Euro. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat die Aktie somit mehr als 80 Prozent an Wert verloren.

Hohe Preisnachlässe notwendig?

Die Anleger, die jetzt ihre Bestände auf den Markt geben, sehen in der allgemeinen Autokrise vor allem eine Gefahr auf Renault zukommen: Die Möglichkeiten des Autoherstellers, die Produktion weiter zu kürzen, sind ihrer Meinung nach relativ gering. Um die Neuwagen, die vor den Fabriken auf Halde zu stehen, abzusetzen, werden deshalb möglicherweise hohe Preisnachlässe notwendig sein.

Dennoch lassen sich durchaus Argumente finden, warum Anleger mit der Renault-Aktie besser durch die Krise kommen könnten als mit anderen Titeln der Branche. Über seinen rumänischen Hersteller Dacia ist Renault im niedrigpreisigen Segment aktiv. Der plante ein Modell, das nur 5000 Euro kosten sollte. Das hat Dacia nicht ganz geschafft. Das günstigste Modell, das in Deutschland angeboten wird, ist der Dacia Logan, der zu ab 7200 Euro zu haben ist. Der Dacia Sandero kostet laut Liste 7500 Euro.

Viele Analysten skeptisch

Damit ist der Renault-Konzern im Markt der günstigen Fahrzeuge mit aggressiven Angeboten, die sich über den Preis verkaufen, auf jeden Fall sehr gut positioniert. Aber auch Renault hat ohnehin mit seiner Stammmarke im Segment der kostengünstigen Kleinwagen eine Stärke. Der Twingo beispielsweise wird in Deutschland zu einem Preis von weniger als 10.000 Euro angeboten.

Nach dem neuen Ausblick, den Ghosn gegeben hat, stehen die Chancen jedoch gut, dass Renault ohne Staatshilfen und ohne Verluste durch die Autokrise kommt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2,3 ist die Aktie niedrig bewertet. Allerdings sollte Kaufinteressenten bewusst sein, dass die Analystenstimmung sehr negativ ist. Die Hälfte von ihnen haben laut Bloomberg die Aktie auf „Verkaufen“ gestellt.

Text: hlr.
Bildmaterial: F.A.Z., Reuters

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