12. Februar 2008 Die anhaltende Kreditkrise treibt immer weitere Blüten. Kaum haben die Anleger eine schlechte Nachricht verdaut und sind in ihrem notorischen Optimismus wieder bereit, sich Aktien ins Depot zu legen, so kommt schon der nächste Rückschlag und macht sie wieder nervös.
Am Montag sorgt das weltgrößte Versicherungsunternehmen AIG für frische Verunsicherung. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Probleme mit der eigenen Bewertung seiner Derivate-Geschäfte. Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers hätten erhebliche Schwächen bei der internen Kontrolle der Bewertung strukturierter Kreditportfolios festgestellt, teilte der amerikanische Konzern am Montag mit.
Deutliche Kursverluste in den vergangenen Tagen
Das sorgte an der Börse im Tagesverlauf für Kursrückschläge von bis zu 12,2 Prozent auf 44,52 Dollar. Damit hat das Papier seit Mitte des vergangenen Jahres knapp 40 Prozent seines Wertes verloren. Es liegt charttechnisch inzwischen am unteren Rand der Seitwärtsbewegung der vergangenen Jahre. Sollte sie noch weiter nachgeben, führte das zumindest aus technischer Sicht für ein noch negativeres Zeichen.
Die Nachricht löste Befürchtungen aus, AIG könnte doch stärker in die Kreditkrise verwickelt sein, als der Konzern dies bislang angegeben hat. Und nicht nur AIG steht unter diesem Verdacht, sondern auch die restlichen Versicherungswerte beinahe weltweit. So verloren die Papiere der Aegon 4,4 Prozent, die der Swiss Re trotz des jüngsten Einstiegs von Warren Buffett 4,1 Prozent, von ING 2,85 Prozent, der Allianz 2,2 Prozent, die der Axa knapp zwei Prozent und die der Münchener Rück gaben 1,8 Prozent nach.
AIG hatte in einem so genannten Form 8-K-Filing mitgeteilt, die faire Bewertung des Super Senior Credit Default Swap Portfolios mit Bezug auf die Multi-Sector Collateralized Cebt Obligations (CDOs) der AIG Financial Products Corp. und der AIG Trading Group sowie deren Töchter angepasst zu haben. Das führte zu einem weiteren Bewertungsabschlag von 1,05 bis 1,15 Milliarden Dollar in den Monaten Oktober und November. Wie hoch die Bewertungsverluste für die Derivate insgesamt seien, die noch in die Ergebnisse des Jahres 2007 eingearbeitet werden müssten, stehe noch nicht fest. Der in der Meldung ausgewiesene kumulative Rückgang in der Bruttobewertung im Jahr 2007 liegt bei 5,96 Milliarden Dollar.
Gibt es noch mehr Leichen noch im Keller?
Morgan-Stanley-Analyst Nigel Dally zufolge müssen sich Anleger nach der Ankündigung der AIG fragen, welche Leichen noch im Keller liegen. Er gehe davon aus, dass mit einem Mark-to-Market-Verlust von knapp 5 Milliarden Dollar im anstehenden Quartalsergebnis zu rechnen sei. Bei einer umlaufenden Aktienzahl von 2,5 Milliarden Stücken würde eine Abschreibung in dieser Größenordnung mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einem Quartalsverlust führen.
Der Analyst wies zwar darauf, dass AIG ausreichend überschüssiges Kapital habe. Allerdings galt diese Einschätzung auch lange Zeit auch für viele Banken. Insgesamt dürfte es angesichts der anhaltenden Turbulenzen an den Kreditmärkten ratsam sein, Versicherungs- und Finanzwerten bis auf weiteres mit der nötigen Skepsis zu begegnen, auch wenn sie optisch noch so günstig aussehen mögen. Denn vieles deutet darauf hin, dass sich der Reigen der großen Abschreibungen noch fortsetzen wird. In den vergangenen Monaten mussten die Papiere der Banken zwar größere Kursverluste hinnehmen als die der Versicherer. Allerdings waren sie Rahmen des nun auslaufenden Kreditbooms auch stärker gestiegen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, GMO, GMO, BEA, 30.9.2007
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,50 | +1,18 |
| METRO AG STAMMAKTIEN | +0,08 | +0,21 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,01 | +0,01 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,22 | -4,02 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,33 | -3,21 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | -2,00 | -3,09 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.176,49 | -1,64 |
| TecDax | 775,12 | -2,42 |
| DowJones | 11.188,23 | -2,99 |
| Nasdaq | 2.259,04 | -3,20 |
| STOXX 50 | 3.224,50 | -1,54 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,42 | -0,24 |
| Bund Future | 115,43 | +0,25 |
| Gold | 793,80 | +0,32 |
| Öl | 107,49 | +0,77 |